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  • Admin um 20:29 am 11. November 2017 Permalink | antworten  

    Das Hörvermögen von Vögeln 

    Das Mittelohr hat bei Amphibien, Reptilien und Vögeln eine ähnliche Verstärkerfunktion wie bei den Säugern, obwohl diese Tierarten nur zwei Gehörknöchelchen besitzen.

    Nachfolgend beispielhafte Audiogramme zum Hörschwellenverlauf von Vögeln:

    Hörvermögen Voegel

    Analyse des Diagramms:

    So liegt die akustische Wahrnehmung der tagesaktiven Vogelarten tendenziell innerhalb der Wahrnehmungsgrenzen des Menschen. Augenscheinlich sind keine besonderen Wahrnehmungen in tieferen oder höheren Frequenzbereichen gegeben. Die Wahrnehmung von Frequenzen zwischen 1.000 und 6.000 Hz ist am stärksten ausgeprägt. Bei den nachtaktiven Eulen ist eine gänzlich andere Wahrnehmung gegeben. Das Hörvermögen dieser Tiere gleicht dem von Katzen mit der Wahrnehmung eines rund 100-fach geringeren Schalldrucks (im Vergleich zur Normkurve) im Frequenzbereich von 4.000 bis 6.000 Hz. Es fällt aber auf, dass die Vögel keine Präferenz im Bereich des Ultraschalls (d.h. Frequenzen über 20.000 Hz) aufweisen.

    Andreas Doppler, 11.11.2017
    ­­­­­­­­­­­­­­­­­­http://www.sachverstand.org

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  • Admin um 20:24 am 11. November 2017 Permalink | antworten  

    Das Hörvermögen von Hunden und Katzen 

    Bei den meisten Säugetieren wird der Luftschall von der Ohrmuschel aufgefangen und durch den äußeren Gehörgang zum Trommelfell geleitet, das von den Schallwellen in Schwingungen versetzt wird. Durch das Trommelfell wird die Paukenhöhle in der die gelenkig verbundenen Gehörknöchelchen liegen, nach außen abgeschlossen. Das Mittelohr funktioniert als Schalldruckverstärkersystem mit drei verschiedenen Komponenten:

    1. Bildung eines Hebelarmes durch unsymmetrische Anheftung des Hammers an das Trommelfell
    2. unterschiedliche Hebelarmlänge der Gehörknöchelchen (der Hebelarm des Hammers ist immer größer als der des Amboss)
    3. unterschiedliches Oberflächenverhältnis zwischen Trommelfell und Steigbügelplatte (das Trommelfell ist immer größer als die Steigbügelplatte). Das Verhältnis Fell zu Platte beträgt beim Menschen 15:1 und ist bei anderen Säugern häufig größer: Hund 27:1, Ratte 34:1. Auch bei Vögeln korreliert dieser Quotient mit der Empfindlichkeit des auditorischen Systems und beträgt beispielsweise beim Haubentaucher nur 18:1, bei der Waldohreule jedoch 40:1).

    Durch reflektorische Kontraktion der Muskeln des Mittelohres wird oft  eine größere Steifheit der Übertragungskette erreicht und damit der Durchlass für tiefere Frequenzen gedämpft. Das Mittelohr hat bei Amphibien, Reptilien und Vögeln eine ähnliche Verstärkerfunktion wie bei den Säugern, obwohl diese Tierarten nur zwei Gehörknöchelchen besitzen (Quelle: Physiologie der Haustiere; Wolfgang von Engelhardt, Gerhard Breves, Frank Ahrens; 2005).

    Nachfolgend beispielhafte Audiogramme zum Hörschwellenverlauf von domestizierten Hunderassen (links) und Katzen (rechts):Hörvermögen Hunde+Katzen2

    Analyse des linken Diagramms (Hunde):

    Dargestellt werden sechs Audiogramme zum Hörschwellenverlauf von domestizierten Hunderassen. Die große Ähnlichkeit der zwei empfindlichsten Hörschwellenkurven (vgl. „Hund 1“ und „Pudel“) lässt annehmen, dass es sich bei beiden Audiogrammen um dieselbe Hunderasse und vielleicht auch um dieselbe Messung handelt.

    Die niedrigste Hörschwelle liegt bei den Probanden im Bereich von 8.000 Hz, wobei das Leistungsvermögen des Gehörs (vgl. 0 dB auf der Ordinate) vergleichbar dem des Menschen liegt. Die Rasse der Pudel hebt sich im Diagramm mit einer umfangreicheren „unteren Hörschwelle“ im Frequenzbereich zwischen 4.000 bis 8.000 Hz hervor.

    Tendenziell liegt die akustische Wahrnehmung aller Probanden im Frequenzbereich von < 4.000 Hz niedriger als beim Menschen. Im Frequenzbereich zwischen 4.000 und 8.000 Hz ähnelt die Wahrnehmungsgrenze dem des Menschen. Bei höheren Frequenzen zwischen 10.000 und 20.000 Hz liegt das Hörvermögen der Hunde deutlich (zwischen 15 und 45 dB) über dem des Menschen, wobei die Wahrnehmung im Ultraschallbereich bis etwa 50.000 Hz hoch leistungsfähig bleibt. Die A-Bewertungskurve vermag im Bereich zwischen 4.000 und 20.000 Hz das Hörvermögen der Hunde mit 2 bis 8 dB, d.h. durchschnittlich mit 5 dB Unterschreitung abzubilden. Im Bereich unter 4.000 Hz liegt die A-Bewertung deutlich höher.

    Analyse des rechten Diagramms (Katzen):

    Tendenziell liegt die akustische Wahrnehmung der Probanden im Frequenzbereich unter 500 Hz vergleichbar dem des Menschen. Die niedrigste Hörschwelle liegt im Bereich zwischen 2.000 und 8.000 Hz vor, wobei das Leistungsvermögen des Katzengehörs (vgl. Differenz von – 20 dB zur A-Bewertungskurve) bedeutend über dem des Menschen liegt. Eine Differenz von 20 dB bedeutet, dass die Tiere im eingeschränkten Frequenzbereich einen rund 100-fach geringeren Schalldruck wahrnehmen können. Die Pegeldifferenz von +/- 20 dB entspricht beim Menschen in etwa einer Vervierfachung bzw. einer Viertelung der empfundenen Lautheit.

    Auffällig ist im Großen und Ganzen, dass das Hörvermögen von Katzen im Bereich ab 10.000 bis 80.000 Hz dem Hörvermögen der Beutetiere (Mäuse und Ratten) ähnelt. Das Gehör der Katzen ist über den großen Frequenzbereich enorm leistungsfähig; übersteigt beispielsweise im Bereich zwischen 500 und 40.000 Hz den Referenzpegel von 0 dB der Bewertung „A“ um bis zu rund 20 dB.

    Andreas Doppler, 11.11.2017
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  • Admin um 15:23 am 19. November 2015 Permalink | antworten  

    Umweltschutzkriterium Bioakustik – Tiere und Lärm 

    Lärm führt je nach Art und Stärke bei Tieren bereits zur Erhöhung der Aufmerksamkeit, zur Erhöhung der Herzfrequenz, zur Verhaltensveränderung, zu Gehörschäden, zur Flucht und Vertreibung, etc. und Tiere, die sich akustisch verständigen oder deren Jagderfolg vom Hörsinn abhängt, werden in ihrer Kommunikation bzw. Nahrungsaufnahme gestört.

    Noch bleiben aber vielfach Fragen offen, wie Schall von Tieren (insbesondere Wildtieren) wahrgenommen wird und das Verhalten und deren Befindlichkeit beeinflusst. Denn, die Wirkung von Lärm auf Tiere ist, soweit überhaupt bekannt, nicht immer dieselbe. So reagieren verschiedene Tierarten unterschiedlich auf akustische Stimuli. Zudem ist es vielfach nicht die Lärmwirkung alleine, da auch erst die Kombination mit anderen Reizen in den Tieren Reaktionen auszulösen vermag.

    Von Bedeutung sind diesbezügliche Erkenntnisse für Umweltuntersuchungen im Rang der Umweltverträglichkeits- und Naturverträglichkeitsprüfung, wenn Umweltschutz als Querschnittsmaterie von Akustik, Umweltmanagement, Ornithologie, Wildökologie, Forstwirtschaft und Gesetzgebung zu behandeln ist.

    Zum Hörvermögen von Tieren

    An Ihre Umweltbedingungen angepasste Tierarten weisen in der Regel ein besonderes Hörvermögen auf. Vielfach liegt der akustische Schwerpunkt der tierischen Kommunikation und Wahrnehmung im Frequenzbereich zwischen 1.000 und 20.000 Hz und umfasst teils auch den – für Menschen nicht mehr wahrnehmbaren – Ultraschallbereich ab 20.000 Hz.

    Liegen bei den untersuchten Tierarten im Frequenzbereich unter 1.000 Hz kaum Überschreitungen zu den international standardisierten „Normkurven“ (vereinfachte Abbilder des menschlichen Hörvermögens) vor, sind bei vielen Tierarten Abweichungen im Frequenzbereich zwischen 1.000 und 20.000 Hz zu finden. Die größten Abweichungen wurden u.a. im Rahmen meiner Masterthese-/Diplomarbeit bei Eulen, Katzen und Mäusen festgestellt.

    So zeigte sich im ersten Schritt der Untersuchung, dass die in der Schalltechnik für den Menschen gebräuchlichen Bewertungskurven kein ausreichendes Abbild des tierischen Hörvermögens im Frequenzbereich über 1.000 Hz schaffen. Bei der Beurteilung der schallimmissionstechnischen Wirkung auf Tiere wäre demnach Rücksicht auf artspezifisch besonders ausgeprägte Hörvermögen zu nehmen.

    Allgemein gilt, dass dem Hören wie insbesondere auch dem richtungsbezogenen Wahrnehmen (z.B. Ortungsvermögen von Schallquellen) ein äußerst komplexes biologisches System zugrunde liegt. Die Bestimmung des Hör- und Wahrnehmungsvermögens von Mensch und Tier mit Hilfe von technischen bzw. physikalischen Parametern bleibt demnach generell nur eine grobe Annäherung an die tatsächlichen Abläufe. Daher ist die weitere Grundlagenforschung an Tieren bzw. am Wahrnehmen von Geräuschen und dadurch ausgelösten Verhalten bei Tieren unumgänglich.

    Andreas Doppler, 19.11.2015
    ­­­­­­­­­­­­­­­­­­www.sachverstand.org

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