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  • Admin um 15:37 am 9. January 2018 Permalink | antworten  

    Die Arbeit als gerichtlicher Sachverständiger 

    Die Kernarbeit von licht-/schall-/lärmtechnischen Sachverständigen (SV) besteht einfach erklärt darin, bestehende Belastungen zu messen und mögliche zukünftige Be-/Entlastungen zu berechnen. Wichtig ist dabei die Kenntnis der jeweils geltenden Gesetze, Normen und Richtlinien um die Feststellungen mit den facheinschlägigen Immissionsgrenzen vergleichen zu können. Diese Arbeit kann der SV im Auftrag von z.B. Privatpersonen, Unternehmen, Behörden wie auch im Auftrag von Gerichten durchführen.

    Bei Gericht kommt dem Sachverständigen die Aufgabe zu, der Richterin bzw. dem Richter als unabhängiges – zur Objektivität und Unparteilichkeit verpflichtetes Hilfsorgan zur Seite zu stehen. Typischerweise erhält der/die Sachverständige den vom Gericht mit konkreten Aufgaben und Fragen versehenen Auftrag gemeinsam mit dem ganzen Gerichtsakt im Original zugesandt. Mit dem sogenannten Befund werden örtliche und sachliche Gegebenheiten erfasst und dokumentiert. Im darauf aufbauenden Gutachten kommen die Schlussfolgerungen und die Beantwortung der gerichtlichen Fragen dran.

    Im Rahmen meiner Tätigkeit als gerichtlicher Sachverständiger darf ich schon auf einige besonders interessante Fälle zurückschauen. Das wären beispielsweise …

    • eine Klage zwischen Nachbarn, weil eine Hundezucht im Siedlungsgebiet lärmtechnisch zu prüfen war;
    • Klagen zwischen Nachbarinnen, weil Bäume und Sträucher das Sonnenlicht übermäßig einschränkten;
    • eine Klage zwischen Nachbarn, weil eine Solaranlage zu störenden Blendungen führt;
    • eine Klage gegen einen Schweinemastbetrieb, dessen Lüftungsanlage die Nachbarn über den Tag und die Nacht nicht zur Ruhe kommen ließ;
    • eine Klage gegen ein caritatives Wohnheim, deren Bewohner mit teils unüblichen Verhaltensweisen zumindest einen Nachbarn erzürnten;
    • eine Klage gegen ein Veranstaltungszentrum der Gemeinde, die das Gelände auch für private Feiern vermietete und der Lärm zu viel wurde;
    • eine Klage gegen eine Abfallsammelstelle der Gemeinde, bei der die Benützung zu jeder Zeit möglich war und das zumindest eine Nachbarin erzürnte;
    • und dergleichen mehr …

    Ein Fall der mir besonders gut in Erinnerung blieb, war jener – bei dem ein Besucher einer großen Sportveranstaltung, mit einem gasbetriebenen Signalhorn ein möglicher Gehörschaden zugeführt wurde. In der Folge erhielt ich den gerichtlichen Auftrag zu prüfen, welche Schalldruckpegel von solchen Signalhörnern überhaupt ausgehen bzw. ob es möglich ist, dass die „Gaströte“ in einer Entfernung von 25 cm bis 50 cm vom Ohr einen Schalldruckpegel größer 160 dB erreichen kann. Die technische Bestimmung war notwendig, damit der medizinische Sachverständige darauf aufbauend den Schaden am Ohr des Menschen beurteilen konnte.

    Für diese Prüfung wurden sogleich mehrere verschiedene –  der „Täterbeschreibung“ entsprechende – Signalhörner angeschafft und in einem siedlungsfernen abgesperrten Areal damit Schallmessungen vorgenommen. Wie allgemein üblich waren die Rechtsvertretungen der Parteien (d.h. die Anwälte und Anwältinnen), aber auch der Betroffene (der Kläger) zur Messung anwesend. Die Herren mussten auf meine Anweisung hin Gehörschutz tragen. Es war schon absehbar, dass die Versuche an den Hupen mit viel Lärm verbunden waren.

    Anbei eine Fotodokumentation (Auszug) der zum Versuch herangezogenen Signalhörner:

    Hupe 01

    Anbei ein Pegelschrieb zu einer Messung im Abstand von 170 cm zur Hupe mit Pegelwerten von Lpeak ≤ 138 dB = LC,Peak ≤ 135 dB bzw. LA,max ≤ 119 dB:

    Hupe 02a

    Die drei unterschiedlichen Parameter beschreiben dasselbe Signal/Ereignis. Die Unterschiede beruhen aber darauf, dass Schall/Lärm dem Hörvermögen des Menschen folgend frequenzmäßig zu bewerten ist und andererseits die Fachwelt auch unterschiedliche Zeitbewertungen (z.B. der LA,max wird auf eine Zeitkonstante von 125 Millisekunden bezogen ausgewertet) kennt. Im gegenständlichen Fall ist der wesentliche Unterschied zwischen den Parametern auf eine Frequenzbewertung (C-Filter und A-Filter) zurückzuführen.

    Das Ergebnis der Analysen zeigte dann auf, dass am Bespiel der fünf Gasdruckfanfaren messtechnisch und weiter rechentechnisch abgeleitet wurde, dass selbst im Abstand von 25 cm zur Quelle und natürlich auch in größerer Entfernung keine Einwirkung von Schalldruckpegeln größer Lpeak = 155 dB festzustellen war und das Schalldruckspitzenniveau regulär binnen der ersten Sekunde (d.h. zum Anfang der Auslösung) vorlag, dann nach einem Plateau von rd. 10 sec. schnell eine Abnahme des Schalldrucks folgte.

    Andreas Doppler, 09.01.2018
    ­­­­­­­­­­­­­­­­­­https://www.sachverstand.org

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  • Admin um 9:03 am 3. November 2017 Permalink | antworten  

    Arbeitsplatzmessungen nach VOLV (z.B. Büros) 

    Grundsätzlich sind aus schalltechnischer bzw. lärmmedizinischer Sicht die Belastungen während einem typischen/üblichen Arbeitstag für die Bewertung entscheidend. So sind die geltenden Gesetze und Richtlinien zum Schutz von Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen in der Regel darauf ausgerichtet, den sogenannten „Lärmexpositionspegel“ über die 8 Stunden eines Arbeitstages oder alternativ über die 40 Stunden einer Arbeitswoche – als auch die dabei auftretenden Spitzenpegelereignisse und Vibrationen (Schwingungen) mit Grenzwerten zu begrenzen.

    Der „Klassiker“ in dieser Hinsicht ist die in Österreich geltende Verordnung Lärm und Vibrationen – VOLV (BGBl. Nr. 22|2006 i.d.g.F. = Bundesgesetz) mit Grenzwerten für werktätige Bereiche wie „Werkstätten, Maschinenhallen, Produktionsbereiche etc.“, die typischerweise hohe Schallbelastungen erwarten lassen. Allerdings finden sich in der Verordnung Lärm und Vibrationen – VOLV auch nachstehende Vorgaben für weniger belastete Bereiche wie folgt:

    § 4   Auslösewerte

    Die Exposition der Arbeitnehmer/innen sollte, soweit dies nach dem Stand der Technik möglich ist, keinen der folgenden Auslösewerte überschreiten. Wenn die Exposition der Arbeitnehmer/innen einen der folgenden Auslösewerte für Vibrationen überschreitet, sind § 8 Abs. 1 und § 9 Abs. 3 anzuwenden. Wenn die Exposition der Arbeitnehmer/innen einen der folgenden Auslösewerte für Lärm überschreitet, sind §§ 8 Abs. 1 und 14 Abs. 1 anzuwenden. Die individuelle Wirkung von persönlicher Schutzausrüstung ist hierbei nicht zu berücksichtigen. Die Auslösewerte betragen:

    1. Für Hand-Arm-Vibrationen: ahw,8h = 2,5 m/s2;
    2. Für Ganzkörper-Vibrationen: aw,8h = 0,5 m/s2;

    § 5   Grenzwerte für bestimmte Räume

    (1) Bei Ganzkörper-Vibrationen in Räumen nach Z 1 bis 3 ist die Exposition so niedrig wie möglich zu halten und darf maximal den Auslösewert erreichen. Bei Lärm in Räumen nach Z 1 bis 3 dürfen die folgenden Beurteilungspegel nicht überschritten werden, wobei die von außen einwirkenden Geräusche, wie Lärm aus anderen Räumen, Nachbarschaftslärm, Verkehrslärm, Fluglärm, Lärm von einer Baustelle, in die Bewertung einzubeziehen sind:

    1. LA,r = 50 dB in Räumen, in denen überwiegend geistige Tätigkeiten ausgeführt werden;
    2. LA,r = 65 dB in Räumen, in denen einfache Bürotätigkeiten oder vergleichbare Tätigkeiten ausgeführt werden;
    3. LA,r = 50 dB ortsbezogen, in Aufenthalts- und Bereitschaftsräumen, Sanitätsräumen und Wohnräumen,

    wobei Geräusche, die durch Personen im Raum verursacht werden, nicht einzubeziehen sind.

    (2) Zur Einhaltung der Grenzwerte nach Abs. 1 Z 1 bis 3 darf Gehörschutz nicht herangezogen werden.

    Andreas Doppler, 03.11.2017
    ­­­­­­­­­­­­­­­­­­http://www.sachverstand.org

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  • Admin um 8:52 am 3. November 2017 Permalink | antworten  

    Arbeitsplatzmessungen nach VOLV (z.B. Werkstätten, Baustellen) 

    Grundsätzlich sind aus schalltechnischer bzw. lärmmedizinischer Sicht die Belastungen während einem typischen/üblichen Arbeitstag für die Bewertung entscheidend. So sind die geltenden Gesetze und Richtlinien zum Schutz von Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen in der Regel darauf ausgerichtet, den sogenannten „Lärmexpositionspegel“ über die 8 Stunden eines Arbeitstages oder alternativ über die 40 Stunden einer Arbeitswoche – als auch die dabei auftretenden Spitzenpegelereignisse und Vibrationen (Schwingungen) mit Grenzwerten zu begrenzen.

    Der „Klassiker“ in dieser Hinsicht ist die in Österreich geltende Verordnung Lärm und Vibrationen – VOLV (BGBl. Nr. 22|2006 i.d.g.F. = Bundesgesetz). Auszug aus dem BGBl. Nr. 22|2006 i.d.g.F.:

    § 3  Expositionsgrenzwert

    (1) Die nachstehenden Expositionsgrenzwerte dürfen nicht überschritten werden:

    1. Für Hand-Arm-Vibrationen: ahw,8h = 5 m/s2;
    2. Für Ganzkörper-Vibrationen: aw,8h = 1,15 m/s2;
    3. Für gehörgefährdenden Lärm: LA,EX,8h = 85 dB bzw. ppeak = 140 Pa (entspricht: LC,peak = 137 dB);
    4. Für jugendliche Arbeitnehmer/innen gelten die in § 4 Abs. 1 Z 1 und 2 angeführten Auslösewerte für Vibrationen als Expositionsgrenzwerte.

    (2) Abweichend von Abs. 1 kann bei Lärmexpositionen, die von einem Arbeitstag zum anderen erheblich schwanken, als Beurteilungszeitraum für den Auslösewert (§ 4 Abs. 1 Z 3), und den Expositionsgrenzwert (§ 3 Abs. 1 Z 3) anstatt des Tages (8 h) eine Woche (40 h) herangezogen werden, sofern 1. durch eine geeignete Bewertung oder Messung im Sinne des § 6 nachgewiesen wird, dass der Wochen-Lärmexpositionspegel (LA,Ex,40h) den Expositionsgrenzwert nicht überschreitet, und 2. geeignete Maßnahmen getroffen werden, um die mit diesen Tätigkeiten verbundenen Risiken auf ein Mindestmaß zu verringern.

    (3) Wenn die Expositionsgrenzwerte überschritten werden, müssen die Arbeitgeber/innen

    1. unverzüglich Maßnahmen ergreifen, um die Exposition auf einen Wert unterhalb des Expositionsgrenzwertes zu senken,
    2. ermitteln, warum der Expositionsgrenzwert überschritten wurde und
    3. die Schutz- und Vorbeugemaßnahmen entsprechend anpassen, um ein erneutes Überschreiten des Grenzwertes zu verhindern.

    § 4  Auslösewerte

    Die Exposition der Arbeitnehmer/innen sollte, soweit dies nach dem Stand der Technik möglich ist, keinen der folgenden Auslösewerte überschreiten. Wenn die Exposition der Arbeitnehmer/innen einen der folgenden Auslösewerte für Vibrationen überschreitet, sind § 8 Abs. 1 und § 9 Abs. 3 anzuwenden. Wenn die Exposition der Arbeitnehmer/innen einen der folgenden Auslösewerte für Lärm überschreitet, sind §§ 8 Abs. 1 und 14 Abs. 1 anzuwenden. Die individuelle Wirkung von persönlicher Schutzausrüstung ist hierbei nicht zu berücksichtigen. Die Auslösewerte betragen:

    1. Für Hand-Arm-Vibrationen: ahw,8h = 2,5 m/s2;
    2. Für Ganzkörper-Vibrationen: aw,8h = 0,5 m/s2;
    3. Für gehörgefährdenden Lärm: LA,EX,8h = 80 dB bzw. ppeak = 112 Pa (entspricht: LC,peak = 135 dB).

    Praxisbeispiel „Arbeiten im Bereich von Baumaschinen und Arbeiten in Werkstätten“:

    Auf Aufforderung des Arbeitsinspektorates wurden in einer Bau- und Abfallaufbereitungsfirma arbeitsplatzbezogene Lärm­-Messungen nach § 7 Abs. 1 VOLV durchgeführt. Nachstehend werden die im Betrieb festgestellten Expositionspegel und Spitzenpegel zu den lärm­ex­pon­ierten Arbeitsplätzen zusammengefasst.

    Tab. 1:      Übersicht der arbeitsplatzbezogenen Expositionspegel und Spitzenpegel

    Benennung Expositionspegel LA,ex,8h [dB] hohe Spitzenpegel LC,peak [dB]
    Werkstätten 90 – 94 103 – 135
    Schlosserei 96 – 97 117 – 135
    Aufbereitungshalle 92 118 – 125
    Lader-/Staplerfahrer 69 – 77 118 – 125

    Baufirma01

    Erforderliche Maßnahmen

    Sind Expositionspegel von > 80 dB (Auslösewert) bzw. > 85 dB (Expositions­grenzwert) und Spitzenpegel von > 135 dB (Auslösewert) bzw. > 137 dB (Expositions­grenzwert) gegeben, sind die Regelungen des BGBl. Nr. 22|2006 „Verordnung Lärm und Vibrationen – VOLV“ – wie u.a. nachstehend angeführt zu beachten.

    1. Bei den festgestellten hallenseitigen Expositionen wird zum einen der Auslösewert von 80 dB nach VOLV überschritten, welches eine Information- und Unterweisungspflicht der ArbeitnehmerInnen nach §§ 12 und 14 ASchG auslöst. Es wird auf die Ausführungen der VOLV unter § 8 verwiesen.
    2. Bei den festgestellten hallenseitigen Expositionen wird der Expositionsgrenzwert von 85 dB nach VOLV über­schritten, welches eine Verfügbarkeit von persönlichen Schutzausrüstungen für die Arbeit­nehmer­Innen und eine Kennzeichung der Lärmzonen voraussetzt. Es wird auf die Ausführungen der VOLV unter § 14 verwiesen.

    Baufirma02

    Andreas Doppler, 03.11.2017
    ­­­­­­­­­­­­­­­­­­http://www.sachverstand.org

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