Raumakustik im Cafe Meier

Seit mehreren Jahren besuche ich das Cafe Meier am Linzer Pfarrplatz Nr. 7 regelmäßig zum Frühstücken, zur Erholung und zur Kontemplation. So ist mir das Cafe Meier schon länger als „zweites Wohnzimmer“ ans Herz gewachsen. Umso mehr freute es mich, dass mir die Geschäftsführung bei den anstehenden Plänen „die Raumakustik in einem wesentlichen Teil des Lokals zu verbessern“ Gelegenheit zur fachlichen Begleitung gab.

Zur theoretischen Ausgangssituation:

Das klassische Problem bei Veranstaltungs- und Aufenthaltsräumen ist, dass sich z.B. bei der Unterhaltung mehrerer Personen im Raum typischerweise ein anhaltender Innenpegel einstellt. Damit unsere GesprächspartnerInnen unseren Mitteilungen folgen können, legen wir die Stimme selbst so an, dass beim Ohr unseres Gegenübers in etwa ein Spitzenschalldruckpegel von LA,max = 55 – 70 dB (Unterhaltung aus 50 cm in mäßiger Lautstärke) ankommt. Im Gesprächsablauf verändert sich der Schalldruckpegel je nach Wortfolge und Intonierung schnell. Aber auch die kulturelle Prägung und die Erziehung der Menschen hat durchwegs einen Einfluss auf die Art und Ausprägung der mündlichen Kommunikation. Oder manchmal wird die Stimmung im Lokal auch bereits durch eine „Hintergrundmusik“ oder im schlechteren Fall durch Küchen- und/oder Anlagengeräusche (Lüftungen, Kältetruhen, Spielautomaten etc.) oder – bei Nähe zum städtischen Verkehr durch Verkehrslärm vorbelastet.

Damit die menschliche Kommunikation funktioniert, reagieren die Personen praktisch immer gleich. Bei lauter Umgebung wird die eigene Stimmlage angepasst … d.h. „man spricht lauter“. Dieser Umstand führt schnell zu einer Kaskade, indem die Vielzahl der anwesenden Personen zugleich eine Anpassung an die jeweils lautere Umgebung vornimmt und damit alle Anwesenden im Raum zur Pegelhebung beitragen, bis diese beginnt unangenehm und übermäßig zu werden.

Zur praktischen Ausgangssituation:

In einem Cafe haben die Gäste üblicherweise die Erwartungshaltung, in gemäßigter Lautstärke und weitgehend unbeeinflusst von anderen Gästen sich zu entspannen bzw. sich zu unterhalten. Um dieser Erwartungshaltung gerecht zu werden, wurde im größeren Aufenthaltsraum des Cafe Meier eine Verbesserung der gegebenen Raumakustik überlegt und von der Geschäftsführung bereits ganz konkrete Maßnahmenvorschläge unterbreitet. So war der Plan, einen Teil der verfügbaren Flächen im Raum mit einem naturnahen Filzgewebe aus Schafwolle (Lieferant war die Firma ISOLENAWOLLE aus dem oberösterreichischen Waizenkirchen) zu versehen.

Mit einem Präzisionsschallpegelmessgerät wurde sodann vor dem Umbau eine Messung der im Raum gegebenen Nachhallzeit (ohne Beteiligung von Gästen) vorgenommen. Damit wurde vereinfacht gesagt die „Raumantwort“ – die bestehende „Halligkeit“ im Raum erhoben. Normgemäß beschreibt dieser Parameter die Zeit in Sekunden, in welcher sich eine Schallpegelspitze im Raum um 60 dB verringert. Je länger die Zeit andauert, desto halliger ist der Raum. In großen Kirchen kann die Nachhallzeit über mehrere Sekunden laufen. Übliche Wohnzimmer (klassische Ausstattung mit Polstermöbeln, Vorhänge und ev. Bodenläufern/Teppichen etc.) sollten eine Nachhallzeit von ≤ 0,5 Sekunden aufweisen, damit unsere Erwartung an ein „Wohlgefühl“ auch mit der Akustik im Raum übereinstimmt.

Die erste Messung im „unteren Saal“ lieferte eine mittlere Nachhallzeit von 0,9 Sekunden. Als Qualitätsziel für die Verbesserung der Raumakustik im Cafe Meier wurde gegenständlich eine mittlere Nachhallzeit von 0,6 – 0,7 Sekunden (d.h. 1/4 bis 1/3 weniger als zuvor) angelegt und berechnet, dass beim Raumvolumen von ca. 183 m³ ein Materialeinsatz von wenigstens 29 m² des Filzgewebes diesem Ziel entsprechen sollte.

Fotodokumentation zum interessierenden Aufenthaltsraum des Cafes:

Nachhallzeit 01

Nach dem Umbau des Raumes:

Gegen Ende des Jahres 2017 wurde der untere Saal nun teilweise mit dem Filzgewebe aus Schafwolle ausgekleidet. Infolge der naturnahen Farbe des Schafwollfilzes ist nur bei genauer Betrachtung ein Unterschied zur ursprünglichen Farbgebung der Decke bzw. zur Farbe in den Wandnischen auszumachen. Den meisten Gästen dürfte die Verbesserung optisch gar nicht auffallen und so bleibt der Charakter des Cafes auch zu 100% erhalten.

Bereits in dieser ersten Umbauphase zeigte sich nun zur messtechnischen Nachkontrolle, dass das gesetzte Ziel mit einer mittleren Nachhallzeit von ≤ 0,7 dB schon erreicht wurde. Erwartungsgemäß liegt die Verbesserung in den höheren Frequenzbereichen (ab ca. 1.000 Hz) am Höchsten. Der Bereich um 500 Hz wäre aus Sicht des Akustikers allerdings noch verbesserungsfähig. Aber noch wurden auch nicht alle zur Verfügung stehenden Nischen mit dem Filzgewebe versehen. Durch die aktuelle Bedämpfung wird die Sprachverständlichkeit aber schon deutlich verbessert.

Durch den beabsichtigten Effekt, bleiben die Personen im Gespräch länger auf „normal lautem Gesprächsniveau“ und heben die Stimmen nicht um weitere 5 – 10 dB an, um die Anderen zu übertönen. Damit wird es langfristig im Saal geschätzt um ca. ¼ der subjektiven Lautheit leiser sein, als dies vor dem Umbau der Fall war. Diese deutliche Entlastung von Gästen und MitarbeiterInnen ist ein guter Erfolg!

Fotodokumentation zum Umbau (Hervorhebung des Filzstoffes in den markierten Bereichen):

Nachhallzeit 02+03

Grafische Gegenüberstellung der Vorher-Nachher-Messung zur Nachhallzeit im Raum:

Nachhallzeit 04

Andreas Doppler, 07.01.2018
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