{"id":342,"date":"2017-10-26T21:08:17","date_gmt":"2017-10-26T19:08:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sachverstand.org\/blog11\/?p=342"},"modified":"2025-11-02T16:05:44","modified_gmt":"2025-11-02T15:05:44","slug":"stoergeraeusche-einer-heizungsanlage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sachverstand.org\/blog11\/stoergeraeusche-einer-heizungsanlage\/","title":{"rendered":"St\u00f6rger\u00e4usche einer Heizungsanlage"},"content":{"rendered":"<p>Anl\u00e4sslich einer Anfrage wurde ich ersucht, einem Brummton nachzugehen, der ausgehend vom Kellerraum&nbsp;&#8211; \u00fcber das Erdgeschoss&nbsp;wirkend &#8211; in die Wohnr\u00e4ume des&nbsp;Obergeschosses&nbsp;\u00fcbertragen wurde. Die ma\u00dfgebliche Schallquelle in diesem Fall war&nbsp;die im Kellerraum installierte Steuereinheit einer W\u00e4rmepumpe (WPA) mit innenliegendem&nbsp;Kompressor. Die Front und die Seitenbleche des Ger\u00e4tegeh\u00e4uses sind innenseitig mit einer isolierenden Schaumstoffmatte verkleidet. Die R\u00fcckseite weist eine d\u00fcnnere Deckplatte&nbsp;auf. In der Absicht die Vibrationen der Anlage einzud\u00e4mmen, wurde unter dem&nbsp;Geh\u00e4use&nbsp;zuerst eine Gummimatte, sp\u00e4ter eine weichere Schaumstoffmatte gestellt. Die Anschlussleitung (Medienleitung) wurde mit handels\u00fcblichen Metallschellen direkt an das Betonmauerwerk des Kellers angeschlossen.<\/p>\n<p>Fotodokumentation:&nbsp; WPA-Geh\u00e4use mit Unterlegsmatte (links), WPA und&nbsp;Pufferspeicher (mittig) und Medienleitungsmontage (rechts)<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-346\" src=\"http:\/\/www.sachverstand.org\/blog11\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/WPA-Aufstellung.jpg\" alt=\"WPA Aufstellung\" width=\"892\" height=\"348\" srcset=\"https:\/\/www.sachverstand.org\/blog11\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/WPA-Aufstellung.jpg 1349w, https:\/\/www.sachverstand.org\/blog11\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/WPA-Aufstellung-300x117.jpg 300w, https:\/\/www.sachverstand.org\/blog11\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/WPA-Aufstellung-768x299.jpg 768w, https:\/\/www.sachverstand.org\/blog11\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/WPA-Aufstellung-1024x399.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 892px) 100vw, 892px\" \/><\/p>\n<p><strong>Das Problem der Bewohner stellt sich wie folgt dar: <\/strong>Die im Ger\u00e4tekeller von dieser Anlage ausgehenden&nbsp;tiefen Frequenzen zeigen eine starke Auspr\u00e4gung bei 50 Hz und 100 Hz. Das ganze Anlagenger\u00e4usch &#8211; aber insbesondere die tiefen Frequenzanteile werden ausgehend vom Anlagengeh\u00e4use durch die &#8222;K\u00f6rperschall\u00fcbertragung&#8220;&nbsp;durch den&nbsp;Boden und die Befestigungsschellen wie auch durch&nbsp;die&nbsp;&#8222;Luftschall\u00fcbertragung&#8220; \u00fcber den Spalt zwischen Geh\u00e4use und Betonwand auf die Geb\u00e4udeteile \u00fcbertragen.<\/p>\n<p>Die \u00dcbertragung reicht so weit, dass \u00fcber zwei Geschosse und auf&nbsp;die gegen\u00fcberliegende Geb\u00e4udeseite reichend &#8211; im das Schlafzimmer der Eltern und im Kinderzimmer noch ma\u00dfgebliche Schallanteile im Raum hervortreten. Der resultierende <span style=\"text-decoration: underline;\">Schallpegel von letztlich rd. 22 dB(A) im Raum entspricht auch den facheinschl\u00e4gigen Grenzwerten<\/span> und w\u00e4re demnach zul\u00e4ssig bzw. akzeptabel. Wenn nicht w\u00e4re, dass sich das Anlagenger\u00e4usch (\u00fcber die schwingenden W\u00e4nde und Decken wieder in die Raumluft abgegeben) in konzentrierter Weise mit&nbsp;rd. 200 Hz im Elternschlafzimmer und mit rd. 400 Hz im Kinderzimmer bemerkbar machen w\u00fcrde!<\/p>\n<p>Solche &#8222;schmalbandigen Ger\u00e4uschanteile&#8220; bzw.&nbsp;&#8222;tonale Ger\u00e4uschanteile&#8220; k\u00f6nnen vom menschlichen Geh\u00f6r besonders gut aus einem allgemeinen Hintergrundger\u00e4usch &#8222;heraussortiert&#8220; werden. Aufgrund der geringen Pegellage ist das Ger\u00e4usch nur zu allgemein ruhigen Zeiten &#8211; d.h. insbesondere&nbsp;zur Nachtzeit&nbsp;&#8211; wahrnehmbar. Aber offen gesagt,&nbsp;das anhaltende Surren\/Pfeiffen&nbsp;nervt einfach.<\/p>\n<p>Die nachstehenden Grafiken bilden die zum Betrieb der Anlage zugeh\u00f6rigen Ger\u00e4uschspektren ab. Ein Ger\u00e4uschspektrum ist vereinfacht ausgedr\u00fcckt eine Aufsplittung des Gesamtger\u00e4usches in seine einzelnen Bestandteile, wobei man sich auf die Frequenzen des vom Menschen h\u00f6rbaren Bereiches zwischen 20 Hz und 20.000 Hz beschr\u00e4nkt. Die wei\u00dfen Balken im Diagramm bilden die ungefilterten Messpegel ab, wobei die blauen Balken bereits eine Umrechnung auf das menschliche H\u00f6rverm\u00f6gen (den sogenannten A-Filter) beinhalten und daher f\u00fcr die Beurteilung heranzuziehen sind.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-343\" src=\"http:\/\/www.sachverstand.org\/blog11\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/WPA-Kellerraum.jpg\" alt=\"WPA Kellerraum\" width=\"632\" height=\"476\" srcset=\"https:\/\/www.sachverstand.org\/blog11\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/WPA-Kellerraum.jpg 1094w, https:\/\/www.sachverstand.org\/blog11\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/WPA-Kellerraum-300x226.jpg 300w, https:\/\/www.sachverstand.org\/blog11\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/WPA-Kellerraum-768x578.jpg 768w, https:\/\/www.sachverstand.org\/blog11\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/WPA-Kellerraum-1024x771.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 632px) 100vw, 632px\" \/><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-344\" src=\"http:\/\/www.sachverstand.org\/blog11\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/WPA-Wohnraum.jpg\" alt=\"WPA Wohnraum\" width=\"633\" height=\"476\" srcset=\"https:\/\/www.sachverstand.org\/blog11\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/WPA-Wohnraum.jpg 1104w, https:\/\/www.sachverstand.org\/blog11\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/WPA-Wohnraum-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.sachverstand.org\/blog11\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/WPA-Wohnraum-768x577.jpg 768w, https:\/\/www.sachverstand.org\/blog11\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/WPA-Wohnraum-1024x769.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 633px) 100vw, 633px\" \/><\/p>\n<p>Im&nbsp;Versuch das Problem zu beheben wurde vom Anlagenlieferanten&nbsp;die Unterlegmatte&nbsp;getauscht und der Kompressor mit einer Schutzh\u00fclle weiter ged\u00e4mmt. Der Austausch der fl\u00e4chigen Gummimatte gegen&nbsp;spezielle&nbsp;elastischere Streifenmatten konnte die Vibration am Ger\u00e4t merklich mindern. Die D\u00e4mmung des Kompressors hat ebenfalls eine leichte Minderung (Absenkung des Ger\u00e4usches um 2 &#8211; 3 dB) erm\u00f6glicht. Allerdings sind&nbsp;die Verbesserungen in Bezug auf das &#8222;Tonph\u00e4nomen&#8220; akustisch kaum wirksam geworden, die tiefen Frequenzen im Keller und das Surren in den Schlafr\u00e4umen blieben aufrecht.<\/p>\n<p>Interessanterweise f\u00fchrte ein Entfernen einer Seitenwand zu einer Minderung des Brummtones. Dies weist darauf hin, dass der Brummton mit einer Resonanz im Geh\u00e4useinneren in Verbindung steht. Meinem Ersuchen den Hohlraum im Geh\u00e4useinneren mit einer Einlage zu reduzieren,&nbsp;die Luftschall\u00fcbertragung \u00fcber den r\u00fcckw\u00e4rtigen Spalt mit der kosteng\u00fcnstigen D\u00e4mmmatte zu unterbinden und die einfachen Montageschellen gegen isolierte (vibrationsarme) Montagen auszutauschen wurde leider nicht gefolgt.&nbsp;So war die Stimmung&nbsp;zwischen dem ver\u00e4rgerten&nbsp;Hausbesitzer und dem Anlagenlieferanten bereits am&nbsp;Tiefpunkt&nbsp;und&nbsp;die Bereitschaft zur&nbsp;weiteren Analyse und Verbesserung angeschlagen.<\/p>\n<p>Warum sich die tiefen Anlagenfrequenzen u.a. so gut \u00fcber die Baukonstruktion verteilten ist mit nachfolgenden Schaubildern erkl\u00e4rbar.<\/p>\n<p>So zeigen Baumaterialien (besonders schwere Bauteile mal ausgenommen) eine Tendenz die Frequenzen im mittleren und h\u00f6heren Bereich&nbsp;gut abzuhalten, sprich &#8211; zu d\u00e4mmen. Im&nbsp;Gegensatz hierzu haben jedoch tiefe&nbsp;Frequenzen die M\u00f6glichkeit den geringeren Materialwiderstand zu \u00fcberwinden und mehr Schallenergie\/Schwingungsenergie an das Bauwerk weiterzugeben. Und liegt einmal eine ma\u00dfgebliche Anregung des Bauwerkes vor, tut sich der Schall leicht sich \u00fcber die nicht immer ausreichend mit trennenden\/isolierenden Fugen ausgestatteten Bauwerksteile auszubreiten. Manchmal liegen auch sp\u00fcrbare Vibrationen vor &#8211; vielfach reicht es aber schon, wenn die &#8211; von den Schwingungen angeregten W\u00e4nde und Decken als &#8222;Lautsprecher&#8220;&nbsp;ihrerseits die Schallenergie wieder an die Raumluft abgeben.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone  wp-image-375\" src=\"http:\/\/www.sachverstand.org\/blog11\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Bauschalld\u00e4mmung01-1.jpg\" alt=\"Bauschalld\u00e4mmung01\" width=\"804\" height=\"427\" srcset=\"https:\/\/www.sachverstand.org\/blog11\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Bauschalld\u00e4mmung01-1.jpg 1577w, https:\/\/www.sachverstand.org\/blog11\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Bauschalld\u00e4mmung01-1-300x159.jpg 300w, https:\/\/www.sachverstand.org\/blog11\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Bauschalld\u00e4mmung01-1-768x408.jpg 768w, https:\/\/www.sachverstand.org\/blog11\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Bauschalld\u00e4mmung01-1-1024x543.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 804px) 100vw, 804px\" \/><\/p>\n<p>So wird allzu oft ein schwer zu behebender Zustand erreicht, wenn haustechnische Anlagen im hohen Ma\u00df tiefe Frequenzen abstrahlen. Hier w\u00e4re der Vermeidung von Brummt\u00f6nen der Vorzug zu geben, da sp\u00e4tere Ma\u00dfnahmen zur D\u00e4mmung und Schwingungsreduzierung zumeist recht aufwendig&nbsp;und damit auch teuer werden.<\/p>\n<p>Andreas Doppler, 26.10.2017<br \/>\n\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad<a href=\"http:\/\/www.sachverstand.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.sachverstand.org<\/a><\/p>\n<p>AKUSTIK&nbsp; |&nbsp; LICHTTECHNIK |&nbsp; UMWELTMANAGEMENT<br \/>\nGUTACHTEN- UND SACHVERST\u00c4NDIGENDIENST<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anl\u00e4sslich einer Anfrage wurde ich ersucht, einem Brummton nachzugehen, der ausgehend vom Kellerraum&nbsp;&#8211; \u00fcber das Erdgeschoss&nbsp;wirkend &#8211; in die Wohnr\u00e4ume des&nbsp;Obergeschosses&nbsp;\u00fcbertragen wurde. 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