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  • Admin um 11:53 am 6. May 2018 Permalink  

    Haustechnik – Wie laut darf leise sein? 

    Nahezu jedes Gerät, insbesondere Heizungen, Kühlgeräte, Wärmepumpen und Lüftungen, verursacht Geräusche. Doch wie laut darf der Schall im Wohn- oder Schlafzimmer sein, damit er nicht stört?

    Um diese Frage zu beantworten braucht es das Wissen um die Emission der betreffenden Anlage, aber auch das Wissen um die Akustik im betreffenden Raum. So waren in den guten alten 70-/80-igern unsere Wohnungen noch reichlich mit Teppichen, Vorhängen und stoffbespannten Möbeln ausgestattet, die durch die absorbierenden Eigenschaften dieser Materialien auch akustisch ein „wohnliches Raumklima“ schafften. Diese wohnliche Raumakustik lässt sich u.a. durch den Parameter der „Nachhallzeit“ (jene Zeit, die der Schall eines Ereignisses braucht – um sich um 60 dB zu mindern) beschreiben und liegt beim durchschnittlichen Wohnraum (abhängig vom Raumvolumen und der Einrichtung) bei 0,5 Sekunden.

    Ein Dauergeräusch in einem Wohn- oder Schlafraum, das von einer haustechnischen Anlage ausgeht, darf in der Regel 25 dB(A) nicht übersteigen. Die bautechnischen Normen beziehen sich dabei zumeist auf die altgewohnte Einrichtungsmode und gehen von einer Nachhallzeit von 0,5 Sekunden (s) aus. Wirken wohnungsäußere und -innere Schallquellen mit je 25 dB(A) zusammen, addiert sich der Pegel auf 28 dB(A) (energetische Rechenregel; die Verdopplung der Quelle/Energie entspricht einem Anstieg um 3 dB, ein gut wahrnehmbarer Unterschied – aber keine Verdopplung der Lautheit wie oft falsch angenommen) – und wäre nach den geltenden Normen (z.B. OIB-Richtlinie Nr. 5) auch zulässig.

    Heute sind Wohnungen eher schlicht eingerichtet: kaum Textilien, dafür glatte (schallharte) Parkette, Glasflächen und Fliesen. Der Schall wird nicht geschluckt, sondern hallt verstärkt nach und verlängert die Nachhallzeit um Zehntel-Sekunden. Das klingt nach wenig, liefert aber einen deutlich wahrnehmbaren Unterschied. Mit jeder Zehntelsekunde mehr Nachhallzeit wird es grob geschätzt im Raum um ein Dezibel (dB, A-bewertet entsprechend dem menschlichen Gehörvermögen) lauter. Damit dürfen normgemäß noch zulässig, die haustechnischen Anlagen letztlich auch mit höheren Innenpegeln (LA,max,nT bzw. LA,eq,nT) > 28 dB einwirken.

    In der Praxis wird als Qualitätsziel aber ein Innenpegel von nur 23 dB(A) angesehen – ein Geräuschpegel, den der Mensch typischerweise nur mehr bei sehr leiser Umgebung wahrnimmt.

    Die Lücke von ≥ 5 dB zwischen Erwartungshaltung und normativer Vorgabe lässt sich praktisch nur mit Maßnahmen schließen. Überdies geht es nicht nur um die Stärke des Geräuschs, sondern auch um dessen Qualität: Ist es ein Surren, Singen, Pfeifen oder bei sehr tiefen Frequenzen ein Brummen – wird es vom Menschen schnell als lästig empfunden.

    Wird beispielsweise ein kellerseitiges Gerät nicht schwingungsentkoppelt aufgestellt/montiert, kann der Schall im Haus „spazieren gehen“. So sucht sich der Schall (Luft- wie Körperschall) über kleinste Schallbrücken (Befestigungselemente, Fehlstellen im „schwimmenden“ Estrich, Übergang von Anlagenschall ins nahe Mauerwerk, Montagelöcher und Spalten etc.) seinen Weg. Abhilfe schafft hier nur eine sorgfältige Planung und Ausführung.

    Liegt der Innenpegel im Raum dennoch zu hoch, sind zur Nacht (tagsüber maskiert der höhere Umgebungsschall zumeist die Geräusche/Lästigkeiten) Teillastschaltungen von Lüftungen zu empfehlen. Über eine niedrigere Ventilatordrehzahl lasse sich sehr viel erreichen, da sich dadurch sowohl der Schall des Ventilators als auch das aerodynamische Geräusch an den raumseitigen Auslassdüsen verringert. Eine um 25% reduzierte Drehzahl vermindert den Geräuschpegel beispielsweise um bis zu 6 dB. Auch Schalldämpfer im System hemmen natürlich das Geräusch. Der Handel bietet dazu mittlerweile eine Palette von Produkten an. Beide Maßnahmen (Drehzahlminderung und Schalldämpfung) haben zudem den Vorteil, dass zumeist auch unangenehme Geräuschcharakteristiken wie z.B. ein Surren, Pfeifen, Singen etc. deutlich zurückgehen.

    Wer sich zu diesem Thema tiefergehend informieren möchte, dem empfehle ich den Vortrag, den ich für Kunden der Fa. HOVAL im März 2018 halten durfte. Vortrag Hoval März 2018 „Wie laut darf leise sein?“

    HOVAL55

    Andreas Doppler, 06.05.2018
    ­­­­­­­­­­­­­­­­­­https://www.sachverstand.org

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  • Admin um 12:37 am 27. October 2017 Permalink | antworten  

    Geschwindigkeiten im Kreisverkehr 

    Kreisverkehre ersetzen vermehrt ampelgesteuerte Kreuzungen. Fahrdynamisch reduzieren sich dabei die häufigen Beschleunigungen (Ampelstarts) und Bremsmanöver. Dies ist aus schalltechnischer Sicht zu begrüßen, weil es für die Nachbarn akustisch und subjektiv von Vorteil (angenehmere Geräuschkulisse) ist und durch die Wahl von ausreichend großen Kreisradien wird eher vermieden, dass es zu lästigem Kurvenquietschen bei den Kfz-Reifen kommt. Allerdings wissen wir natürlich, dass KraftfahrerInnen mit provozierter Fahrweise immer wieder negativ auffallen.

    Nichtsdestotrotz wird in der Regel in Kreisverkehren mit einer geringeren Geschwindigkeit gefahren, als dies vergleichsweise eine gerade Strecke bei z.B. grüner Ampelphase erlaubt. Auf die Frage, wie weit sich die durchschnittliche Fahrtgeschwindigkeit senkt, haben wir Geschwindigkeitsmessungen an zwei gewählten Beispielen im Ortsgebiet von Bad Hofgastein und im Ortsgebiet von Salzburg durchgeführt. So liegt bei beiden Kreisverkehren im Durchschnitt über alle gezählten Fahrzeuge (Pkw und Lkw etc.) die Geschwindigkeit im Kreisverkehr unter 30 km/h, anstatt den üblichen 50 km/h auf gerader Strecke.

    In Bezug auf die Emissionsschallpegel des Verkehrs (Ableitung nach RVS 04.02.11) entspricht die Geschwindigkeitsreduktion einem Rückgang der Schallemission um ca. 4 – 5 dB(A). Berücksichtigt man, dass oftmals im Kreisverkehr eine Betonfahrbahn aufgelegt wird (diese ist belastbarer als die üblichen Asphaltbetondecken, jedoch auch im Abrollgeräusch lauter) verbleibt immer noch ein Vorteil bzw. eine Minderung um ca. 3 – 4 dB(A).

    Tab. 7:     Zusammenfassung der Verkehrserhebungen an den bestehenden Kreisverkehren

    Verkehrsknoten Zählung vom Kfz im Zählzeitraum Geschwindigkeiten [km/h]
    Ø V85 Vmax
    Viertelanschlussstelle Hagenau 27.09.2017 453 Kfz 27 31 41
    Kreisverkehr B 167 Bad Hofgastein 26.09.2017 2.614 Kfz 17 23 43

    Kreisverkehre01

    Andreas Doppler, 27.10.2017
    ­­­­­­­­­­­­­­­­­­http://www.sachverstand.org

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  • Admin um 17:11 am 11. October 2017 Permalink | antworten  

    Wirkung von Schallschutzhauben 

    Im Auftrag der CeOPe Energietechnik GmbH wurden betreffend der akustischen Wirkung des Schallschutzsystems vom Typ Silent S1 Schallmessungen nach ÖNORM S 5004 durchgeführt und in Anlehnung an das Verfahren nach ÖNORM EN ISO 3746 (Hüllflächenverfahren der Genauigkeitsklasse 3) Schallleistungen und die maßnahmenbedingten Minderungen abgeleitet.

    So zeigte sich am Betrieb eines Split‐Klimagerätes der Firma FUJITSU, dass das System der Schallschutzhaube Silent S1 eine Pegelminderung des Betriebsgeräusches in der Größenordnung von 14 dB (A‐bewertet) bewirkte. Wären die Umgebungsgeräusche zur Zeit der Messdurchführung geringer gelegen, hätten die Auswertungen noch höhere Wirkungen des Schallschutzsystems ableiten lassen. Die Ergebnisse der Untersuchung liegen demnach auf der sicheren Seite und überzeichnen keinesfalls die Schirmwirkung des untersuchten Systems. Weiter wurde mit dem Schallschutzsystem eine zuvor beim Betrieb des Split‐Klimagerätes gegebene signifikante Tonhaltigkeit im Bereich zwischen 1.600 und 2.500 Hz zurückgenommen.

    Tonhaltige Anlagen werden facheinschlägig wegen der „Lästigkeit im Geräusch“ mit Aufschlägen von 3 bis 6 dB versehen und damit noch „lauter“ als gemessen beurteilt. Die menschliche Wahrnehmung ist insbesondere bei Frequenzen des mittleren und höheren Spektumbereiches (z.B. Surren, Quietschen, Singen…) sehr empfindsam und nimmt Auffälligkeiten schnell als störend war, während wir bei tiefen Frequenzen in der Regel (natürlich gibt es auch hier Grenzen) weniger empfindlich reagieren.“

    Schutzhaube01

    Folglich sind solche Schallschutzhauben gut geeignet, die eine oder andere kritische Immissionslage im Nachbarschaftsbereich noch beherrschbar zu bekommen.

    Andreas Doppler, 11.10.2017
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  • Admin um 13:12 am 24. March 2017 Permalink | antworten  

    Bundesstraßen-Lärmimmissionsschutzverordnung (BStLärmIV) 

    Hoch aktuell ist die Entscheidung V 162/2015 des Verfassungsgerichtshofes vom 15.03.2017 zur Anwendbarkeit der Bundesstraßen-Lärmimmissionsschutzverordnung (BStLärmIV) am Beispiel des UVP-Vorhabens zur Wiener Außenringschnellstraße S1 „Lobauquerung“ in Wien. So wurde der Antrag „Teile der BStLärmIV für gesetzwidrig zu erklären“ abgewiesen. Das Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofes ist keine unmittelbare Entscheidung über die Zulässigkeit des Baus oder dem Betrieb der Lobau-Autobahn. Dennoch kann aufbauend auf dem Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofes nun das Bundesverwaltungsgericht sein Verfahren fortsetzen.

    Details finden Sie unter dem Link https://www.vfgh.gv.at/downloads/VfGH_Entscheidung_V_162-2015_Laermschutz_Lobau_anonym.pdf

    Angaben zur Bundesstraßen-Lärmimmissionsschutzverordnung (BStLärmIV)

    Per Bundesgesetz (BGBl. Nr. 215/2014) wurde am 2. September 2014 die Bundesstraßen-Lärmimmissions­schutz­verordnung (BStLärmIV) verordnet, die für neue Straßenbauvorhaben im hochrangigen Straßenverkehrsnetz (d.h. bei Schnellstraßen und Autobahnen) den Nachbarschaftsschutz regelt. Landesstraßen, die aus der Vergangenheit heraus im alltäglichen Sprachgebrauch noch als „Bundesstraßen“ (z.B. B 1 Wiener Straße, B 139 etc.) bezeichnet werden, sind nicht der Regelung der BStLärmIV unterworfen, da diese konkreterweise als „Landesstraßen“ nach den jeweiligen bundeslandspezifischen Vorschriften zu betrachten sind.

    Die BStLärmIV sieht ein gestaffeltes objektorientiertes Grenzwerteregime vor. Allgemein sind vorhabenbedingte Immissionseinträge mit Lden = 55,0 bzw. Lnight = 45,0 dB zulässig. Und bis zur Grenze der „unzumutbaren Belästigung“ durch Straßenverkehrslärm von Lden = 60,0 bzw. Lnight = 50,0 dB wird eine vorhabenbedingte Hebung der Ist-Lage bis zu 1,0 dB toleriert. Und für die Beurteilung einer möglichen Gesundheitsgefährdung durch Straßenverkehrslärm gelten Immissionsgrenzwerte von Lden = 65,0 bzw. Lnight = 55,0 dB, wobei die vorhabenbedingte Hebung der Ist-Lage im Einzelfall zu beurteilen ist und keinesfalls 1,0 dB zu überschreiten hat.

    Die Einhaltung des vorhabenbedingten Immissionseintrages und der Immissionsgrenzwerte ist gemäß § 8. (1) BStLärmIV vorrangig durch straßenseitige Maßnahmen sicherzustellen und in der Planungspraxis wird angestrebt, durch die straßenseitigen Maßnahmen den Schutz von Aufenthaltsflächen im Freien sicherzustellen. Erfahrungsgemäß ist im Gegensatz hierzu in höheren Geschossen aufgrund der typischerweise abnehmenden Abschirmung in höheren Lagen die Möglichkeit zum Setzen von baulichen Maßnahmen (Statik, Ortsbild, Wirtschaftlichkeit etc.) nur mehr eingeschränkt möglich und ersatzweise durch objektseitige Maßnahmen der Schallschutz umzusetzen.

    Andreas Doppler, 23.03.2017
    ­­­­­­­­­­­­­­­­­­http://www.sachverstand.org

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