{"id":918,"date":"2020-12-17T08:47:09","date_gmt":"2020-12-17T07:47:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sachverstand.org\/blog11\/?p=918"},"modified":"2025-11-02T16:00:41","modified_gmt":"2025-11-02T15:00:41","slug":"massnahmen-gegen-die-lichtverschmutzung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sachverstand.org\/blog11\/massnahmen-gegen-die-lichtverschmutzung\/","title":{"rendered":"Ma\u00dfnahmen gegen die Lichtverschmutzung"},"content":{"rendered":"<p>Siehe auch Ausgabe Nr. 92 (Seiten 12 bis 14) der Zeitschrift &#8222;ReadING&#8220; vom Februar 2021. Die Zeitschrift ist auch unter&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.ingenieurbueros.at\/verband\/de\/reading-newsletter\/reading\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.ingenieurbueros.at<\/a>&nbsp;digital verf\u00fcgbar.<\/p>\n<p>Zur Minimierung der \u201eLichtverschmutzung\u201c bieten sich bereits einfache Ma\u00dfnahmen an:<\/p>\n<ol>\n<li>K\u00fcnstliches Licht nur dort einsetzen, wo es gebraucht wird;<\/li>\n<li>Steuerung der Lichtmengen mittels Zeitschaltung, Bewegungsmeldung und Dimmung;<\/li>\n<li>Einsatz von Leuchten die geringes Streulicht verursachen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Zur Bekr\u00e4ftigung dieser Regeln wurde die \u00d6NORM O 1052 &#8222;Lichtimmissionen &#8211; Messung und Beurteilung&#8220; im Jahr 2012 ver\u00f6ffentlicht. Mit dieser Norm zog \u00d6sterreich mit jenen EU-Mitgliedsstaaten gleich, die bereits lichttechnische Regelungen betreffend den Nachbarschaftsschutz und den Naturschutz gesetzt haben. In der Norm werden u.a. Bewertungsgebiete f\u00fcr die Unterscheidung der Sensibilit\u00e4t der zu beurteilenden Gebietes gesetzt, erlaubte Betriebszeiten bestimmt und Anforderungen an umweltgerechte Beleuchtungsanlagen formuliert. Die Norm beschreibt dabei u.a. die Gruppe der \u201enicht notwendigen Beleuchtung\u201c (NNB), welche nicht allein Sicherheitsbed\u00fcrfnisse wie z.B. Verkehrsbeleuchtungen und dgl. abdeckt<\/p>\n<h6><em>Festlegungen der \u00d6NORM O 1052 betreffend erlaubte Betriebszeiten (Quelle: Austrian Standards, modifiziert)<\/em><\/h6>\n<table width=\"100%\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>Betriebszeiten einer nicht notwendigen Beleuchtung (NNB)<\/td>\n<td width=\"9%\">\n<p style=\"text-align: center;\">Gebiets-<br \/>\nklasse<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"18%\">\n<p style=\"text-align: center;\">Zul\u00e4ssige<br \/>\nBetriebszeit<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"71%\">Gesetzlich festgelegte Gebiete zum Schutz der Natur, z.B.<br \/>\nNationalparks, Naturschutzgebiete u. dgl.<\/td>\n<td width=\"9%\">\n<p style=\"text-align: center;\">I (E1)<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"18%\">\n<p style=\"text-align: center;\">nicht zul\u00e4ssig<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"71%\">Nicht f\u00fcr Bebauung gewidmete Gebiete, Freilandgebiete,<br \/>\nunbebaute Gebiete, Gr\u00fcnland<\/td>\n<td width=\"9%\">\n<p style=\"text-align: center;\">II (E2)<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"18%\">\n<p style=\"text-align: center;\">nur bedingt<br \/>\nzul\u00e4ssig<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"71%\">Siedlungsrand, l\u00e4ndliche und durchgr\u00fcnte Siedlungsgebiete<\/td>\n<td width=\"9%\">\n<p style=\"text-align: center;\">III (E3)<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"18%\">\n<p style=\"text-align: center;\">5 &#8211; 22 Uhr<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"71%\">Dicht bebaute Gebiete, st\u00e4dtische Gebiete, Industriegebiete<\/td>\n<td width=\"9%\">\n<p style=\"text-align: center;\">IV (E4)<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"18%\">\n<p style=\"text-align: center;\">5 &#8211; 24 Uhr<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Mit Ausnahme der h\u00f6chsten Schutzzone sind f\u00fcr Beleuchtungsanlagen auch abweichende Betriebszeiten (in Gebiet II jedoch maximal bis 22:00 Uhr) zul\u00e4ssig, wenn die Fernwirkung der Anlagen beurteilt wird und die Notwendigkeit der Betriebszeiten nachvollziehbar begr\u00fcndet werden kann. Dabei gelten folgende Anforderungen an eine umweltgerechte Beleuchtungsanlage:<\/p>\n<ol>\n<li>Vermeidung und Reduzierung von k\u00fcnstlicher Beleuchtung soweit m\u00f6glich;<\/li>\n<li>Vermeidung der Beleuchtung von Schlaf- und Brutpl\u00e4tzen. Insbesondere d\u00fcrfen die Uferbereiche nat\u00fcrlicher bzw. naturnaher Gew\u00e4sser durch k\u00fcnstliche Beleuchtung nur maximal um 0,25 lx, hervorgerufen durch k\u00fcnstliche Beleuchtung) aufgehellt werden;<\/li>\n<li>Die Beleuchtung von B\u00e4umen in der Vegetationsperiode ist zu vermeiden;<\/li>\n<li>Einsatz von geschlossenen Leuchten, um das Eindringen von Insekten zu vermeiden;<\/li>\n<li>Eine maximale Oberfl\u00e4chentemperatur der Leuchten von 60 \u00b0C ist anzustreben.<\/li>\n<li>Leuchtmittel, deren Emissionsspektrum sich mit den Augenempfindlichkeitskurven von nachtaktiven Tieren (Insekten, Flederm\u00e4use, Zugv\u00f6gel, Amphibien u. dgl.) deckt, sind zu vermeiden und Emissionsanteile im kurzwelligen Bereich (bl\u00e4uliches Licht bzw. UV-Strahlung mit hoher Lockwirkung auf nachtaktive Insekten) sind bedarfsweise durch geeignete technische Ma\u00dfnahmen (Wahl geeigneter Leuchtmittel mit einer Farbtemperatur \u2264 3.000 \u00b0K (Kelvin-Scala), Einsatz von Filtern etc.) zu beschr\u00e4nken.<\/li>\n<li>Zielgerechte Auswahl von Leuchten mit begrenztem Streulichtanteil wie folgt:<\/li>\n<\/ol>\n<h6><em>Klassifizierung der Abstrahlrichtung von Leuchten (Quelle: Austrian Standards, modifiziert)<\/em><\/h6>\n<table width=\"100%\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"26%\">Symbolbild<\/td>\n<td width=\"9%\">Zone<\/td>\n<td width=\"14%\">Abstrahlwinkel<\/td>\n<td width=\"50%\">Beschreibung<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td rowspan=\"4\" width=\"26%\">&nbsp;<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-922\" src=\"https:\/\/www.sachverstand.org\/blog11\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Systembild-Abstrahlung01.jpg\" alt=\"Systembild Abstrahlung01\" width=\"214\" height=\"305\" srcset=\"https:\/\/www.sachverstand.org\/blog11\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Systembild-Abstrahlung01.jpg 331w, https:\/\/www.sachverstand.org\/blog11\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Systembild-Abstrahlung01-210x300.jpg 210w\" sizes=\"auto, (max-width: 214px) 100vw, 214px\" \/><\/td>\n<td width=\"9%\">Zone D<\/td>\n<td width=\"14%\">96 &#8211; 180\u00b0<\/td>\n<td rowspan=\"2\" width=\"50%\">Kritische Zone in Bezug auf die Lockwirkung und betreffend die Himmelsaufhellung. In diese Richtung abgestrahltes Licht ist auch aus gro\u00dfer Entfernung wahrnehmbar. Der Nutzwert des \u201enach oben abgestrahlten Lichts\u201c ist fraglich und der diesbez\u00fcgliche Stromverbrauch nicht begr\u00fcndbar.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"9%\">Zone C<\/td>\n<td width=\"14%\">91 &#8211; 95\u00b0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"9%\">Zone B<\/td>\n<td width=\"14%\">71 &#8211; 90\u00b0<\/td>\n<td width=\"50%\">Ausstrahlwinkel bis zur \u201eLeuchten-Horizontalen\u201c mit minimierter Himmelsaufhellung. Dieser Klasse sind beispielsweise die sogenannten<br \/>\n\u201ecut-off-Leuchten\u201c zuzuschreiben. Allerdings verbleibt ein signifikanter Anteil an Fernwirkung und eine Lockwirkung auf Tiere.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"9%\">Zone A<\/td>\n<td width=\"14%\">0 &#8211; 70\u00b0<\/td>\n<td width=\"50%\">Idealer Ausstrahlwinkel mit minimiertem Streulicht. Dieser Klasse sind beispielsweise die sogenannten \u201efull-cut-off-Leuchten\u201c zuzuschreiben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Der Einsatz von direkt nach oben abgestrahltem Licht (z.B. Skybeamer, Bodeneinbaustrahler) ist demnach grunds\u00e4tzlich zu vermeiden bzw. setzt die \u00d6NORM O 1052 auch Obergrenzen betreffend den Einsatz von z.B. geb\u00e4ude- und objektseitigen Anstrahl\u00adungen wie auch den Einsatz von selbstleuchtenden Lichtk\u00e4sten (z.B. Werbeanlagen u.dgl.), die im Fall von neuen Anlagen im Rahmen der z.B. bau- und gewerberechtlichen Genehmigungsverfahren zu pr\u00fcfen und zu beurteilen sind.<\/p>\n<p>Betreffend die Limitierung der Himmelsaufhellung verweist die \u00d6NORM O 1052 auf eine Reihe internationaler Normen, in denen die anlagenbedingte Himmelsaufhellung mit einem maximalen ULR-Wert limitiert wird. Der ULR-Wert (Upward Light Ratio) wird definiert als Anteil des Lichtstroms der Leuchte, der oberhalb der Horizontalen abgestrahlt wird.<\/p>\n<h6><em>Grenzwerte der \u00d6NORM O 1052 zur Himmelsaufhellung (Quelle: Austrian Standards, modifiziert)<\/em><\/h6>\n<table width=\"100%\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><strong>&nbsp;<\/strong>Begrenzung der Himmelsaufhellung<\/td>\n<td width=\"9%\">\n<p style=\"text-align: center;\">Zone<strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"18%\">\n<p style=\"text-align: center;\">ULR-Grenzwert<strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"71%\">Gesetzlich festgelegte Gebiete zum Schutz der Natur, z.B.<br \/>\nNationalparks, Naturschutzgebiete u. dgl.<\/td>\n<td width=\"9%\">\n<p style=\"text-align: center;\">I<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"18%\">\n<p style=\"text-align: center;\">0%<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"71%\">Nicht f\u00fcr Bebauung gewidmete Gebiete, Freilandgebiete,<br \/>\nunbebaute Gebiete, Gr\u00fcnland<\/td>\n<td width=\"9%\">\n<p style=\"text-align: center;\">II<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"18%\">\n<p style=\"text-align: center;\">5%<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"71%\">Siedlungsrand, l\u00e4ndliche und durchgr\u00fcnte Siedlungsgebiete<\/td>\n<td width=\"9%\">\n<p style=\"text-align: center;\">III<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"18%\">\n<p style=\"text-align: center;\">15%<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"71%\">Dicht bebaute Gebiete, st\u00e4dtische Gebiete, Industriegebiete<\/td>\n<td width=\"9%\">\n<p style=\"text-align: center;\">IV<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"18%\">\n<p style=\"text-align: center;\">25%<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Dahingehend liegen f\u00fcr \u00d6sterreich bereits Vorgaben und Bestimmungen auch zum Schutz der Natur vor \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Lichtimmissionen vor, gleichwohl manche Vorgaben der \u00d6NORM O 1052 mit Pr\u00e4dikaten wie \u201esind zu vermeiden, ist anzustreben etc.\u201c derzeit noch sehr weich formuliert werden. Dies sei allerdings darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, dass die Beurteilung von Vorhaben betreffend den \u201eNaturschutz\u201c formal dem jeweiligen Landesgesetz unterliegt und weniger Aufgabe einer Norm zum Stand der Technik sein mag.<\/p>\n<p>Es ist aber bereits Fakt, dass dem Thema \u201eLichtimmissionen\u201c und \u201eLichtverschmutzung\u201c im Rahmen der \u00fcblichen Genehmigungsverfahren von neuen Vorhaben und der zugrunde\u00adliegenden Gesetzgebung eine immer gr\u00f6\u00dfere Bedeutung zukommt. Dabei ergeben sich zunehmend auch Schnittstellen zu anderen KonsulentInnen aufgrund der Besonderheiten der einzelnen Schutzg\u00fcter und Verfahren (z.B. Fragen welche Grenzwerte, Untersuchungsmethoden und Beurteilungsma\u00dfst\u00e4be anzuwenden sind) und den &#8211; zumeist auf dem fertigen Immissionsgutachten aufbauenden Fachgutachten des Natur\u00adschutzes.<\/p>\n<p>Andreas Doppler, 17.12.2020<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.sachverstand.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.sachverstand.org<\/a><\/p>\n<p>AKUSTIK&nbsp; |&nbsp; LICHTTECHNIK |&nbsp; UMWELTMANAGEMENT<br \/>\nGUTACHTEN- UND SACHVERST\u00c4NDIGENDIENST<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Siehe auch Ausgabe Nr. 92 (Seiten 12 bis 14) der Zeitschrift &#8222;ReadING&#8220; vom Februar 2021. Die Zeitschrift ist auch unter&nbsp;www.ingenieurbueros.at&nbsp;digital verf\u00fcgbar. 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