{"id":639,"date":"2018-08-16T16:49:13","date_gmt":"2018-08-16T14:49:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sachverstand.org\/blog11\/?p=639"},"modified":"2025-11-09T19:05:07","modified_gmt":"2025-11-09T18:05:07","slug":"die-sonnenbedingte-blendung-beurteilung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sachverstand.org\/blog11\/die-sonnenbedingte-blendung-beurteilung\/","title":{"rendered":"Die sonnenbedingte Blendung \u2013 Beurteilung"},"content":{"rendered":"<p>Neben dem Wunsch nach sonnenreichen Aufenthaltsfl\u00e4chen, m\u00f6glichst hell und&nbsp;nat\u00fcrlich beleuchteten Wohnr\u00e4umlichkeiten, der Gewinnung von umweltfreundlicher Energie und W\u00e4rme&nbsp;etc. <strong>stehen den Vorteilen der Sonneneinstrahlung auch die Nachteile \u00fcberm\u00e4\u00dfiger Blendungen entgegen<\/strong>, wenn diese bei der Planung und Ausf\u00fchrung von&nbsp;Glasfassaden, gl\u00e4nzenden D\u00e4chern und\/oder von Anlagen der Energie- und W\u00e4rmegewinnung (Photovoltaik- und Kollektoranlagen) nicht ausreichend Ber\u00fccksichtigung finden.<\/p>\n<p>Zur <strong>Beurteilung sonnenbedingter Blendungen<\/strong> kann man sich im internationalen Umfeld nachstehender Richtlinien und Leitf\u00e4den wie z.B. dem Leitfaden FS-2014-160 &#8222;Lichteinwirkung auf die Nachbarschaft&#8220; (insb. die Kapitel 6.2 und 6.3) des deutschen Fachverbandes f\u00fcr Strahlenschutz e.V. oder dem Leitfaden \u201eSolaranlagen\u201c des Schweizer Fachverbandes f\u00fcr Sonnenenergie bedienen. F\u00fcr \u00d6sterreich wurden zu diesem Zweck die Grundsatzstudie \u201eMedizinische Beurteilungsgrundlagen der Passiven Blendung\u201c, herausgegeben vom Institut f\u00fcr Umwelthygiene der Medizinischen Universit\u00e4t Wien und die OVE Richtlinie R 11-3:2016 \u201eBlendung durch Photovoltaikanlagen\u201c erstellt und angewendet.<\/p>\n<p>Der OVE Richtlinie R 11-3:2016 nach gelten Wohn- und Schlafr\u00e4ume, aber auch Krankenzimmer und Schulr\u00e4ume; B\u00fcro-, Praxis- und Arbeitsr\u00e4ume; Erholungsbereiche im Au\u00dfenbereich von Wohngeb\u00e4uden und allgemein Verkehrsfl\u00e4chen als sch\u00fctzenswert.<\/p>\n<p><strong>Als Obergrenzen f\u00fcr eine zumutbare Blendung wird vergleichbar den internationalen Regelungen eine Einwirkung von 30 Minuten am Tag und\/oder 30 Stunden im Jahr festgelegt.<\/strong><\/p>\n<p>Fotodokumentation der Sonnenreflexion an einem Solarmodul, Quelle: TB Doppler<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-658\" src=\"https:\/\/www.sachverstand.org\/blog11\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Blendung-04.jpg\" alt=\"Blendung 04\" width=\"596\" height=\"335\"><\/p>\n<p>Begr\u00fcndet werden diese Zumutbarkeitsgrenzen mit der aufgezwungenen Einschr\u00e4nkung der Dispositionsfreiheit im Wohnumfeld und die Notwendigkeit f\u00fcr die Betroffenen &#8211; f\u00fcr die Zeitdauer der Belastung Abwehrma\u00dfnahmen zu setzen, die je nach der aktuellen T\u00e4tigkeit als unangenehm oder st\u00f6rend empfunden werden. Erg\u00e4nzt wurde zur OVE Richtlinie, dass <strong>ab einer Einwirkung von 60 Minuten am Tag bzw. 60 Stunden im Jahr zudem eine Gesundheitsgefahr vakant<\/strong> wird bzw. durch die Folgen chronischer Stresswirkungen aufgrund des l\u00e4nger andauernden Bel\u00e4stigungsempfindens diese nicht auszuschlie\u00dfen ist.<\/p>\n<p>Diesbez\u00fcglich ist es die Aufgabe der lichttechnischen Gutachter, jene Bereiche zu ermitteln &#8211; die durch die interessierenden Anlagen eine relevante Immissionseinwirkung \u00fcber die Dauer von wenigstens 30 Minuten am Tag und\/oder 30 Stunden im Jahr erfahren.<\/p>\n<p>Dem Stand der Technik folgend darf dabei ein <strong>vereinfachtes Rechenverfahren nach dem Prinzip \u201eEinfallswinkel = Ausfallswinkel\u201c<\/strong> ohne Einbezug der sogenannten B\u00fcndelaufweitung erfolgen. Dieser Pragmatismus ist erforderlich, da trotz dem Wissen um die mikroskopischen bis makroskopischen Strukturen in der Oberfl\u00e4che der Reflexionsebene und den davon induzierten wellenl\u00e4ngenspezifischen Brechungen und Beugungen des Lichts &#8211; die davon bestimmte B\u00fcndelaufweitung unter Laborbedingungen f\u00fcr jeden horizontalen und vertikalen Winkel an Einstrahlung am jeweiligen Produkt getestet und gesondert ausgewiesen m\u00fcsste.<\/p>\n<p>Weiter darf gem\u00e4\u00df der OVE Richtlinie <strong>unabh\u00e4ngig vom tats\u00e4chlichen Wetter<\/strong> (z.B. Nebellagen und Bew\u00f6lkungen) die theoretisch m\u00f6gliche Sichtverbindung zur Sonne und davon abh\u00e4ngige Blenddauer tagesscharf bzw. \u00fcber das Jahr ermittelt werden.<\/p>\n<p>Die <strong>standortbedingte Varianz in Bezug auf die h\u00f6chstm\u00f6gliche Sonneneinstrahlung<\/strong> ist bei diesen Dimensionen eine akademische Frage von geringem Einfluss und unerheblich auf das Ergebnis der gutachterlichen Untersuchung, da die Sonne selbst bei tiefem Stand noch immer eine Leuchtdichte von \u00fcber 10<sup>8<\/sup> cd\/m\u00b2 (nur rd. 4 &#8211; 6% zu den H\u00f6chstwerten) aufweisen kann, ist selbst dann bei einem Reflexionsgrad von nur 1% die Schwelle zur Absolutblendung von 10<sup>4<\/sup> cd\/m\u00b2 um das 100-fache \u00fcberschritten wird.<\/p>\n<p>So gen\u00fcgt nach der OVE Richtlinie R 11-3:2016 bereits eine einzelne sonnenreflexionsbedingte \u00dcberschreitung von 30 Minuten an einem ma\u00dfgeblichen Immissionspunkt zur kritischen Beurteilung!<\/p>\n<p>Andreas Doppler, 16.08.2018<br \/>\n\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad<a href=\"https:\/\/www.sachverstand.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.sachverstand.org<\/a><\/p>\n<div class=\"text_block\">\n<p>AKUSTIK&nbsp; |&nbsp; LICHTTECHNIK |&nbsp; UMWELTMANAGEMENT<br \/>\nGUTACHTEN- UND SACHVERST\u00c4NDIGENDIENST<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neben dem Wunsch nach sonnenreichen Aufenthaltsfl\u00e4chen, m\u00f6glichst hell und&nbsp;nat\u00fcrlich beleuchteten Wohnr\u00e4umlichkeiten, der Gewinnung von umweltfreundlicher Energie und W\u00e4rme&nbsp;etc. stehen den Vorteilen der Sonneneinstrahlung auch die<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":867,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,4],"tags":[21,31],"class_list":["post-639","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-licht-und-schatten","tag-blendgutachten","tag-blendung","three-columns"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.sachverstand.org\/blog11\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/639","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.sachverstand.org\/blog11\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.sachverstand.org\/blog11\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sachverstand.org\/blog11\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sachverstand.org\/blog11\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=639"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.sachverstand.org\/blog11\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/639\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1484,"href":"https:\/\/www.sachverstand.org\/blog11\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/639\/revisions\/1484"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sachverstand.org\/blog11\/wp-json\/wp\/v2\/media\/867"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.sachverstand.org\/blog11\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=639"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sachverstand.org\/blog11\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=639"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sachverstand.org\/blog11\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=639"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}