{"id":215,"date":"2016-12-08T13:48:57","date_gmt":"2016-12-08T12:48:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sachverstand.org\/blog11\/?p=215"},"modified":"2025-11-02T16:07:42","modified_gmt":"2025-11-02T15:07:42","slug":"baulaerm-nachbarschaftsschutzfragen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sachverstand.org\/blog11\/baulaerm-nachbarschaftsschutzfragen\/","title":{"rendered":"Baul\u00e4rm &#8211; Nachbarschaftsschutzfragen"},"content":{"rendered":"<p>Betreffend die Errichtung von Bauwerken sind grunds\u00e4tzlich <strong>die baurechtlichen Bestimmungen der Bundesl\u00e4nder<\/strong> wie z.B. Bauordnungen, Bautechnikverordnungen, Baupolizeiverordnungen etc. zu beachten. Und ein Teil der Bundesl\u00e4nder hat betreffend Baul\u00e4rm auch erg\u00e4nzende Anmerkungen in diesen Unterlagen verankert.<\/p>\n<p>So regelt u.a. die O\u00f6. Bautechnikverordnung mit \u00a7 12 &#8222;Baul\u00e4rm&#8220;, dass <em>Bauarbeiten, die im Freien L\u00e4rm erzeugen, in Wohn- und Kurgebieten gem\u00e4\u00df \u00a7 22 Abs. 1 und 3 O\u00f6. Raumordnungsgesetz 1994 an Sonn- und gesetzlichen Feiertagen \u00fcberhaupt nicht, von Montag bis Freitag nur in der Zeit von 6.00 Uhr bis 20.00 Uhr und an Samstagen nur von 7.00 Uhr bis 14.00 Uhr vorgenommen werden. In allen anderen Baulandgebieten gem\u00e4\u00df den \u00a7\u00a7 21 bis 24 O\u00f6. Raumordnungsgesetz 1994, mit Ausnahme von Industriegebieten, d\u00fcrfen l\u00e4rmerzeugende Bauarbeiten werktags in der Zeit von 6.00 Uhr bis 20.00 Uhr durchgef\u00fchrt werden.<\/em><\/p>\n<p>Dabei d\u00fcrfen alle im Zuge einer Bauarbeit erzeugten Ger\u00e4usche (bezogen auf das offene Fenster des n\u00e4chstgelegenen Aufenthaltsraums von Nachbarliegenschaften) einen maximal zul\u00e4ssigen Schalldruckpegel (Beurteilungspegel Lr) des dort herrschenden Gesamtl\u00e4rms von 55 dB in Wohn- und Kurgebieten bzw. von 70 dB in allen anderen Baulandgebieten nicht \u00fcberschreiten. Wiederkehrende L\u00e4rmspitzen (LA,max) d\u00fcrfen 85 dB nicht \u00fcberschreiten.<\/p>\n<p>Die zust\u00e4ndige Baubeh\u00f6rde hat allerdings die M\u00f6glichkeit befristete Ausnahmen (gegebenenfalls unter Vorschriebung von Ersatzma\u00dfnahmen zur Sicherstellung des Nachbarschaftsschutzes im notwendigen Ausma\u00df) zu gew\u00e4hren, wenn das Bauvorhaben andernfalls nicht ausgef\u00fchrt werden k\u00f6nnte oder ein unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfiger wirtschaftlicher Aufwand droht.<\/p>\n<p>Andere Bundesl\u00e4nder haben eigene Festlegungen wie z.B. Wien mit der Vorgabe zur Verwendung von jeweils emissions\u00e4rmsten Bauger\u00e4tschaften getroffen. Es w\u00fcrde aber den Rahmen dieses Artikels sprengen, auf alle bundesl\u00e4nderspezifischen Regelungen hinzuweisen. Ich ersuche Sie daher, sich selbst dar\u00fcber zu informieren. Eine gro\u00dfe Hilfe dazu ist das Dokumentenarchiv des Bundeskanzleramtes (Rechtsinformationssystem des Bundes &#8211; RIS), welches \u00fcber die Internetadresse&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.ris.bka.gv.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.ris.bka.gv.at\/<\/a> zu erreichen ist.<\/p>\n<p>Wird <strong>Baul\u00e4rm z.B. im Rahmen von Umweltvertr\u00e4glichkeitspr\u00fcfungen<\/strong> (in der Regel f\u00fcr gr\u00f6\u00dfere industrielle oder infrastrukturbezogene Bauvorhaben zutreffend) betrachtet, sind die Regelungen nach der \u00d6AL Richtlinie Nr. 3-1:2008 (Kapitel&nbsp; 8 Schallimmissionen von Baubetrieb) hilfreich. Diesem Regelwerk nach ist der Beurteilungspegel f\u00fcr baubedingte Ger\u00e4usche (aufgrund der typischen Ton- und Impulshaltigkeiten, spricht den Auff\u00e4lligkeiten und m\u00f6glichen subjektiven L\u00e4stigkeiten) mit einem Anpassungswert von 5 dB zu beaufschlagen. Andererseits d\u00fcrfen bei zeitlich kurz gehaltenen Bauarbeiten (von wenigen Tagen bis h\u00f6chstens 4 Wochen) auch Abz\u00fcge in Rechnung gestellt werden.<\/p>\n<p>\u00dcbersteigt der Beurteilungspegel des Baubetriebes die fl\u00e4chenwidmungsspezifischen Planungsrichtwerte nach \u00d6NORM S 5021 oder liegt h\u00f6her als die orts\u00fcbliche Ist-Lage, ist regul\u00e4r eine eine individuelle schalltechnische und l\u00e4rmmedizinische Beurteilung durchzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Weiter f\u00fchrt die Richtlinie beispielsweise erprobte Einschr\u00e4nkungen und Ma\u00dfnahmen (nachstehend aus Auszug der \u00d6AL RL 3-1:2008) an.<\/p>\n<p><em>&#8211; Ergeben Prognoseberechnungen f\u00fcr Lr,Bau einen h\u00f6heren Wert als 65 dB, so ist eine regelm\u00e4\u00dfige schalltechnische Kontrolle durch Messung notwendig.<\/em><\/p>\n<p><em>&#8211; Bei l\u00e4ngerfristigen Auftreten (ab 4 Wochen) eines Beurteilungspegels Lr,Bau von 65 dB bis 70 dB soll zum Schutz der Bev\u00f6lkerung eine Mittagspause eingef\u00fchrt werden.<\/em><\/p>\n<p><em>&#8211; \u00dcberschreitungen des Lr,Bau von 70 dB sind nicht kontinuierlich w\u00e4hrend der gesamten Woche zul\u00e4ssig. Sollten technische Schutzma\u00dfnahmen nicht durchf\u00fchrbar oder nur mit unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig hohen Mehrkosten durchf\u00fchrbar sein, so sind diese hohen Pegel nur jeden zweiten Tag oder <\/em><em>t\u00e4glich halbtags zul\u00e4ssig.<\/em><\/p>\n<p>Und betreffend die <strong>Bauarbeiten von Bundesstra\u00dfen<\/strong> wurde mit der Bundesstra\u00dfen-L\u00e4rmimmissionsschutzverordnung (BStL\u00e4rmIV) ein weiteres Dokument geschaffen, welches u.a. ein Bewertungs- und Beurteilungssystem f\u00fcr Baul\u00e4rm bietet. Und auch diesem Regelwerk nach ist der Beurteilungspegel f\u00fcr baubedingte Ger\u00e4usche mit einem Anpassungswert von 5 dB zu beaufschlagen, sofern diese nicht dem Verkehrsl\u00e4m \u00f6ffentlicher Stra\u00dfen vergleichbar ist.<\/p>\n<p>Die Grenzen zur Gesundheitsgef\u00e4hrung werden laut Absatz 4 wie folgt gesetzt:<\/p>\n<table style=\"height: 198px;\" width=\"761\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"132\">\n<pre><strong>Grenzwerte<\/strong><\/pre>\n<\/td>\n<td width=\"132\">\n<pre><strong>Tageszeit (6-19h)<\/strong><\/pre>\n<\/td>\n<td width=\"132\">\n<pre><strong>Abendzeit (19-22h)<\/strong><\/pre>\n<\/td>\n<td width=\"132\">\n<pre><strong>Nachtzeit (22-6h)<\/strong><\/pre>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"132\">\n<pre>An Werktagen<\/pre>\n<\/td>\n<td width=\"132\">\n<pre>Lr,Bau,Tag,W \u2264 67,0 dB<\/pre>\n<\/td>\n<td width=\"132\">\n<pre>Lr,Bau,Abend,W \u2264 60,0 dB<\/pre>\n<\/td>\n<td rowspan=\"3\" width=\"132\">\n<pre>Lr,Bau,Nacht \u2264 55,0 dB<\/pre>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"132\">\n<pre>An Samstagen<\/pre>\n<\/td>\n<td width=\"132\">\n<pre>Lr,Bau,Tag,Sa \u2264 60,0 dB<\/pre>\n<\/td>\n<td width=\"132\">\n<pre>Lr,Bau,Abend,Sa \u2264 55,0 dB<\/pre>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"132\">\n<pre>An Sonn-\/Feiertagen<\/pre>\n<\/td>\n<td width=\"132\">\n<pre>Lr,Bau,Tag,So \u2264 55,0 dB<\/pre>\n<\/td>\n<td width=\"132\">\n<pre>Lr,Bau,Abend,So \u2264 55,0 dB<\/pre>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Dabei ist zu beachten, dass die Beurteilung des werkt\u00e4gigen Tages- und Abendzeitraumes auf einen mittleren Beurteilungspegel (Durchschnitt \u00fcber einen Regelmonat von 20 Bauarbeitstagen) bezogen gilt und grunds\u00e4tzlich bei allen Beurteilungszeitr\u00e4umen als ma\u00dfgebliche Immissionspunkte die Nachbargeb\u00e4udefassaden gelten und folglich keine Beurteilung an z.B. vorgelagerten G\u00e4rten und Terrassen zu treffen ist.<\/p>\n<p>Aktuell steht die Bundesstra\u00dfen-L\u00e4rmimmissionsschutzverordnung im Fokus einer Pr\u00fcfung durch den Bundesverwaltungsgerichtshof. Es bleibt abzuwarten, welche Entscheidungen das Gericht trifft und ob eventuell die Verordnung zur G\u00e4nze oder zu Teilen einer \u00dcberarbeitung zu unterwerfen sein wird.<\/p>\n<p>Andreas Doppler, 08.12.2016<br \/>\n\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad<a href=\"http:\/\/www.sachverstand.org\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.sachverstand.org<\/a><\/p>\n<p>AKUSTIK&nbsp; |&nbsp; LICHTTECHNIK |&nbsp; UMWELTMANAGEMENT<br \/>\nGUTACHTEN- UND SACHVERST\u00c4NDIGENDIENST<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Betreffend die Errichtung von Bauwerken sind grunds\u00e4tzlich die baurechtlichen Bestimmungen der Bundesl\u00e4nder wie z.B. Bauordnungen, Bautechnikverordnungen, Baupolizeiverordnungen etc. zu beachten. 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