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  • Admin um 13:35 am 16. October 2019 Permalink  

    Beschattung durch nachbarliche Bäume 

    Anlässlich eines Gerichtsauftrags wurde mir aufgetragen, Befund aufzunehmen und Gutachten zu erstatten, ob auf einem Grundstück durch nachbarliche Bäume das Sonnenlicht im gewöhnlichen Maß und überschreitenden Ausmaß entzogen wird. Dabei war zu berücksichtigen, dass die Dauer und die Intensität der Belichtung durch die Sonne von den Faktoren Jahreszeit (veränderliche Sonnenstände durch die – im Winkel veränderliche Erdachse auf der Laufbahn um die Sonne), Tageszeit, Grad der Bewölkung und örtliche Verschattung etc. abhängt.

    Folglich ist die mögliche Sonneneinstrahlung keine Konstante, sondern eine orts- und witterungsabhängige Größe. Einfach dabei ist wiederum, dass die Himmelsmechanik eindeutig und präzise berechenbar und damit auch vorhersagbar ist. Und die Babylonier, Kelten, Ägypter, Maya etc. praktizierten das auch schon lange vor uns, wir bedienen uns lediglich anderer Werkzeuge.

    So beginnt man in der Regel mit einer Sonnenstundenberechnung zu den – im aktuellen Kalenderjahr theoretisch möglichen Sonnenstunden (z.B. ohne Bewölkung, Nebel u.dgl.) am gewählten Ort und berücksichtigt in einem zweiten Schritt die Wirkungen der – aus einer Ist-Erhebung vor Ort festgestellten Abschattung durch z.B. Bebauungen, Bewuchs und Horizonte und zieht dann die Wirkungen der ortstypischen Bewölkungslage vom Zwischenergebnis ab.

    Zur Erhebung der örtlichen Ist-Verhältnisse wurden (bei jahreszeitlich bedingter zum Teil lichter Vegetationslage) Panoramaaufnahmen mit niedriger Brennweite (mit einem sogenannten Fischaugenobjektiv) wie nachstehend als Beispiel abgebildet durchgeführt und später rechentechnisch die Sonnenlaufbahnen daraufgelegt, Beschattungsbereiche markiert und rechentechnisch ausgewertet.

    Schattenwurf 2019a

    Eine Reihe von rechtlichen Entscheidungen und Erkenntnissen legte bereits vor, dass negative Immissionen (wie auch der Schattenwurf) das – nach den örtlichen Verhältnissen gewöhnliche Maß überwiegend überschreiten und zudem die Benützung des Nachbargrundstücks (z.B. seiner Art, Lage und Größe nach) unzumutbar beeinträchtigen müssen – um relevant zu sein. Die von der Rechtsprechung vorgegebenen Grenzen wurden in insbesondere in den nachfolgenden Beispielen überschritten:

    1. Wenn fremde Gewächse die körperliche Sicherheit des Nachbarn beeinträchtigen (z.B. durch Depressionen auf Grund von Lichtentzug; Schimmelbildung; nicht aber durch wegbrechende Äste).
    2. Wenn nicht nur ein kleiner Grundstreifen, sondern größere Teile des Grundstückes versumpfen, vermoosen oder sonst unbrauchbar werden.
    3. Wenn fremde Bäume und Gewächse auch zu Mittag eines helllichten Sommertages eine künstliche Beleuchtung im angrenzenden Raum erfordern.
    4. Wenn der Schattenwurf der Bäume zu einer völligen Unbrauchbarkeit einer schon bestehenden Solaranlage führt.

    Der Oberste Gerichtshof leitete aus dem § 364 Abs 3 ABGB zudem ab, die Unzumutbarkeit der Beschattung im Einzelfall umso eher verwirklicht sei, als zeitlich und räumlich überwiegend (d.h. mehr als 50 % im Jahresdurchschnitt) kein Sonnenlicht in Wohnräumen und/oder im Garten einfallen könne.

    Im gegenständlichen Fall sind für das siedlungsnahe Umfeld durchschnittliche 1.699 Sonnenstunden im Jahr als ortsüblich anzugeben. Eine jedenfalls kritische Unterschreitung dieses Immissionsniveaus um mehr als 50% ist demnach bei weniger als 850 Sonnenstunden im Jahr zu finden. Da für die südliche Terrasse und den Garten Beschattungsgrade von 13 – 20% vorliegen und sich bis zu 1.168 Sonnenstunden ergeben, war von meiner Seite eine unterdurchschnittliche – jedoch noch unkritische Immissionslage abzuleiten.

    Wie das Gericht in diesem Fall dann entschied ist mir aber nicht bekannt.

    Andreas Doppler, 16.10.2019
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  • Admin um 16:49 am 16. August 2018 Permalink  

    Die sonnenbedingte Blendung – Beurteilung 

    Neben dem Wunsch nach sonnenreichen Aufenthaltsflächen, möglichst hell und natürlich beleuchteten Wohnräumlichkeiten, der Gewinnung von umweltfreundlicher Energie und Wärme etc. stehen den Vorteilen der Sonneneinstrahlung auch die Nachteile übermäßiger Blendungen entgegen, wenn diese bei der Planung und Ausführung von Glasfassaden, glänzenden Dächern und/oder von Anlagen der Energie- und Wärmegewinnung (Photovoltaik- und Kollektoranlagen) nicht ausreichend Berücksichtigung finden.

    Zur Beurteilung sonnenbedingter Blendungen kann man sich im internationalen Umfeld nachstehender Richtlinien und Leitfäden wie z.B. dem Leitfaden FS-2014-160 „Lichteinwirkung auf die Nachbarschaft“ (insb. die Kapitel 6.2 und 6.3) des deutschen Fachverbandes für Strahlenschutz e.V. oder dem Leitfaden „Solaranlagen“ des Schweizer Fachverbandes für Sonnenenergie bedienen. Für Österreich wurden zu diesem Zweck die Grundsatzstudie „Medizinische Beurteilungsgrundlagen der Passiven Blendung“, herausgegeben vom Institut für Umwelthygiene der Medizinischen Universität Wien und die OVE Richtlinie R 11-3:2016 „Blendung durch Photovoltaikanlagen“ erstellt und angewendet.

    Der OVE Richtlinie R 11-3:2016 nach gelten Wohn- und Schlafräume, aber auch Krankenzimmer und Schulräume; Büro-, Praxis- und Arbeitsräume; Erholungsbereiche im Außenbereich von Wohngebäuden und allgemein Verkehrsflächen als schützenswert.

    Als Obergrenzen für eine zumutbare Blendung wird vergleichbar den internationalen Regelungen eine Einwirkung von 30 Minuten am Tag und/oder 30 Stunden im Jahr festgelegt.

    Fotodokumentation der Sonnenreflexion an einem Solarmodul, Quelle: TB Doppler

    Blendung 04

    Begründet werden diese Zumutbarkeitsgrenzen mit der aufgezwungenen Einschränkung der Dispositionsfreiheit im Wohnumfeld und die Notwendigkeit für die Betroffenen – für die Zeitdauer der Belastung Abwehrmaßnahmen zu setzen, die je nach der aktuellen Tätigkeit als unangenehm oder störend empfunden werden. Ergänzt wurde zur OVE Richtlinie, dass ab einer Einwirkung von 60 Minuten am Tag bzw. 60 Stunden im Jahr zudem eine Gesundheitsgefahr vakant wird bzw. durch die Folgen chronischer Stresswirkungen aufgrund des länger andauernden Belästigungsempfindens diese nicht auszuschließen ist.

    Diesbezüglich ist es die Aufgabe der lichttechnischen Gutachter, jene Bereiche zu ermitteln – die durch die interessierenden Anlagen eine relevante Immissionseinwirkung über die Dauer von wenigstens 30 Minuten am Tag und/oder 30 Stunden im Jahr erfahren.

    Dem Stand der Technik folgend darf dabei ein vereinfachtes Rechenverfahren nach dem Prinzip „Einfallswinkel = Ausfallswinkel“ ohne Einbezug der sogenannten Bündelaufweitung erfolgen. Dieser Pragmatismus ist erforderlich, da trotz dem Wissen um die mikroskopischen bis makroskopischen Strukturen in der Oberfläche der Reflexionsebene und den davon induzierten wellenlängenspezifischen Brechungen und Beugungen des Lichts – die davon bestimmte Bündelaufweitung unter Laborbedingungen für jeden horizontalen und vertikalen Winkel an Einstrahlung am jeweiligen Produkt getestet und gesondert ausgewiesen müsste.

    Weiter darf gemäß der OVE Richtlinie unabhängig vom tatsächlichen Wetter (z.B. Nebellagen und Bewölkungen) die theoretisch mögliche Sichtverbindung zur Sonne und davon abhängige Blenddauer tagesscharf bzw. über das Jahr ermittelt werden.

    Die standortbedingte Varianz in Bezug auf die höchstmögliche Sonneneinstrahlung ist bei diesen Dimensionen eine akademische Frage von geringem Einfluss und unerheblich auf das Ergebnis der gutachterlichen Untersuchung, da die Sonne selbst bei tiefem Stand noch immer eine Leuchtdichte von über 108 cd/m² (nur rd. 4 – 6% zu den Höchstwerten) aufweisen kann, ist selbst dann bei einem Reflexionsgrad von nur 1% die Schwelle zur Absolutblendung von 104 cd/m² um das 100-fache überschritten wird.

    So genügt nach der OVE Richtlinie R 11-3:2016 bereits eine einzelne sonnenreflexionsbedingte Überschreitung von 30 Minuten an einem maßgeblichen Immissionspunkt zur kritischen Beurteilung!

    Andreas Doppler, 16.08.2018
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  • Admin um 20:04 am 14. August 2018 Permalink  

    Die sonnenbedingte Blendung – Grundsätzliches 

    Zum Aufgabengebiet des lichttechnischen Gutachters gehören u.a. auch die Messung, Berechnung und Begutachtung von sonnenbedingten Wirkungen – oder aber auch das Fehlen derselben bei z.B. übermäßiger Beschattung (eine sogenannte negative Immission). Diesbezüglich werden bei bau- und gewerberechtlichen Genehmigungsverfahren wie auch bei Gerichtsverfahren immer häufiger die möglichen und tatsächlichen Wirkungen von Reflexionen der Sonne an z.B. großen Verglasungen, Photovoltaikanlagen, Kollektoranlagen, metallischen und keramischen Dacheindeckungen etc. hinterfragt.

    Grundsätzliches zur Einstrahlung der Sonne:

    Die Leuchtdichte (= der Helligkeitseindruck) der Sonne reicht auch in unseren Breitengraden situationsbedingt bis zu etwa 1,6 x 109 cd/m2 und bei ausgezeichneter Witterung (z.B. wolken- und dunstfreie Lagen) sind dabei äquival­ente Beleuchtungsstärken von etwa E ≤ 100.000 – 130.000 lx (Beleuchtungsstärke auf das angestrahlte Objekt) im Freien zu erwarten. Medizinisch begründet wissen wir, dass „absolute Blendungen“ (nicht nur das lästige Empfinden, sondern bereits eine kritische Sichtbehinderung) ab Leuchtdichten von 104 cd/m² möglich sind. Das bedeutet, dass ein Blick in die ungeminderte Reflexion (Annahme einer 100%-igen Reflexion) mit einer Überschreitung des Grenzwertes um das 100.000-fache einhergeht.

    Leuchtdichte einer mittleren Sonneneinstrahlung L [cd/m²] L [cd/m²]
    Immission vor dem Glas 1.000.000.000 1,00E+09
    Theoretische Reflexionsminderung -999.000.000 -9,99E+08 -99,9%
    Verbleibende Einwirkung 1.000.000 1,0E+06
    Überschreitung
    Absolutblendung ab 10^4 cd/m² 10.000 1,0E+04 100-fach

    Anders ausgedrückt müsste eine Maßnahme zur Blendvermeidung geeignet sein, wenigstens 99.999% der einwirkenden Intensität zurücknehmen. Da dies aus praktischen Gesichtspunkten kaum möglich ist (dies würde ja eine komplette Abdeckung mit blickdichtem Material erfordern) bleibt nur die Möglichkeit, durch bauliche Maßnahmen und/oder die zielgerichtete Montage von reflektierenden Flächen (z.B. mit sehr flachen Elementen oder mit – dem Sonnenlauf nachfolgenden Systemen) – die Reflexion in Bereiche zu lenken, in denen keine NachbarInnen und/oder VerkehrsteilnehmerInnen davon betroffen sind.

    Prinzipskizze zu einem System sehr flacher Photovoltaik-Elemente (Quelle: Produkt iFIX, Fa. iFIX-Solar GmbH, 4101 Feldkirchen an der Donau):

    IFIX01

    Fotodokumentation zum System im Einbauzustand (Quelle: TB Doppler):

    IFIX02a

    Zu Ihrer Information: selbst „reflexionsarme Photovoltaik-Module“ mit einem Reflexionsgrad von nur 1% können diesem Erfordernis nicht gerecht werden, zumal der niedrige Reflexionsgrad zumeist bei steilem Einfallswinkel gilt und bei flacherem Einfallswinkel die Reflexion deutlich höher liegt.

    Vor einer Messung dieser hohen Leuchtdichten mit optischem Gerät (z.B. einem klassischen Spotmeter vom Typ Gossen oder Minolta) oder die Aufnahme mittels einer Spiegelreflexkamera muss dringend gewarnt werden, da durch die Bildvergrößerung dieser Geräte die – auf das Auge des Betrachters konzentrierte Sonneneinstrahlung sofort zu bleibenden Schäden führen kann! Zudem reicht der Messbereich der üblichen Leuchtdichtemessgeräte meist auch nur bis etwa 300.000 cd/m². 

    Fotodokumentation zur einer Sonnenkollektoranlage (Warmwassergewinnung) mit behelfsweise vorgespanntem Sichtschutznetz:

    Blendung 01

    Fotodokumentation zur einer Sonnenkollektoranlage (Warmwassergewinnung) mit kurzer Belichtungszeit:

    Blendung 02

    Andreas Doppler, 14.08.2018
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  • Admin um 19:29 am 13. July 2018 Permalink  

    Sonnenschutzlösung für ein Kuppeldach aus Glas 

    Anlässlich einer gemeinsamen Bearbeitung mit dem Expertenbüro Krückl-Seidel-Mayr & Partner ZT-GmbH aus Perg stellte sich die Aufgabe – für die Firma RIEGLER METALLBAU aus Steyr eine optimierte Sonnenschutzlösung für ein Kuppeldach aus Glas anzubieten.

    Ziel war, eine ausgetüftelte mehrteilige Leichtmetallkonstruktion der ausführenden Metallbaufirma in der Beschattungsanalyse zu untersuchen und rauszufinden, welche Schattenwurfszenarien sich über die Monate im Jahr und über den Tag am bestehenden Bauwerk abzeichnen. Die Konstruktion sollte der thermischen Überhitzung des Gebäudes entgegenwirken, jedoch keine völlige Abschattung vom Sonnenschein bedingen.

    Für mich hatte die Aufgabe den besonderen Reiz, die aufwendige 3-dimensionale Struktur nachzubilden und zudem ansehnliche und nachvollziehbare (astronomisch korrekte) Ergebnisdarstellungen bieten zu können. Ich hoffe, Sie finden ebenfalls Gefallen an den Darstellungen.

    Systemskizze zur mehrteiligen Sonnenschutzkonstruktion, Entwurf der Fa. Riegler Metallbau, Wolfernstraße 41, 4400 Steyr

    Kuppel-System

    Visualisierung 01 inkl. Sonnenstands- und Schattenwurfanalyse, Quelle: TB Doppler

    Kuppel-3D1

    Visualisierung 02 inkl. Sonnenstands- und Schattenwurfanalyse, Quelle: TB Doppler

    Kuppel-3D3

    Visualisierung 03 inkl. Sonnenstands- und Schattenwurfanalyse, Quelle: TB Doppler

    Kuppel-3D2

    Andreas Doppler, 13.07.2018
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  • Admin um 13:59 am 15. October 2017 Permalink | antworten  

    Lichtimmissionen über Maß (Update) 

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    wie ich Ihnen im April (siehe Blog-Eintrag vom 15. April 2017) schrieb, bin ich zwei besonders auffälligen Beispielen für die „übermäßige Lichtwerbung“ im Straßen- und Nachbarschaftsbereich begegnet. Nun habe ich gestern Gelegenheit gehabt mir die Situation vor Ort nochmals anzusehen. So wurden die von mir angemerkten Anlagen zwischenzeitig auf etwa die halbe Leuchtdichte (= Helligkeitseindruck für das menschliche Auge) reduziert. Das ist schon eine deutliche Verbesserung zu vorher!

    Andreas Doppler, 15.10.2017
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  • Admin um 19:48 am 29. September 2017 Permalink | antworten  

    Vergleich von Messung und Berechnung (am Beispiel einer Verschattung) 

    Die Arbeit des Sachverständigen erfordert immer eine angemessene Genauigkeit und die Absicht, realitätsnahe Ergebnisse zu liefern. Und jede Messung und Berechnung kann nur so gut werden – wie die zur Analyse verwendeten Ausgangsdaten es erlauben. Natürlich muss das Messgerät und/oder das Berechnungsprogramm auch fehlerfrei arbeiten! Es ist aber immer ein Unding, einfach einem beliebigen Ergebnis Glauben zu schenken, ohne dessen Plausibilität zu hinterfragen und zu prüfen.

    Wie eine Technikerweisheit meint: „Verrechnen kann man sich leicht ums Zehnfache (z.B. Kommastellenverrückung), sich um´s Doppelte oder mehr zu Verschätzen geht kaum“. Soll heißen, eine Schätzung kann/muss gar nicht viel schlechter sein als eine im guten Glauben durchgeführte Berechnung auf mehrere Kommastellen.

    Heutzutage sind die EDV-gestützten Möglichkeiten aber bereits unglaublich ausgereift. In der Schalltechnik/Akustik liegt mittlerweile bei sorgfältiger Vorbereitung und Arbeit kaum mehr ein Unterschied zwischen dem Ergebnis einer Messung und einer Berechnung vor. Und wie das nachfolgende Beispiel zeigen soll, werden auch Sonnenstandsberechnungen modelltechnisch sehr gut abgebildet.

    Bildskizze 1:

    Darstellung einer Ist-Bestandslage (eine Gruppe von Fichten des Nachbarn), die vereinfacht in einem Rechenmodell nachgebildet wurde. Es zeigt sich zum ausgewählten Zeitpunkt ein lotrechter Schattenwurf der Fichten auf das nahe Gebäude und der Schattenwurf der eigenen Gartenmauerung bedeckt gut die Hälfte des Aufenthaltsbereiches.

    Fichten Modell01

    Fotodokumentationen 1 + 2:

    Fichten Foto01

    Fichten Foto02

    Diesbezüglich bestätigen die Fotodokumentationen vor Ort die erwarteten Ergebnisse. So kann dem zur Berechnung herangezogenen Programm zugesprochen werden, realitätsnahe Ergebnisse zu liefern. Und mit dieser Voraussetzung ist auch das Vertrauen eher gerechtfertigt, dass mit dem Programm auch zukünftige Ereignisse und Zustände (z.B. das Simulieren von höheren und dichteren Beflanzungen u.dgl.) gut abgebildet werden können.

    Andreas Doppler, 29.09.2017
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  • Admin um 18:55 am 15. April 2017 Permalink | antworten  

    Lichtimmissionen über Maß 

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    im Anschluss an eine Dienstmessung bin ich zwei besonders auffälligen Beispielen für die „übermäßige Lichtwerbung“ im Straßen- und Nachbarschaftsbereich begegnet.

    Es gibt betreffend die Grenzwerte zwei wesentliche Richtlinien, einerseits die RVS 05.06.12 für den Schutz von VerkehrsteilnehmerInnen und die ÖNORM O 1052 für den Nachbarschaftsschutz. Die RVS Richtlinie legt beispielsweise fest, dass eine straßennahe Lichtinstallation (öffentliche Straßenbeleuchtungen ausgenommen) eine Leuchtdichte von maximal 100 bis 250 cd/m² (im Mittel über die Leuchtfläche, Abhängig von der Lage zur Straße) aufzuweisen hat. Und die nachstehenden Beispiele liegen mit großem Abstand über diesem Grenzwert!

    Weiter regelt die ÖNORM O 1052 (erstmals veröffentlicht mit Okt. 2012) den Nachbarschaftsschutz in Wohngebieten mit nachbarseitigen Aufhellungen von nicht mehr als 3 lux am Abend (20:00 bis 22:00 Uhr) und höchstens 1 lux zur Nacht (ab 22:00 Uhr). Wieder sind für die angeführten Beispiele kritische und vorbehaltlich einer humanmedizinische Beurteilung sogar gesundheitsgefährdende Einwirkungen abzuleiten.

    Licht01a

    Licht02a

    Andreas Doppler, 15.04.2017
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  • Admin um 16:36 am 21. May 2016 Permalink | antworten  

    Schattenwurf aus Nachbars Garten 

    Dem Handbuch für Umweltmedizin (Wichmann und Schlipköter) nach, ist für den Menschen eine direkte Besonnung von 1.350 Stunden im klimatologischen Jahresmittel anzustreben, da für eine geringere Anzahl von Sonnenscheinstunden keine heilklimatische Wirkung nachgewiesen wurde. Weiter ist für das Wohlbefinden des Menschen auch indirektes Sonnenlicht von Vorteil, weil dieses einen wesentlich geringeren Anteil an kurzwelliger UV-Strahlung (schädliche Wirkungen wie z.B. Sonnenbrandentzündung, Zellzerstörung, Hautkarzinome etc.) auf den Menschen entfaltet, als eine direkte Sonnenstrahlung.

    Technisch gesehen gilt z.B. nach den Vorgaben der deutschen DIN 5034-1 eine Wohnung als ausreichend besonnt, wenn mindestens ein Wohnraum einer Wohnung am 17. Januar für mindestens eine Stunde in Fenstermitte besonnt werden kann. Der Stichtag des 17. Januars entspricht einem wintertypischen niedrigen Sonnenstand. In Österreich regeln diesbezüglich diverse Baugesetze (z.B. Bauordnungen der Länder) und die OIB Richtlinie Nr. 3:2015 Abstandsregeln und Maximalhöhen von neu geplanten Nachbargebäuden mit dem Ziel, dass beim Nachbarn eine dem Wohnzwecke angemessene Besonnung und Belichtung erhalten bleibt.

    Und eine Reihe von rechtlichen Entscheidungen und Erkenntnissen legte bereits vor, dass negative Immissionen (wie z.B. ein Schattenwurf) das nach den örtlichen Verhältnissen gewöhnliche Maß überwiegend überschreiten und zudem die Benützung des Nachbargrundstücks (z.B. seiner Art, Lage und Größe nach) unzumutbar beeinträchtigen müssen – um relevant zu sein. Die von der Rechtssprechung vorgegebenen Grenzen wurden in insbesondere in den nachfolgenden Beispielen überschritten:

    • Wenn fremde Gewächse die körperliche Sicherheit des Nachbarn beeinträchtigen (z.B. durch Depressionen auf Grund von Lichtenzug; Schimmelbildung; nicht aber durch wegbrechende Äste).
    • Wenn nicht nur ein kleiner Grundstreifen, sondern größere Teile des Grundstückes versumpfen, vermoosen oder sonst unbrauchbar werden.
    • Wenn fremde Bäume und Gewächse auch zu Mittag eines helllichten Sommertages eine künstliche Beleuchtung im angrenzenden Raum erfordern.
    • Wenn der Schattenwurf der Bäume zu einer völligen Unbrauchbarkeit einer schon bestehenden Solaranlage führt.

    Anbei ein Beispiel einer Schattenwurfanalyse, bei dem ein Kirschbaum und 4 Fichten (bis etwa 6 – 7 m Höhe) aus der Nachbarschaft den Garten des Eigentümers zeit- und bereichsweise beschatten. Die Nachbarn haben sich letztlich darauf geeinigt, die Fichten entfernen zu lassen, da von diesen in den kommenden Jahren noch ein erhebliches Wachstum (bis zu etwa 18 – 20 m Höhe) zu erwarten gewesen wäre.

    Schattenwurf 01

    Andreas Doppler, 21.05.2016
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  • Admin um 23:06 am 28. March 2016 Permalink | antworten  

    Lichtwerbung im Nahbereich von Verkehrs- und Wohnbereichen 

    Gilt es im Bereich von Verkehrsträgern um die Genehmigung von neuen Lichtwerbungen anzusuchen, ersucht die zuständige Behörde in der Regel um Übermittlung von ergänzenden Unterlagen zur Beurteilung der geplanten Anlagen nach den RVS Richtlinien Nr. 05.06.11 ,,Visuelle Störungen- Kriterien zu Standorten von Informationsträgern“ und 05.06.12 „Visuelle Informationsträger für verkehrsfremde Zwecke“.

    Diese Richtlinien dienen primär der Beurteilung, ob durch die geplanten Anlagen keine Verkehrsteilnehmer abgelenkt, geblendet oder sonst über Maß beeinträchtigt oder gestört werden. Die Richtlinien unterscheiden dabei eine Vielzahl von Arten an Lichtquellen (z.B. stationäre bis mobile, statische bis dynamische Darbietungen, Anlagen in konventioneller oder LED-Technik etc.) und legen dafür eine umfangreiche Reihe an Bewertungskriterien fest.

    Oftmals wird es auch erforderlich, Messdaten von bestehenden Anlagen wie auch Herstellerangaben von neu geplanten Anlagen (Testmessungen am Prototypen) einzufordern um diese in eine lichttechnische Bewertung oder ein Gutachten zu übernehmen.

    Beispielhafte Leuchtdichtefotografie eines Werbe-Pylons, Skaleneinheit: cd/m²

    Leuchttafel01

    Der Nachbarschaftsschutz ist in Österreich seit Auflage der ÖNORM O 1052:2012 gesondert zu bewerten. So wird u.a. betreffend die Raumaufhellung durch verkehrsfremde Beleuchtungsanlagen für z.B. Wohngebiete (Gebietsklasse B) ein Grenzwert von höchstens 3 Lux am Abend und höchstens 1 lx zur Nachtzeit vorgeschrieben. Da die Norm damit Obergrenzen formuliert, sind bereits bestehende andere Lichtwerbungen bzw. nicht der Sicherheit dienende Lichtquellen ebenfalls zu berücksichtigen und die neuen Anlagen dürfen für eine Grenzwerteinhaltung teilweise nur deutlich weniger Lichtanteile für sich in Anspruch nehmen. Zudem sind nach RVS 05.06.12 und nach ÖNORM O 1052 auch Obergrenzen betreffend die zulässigen Leuchtdichten (insbesondere zur Vermeidung von Blendungen) zu beachten.

    Die Ermittlung der relevanten Beleuchtungsstärken und Blendfaktoren erfordert in der Regel eine lichttechnische Berechnung. Darüber hinaus formuliert die ÖNORM O 1052:2012 auch Ziele zum Schutz der Pflanzen- und Tierwelt.

    Andreas Doppler, 28.03.2016
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  • Admin um 16:05 am 18. November 2015 Permalink | antworten  

    Einwirkung von natürlichen und künstlichen Lichtquellen 

    Als Lichtimmission wird die Einwirkung von natürlichen und künstlichen Lichtquellen (Emissionsquellen) beim Betrachter bezeichnet. Über das Licht der Parkplatz- und Straßenbeleuchtung, der Beleuchtung von Firmenarealen, der Sportplatzbeleuchtung, der Bestrahlung von Gebäuden und Objekten oder auch bei selbstleuchtenden Objekten wie z.B. Leuchtreklamen kann es beim Nachbarn zu Störungen und Belästigungen kommen und überdies führen falsch ausgerichtete Leuchten zur „Lichtverschmutzung“.

    In Europa gibt es betreffend Lichtimmissionen bereits einige nationale Normenwerke, welche die zulässigen Lichtimmissionen bei Nachbarn und auf die Umwelt regeln. In Österreich sind u.a. folgende Normen und Richtlinien gegeben, die sich überwiegend mit der Auslegung und den Anforderungen an Beleuchtungsanlagen befassen:

    • ÖNORM EN 12464-2, Beleuchtung von Arbeitsplätze im Freien
    • ÖNORM EN 12464-1, Beleuchtung von Arbeitsplätzen innen
    • BGBl. Nr. 2010-221, Verordnung optische Strahlung – VOPST
    • ÖNORM EN 12665, Licht und Beleuchtung
    • ÖNORM CEN/TR 13201-1, Straßenbeleuchtung – Teil 1
    • ÖNORM EN 13201-2, Straßenbeleuchtung – Teil 2 bis Teil 4
    • ÖNORM O 1051, Straßenbeleuchtung – Beleuchtung von Konfliktzonen
    • ÖNORM O 1052, Lichtimmissionen – Messung und Beurteilung
    • ÖNORM O 1053, Straßenbeleuchtung – Auswahl der Beleuchtungsklassen
    • RVS 05.06.12, Blend- und Lärmschutz – verkehrsfremde visuelle Informationsträger
    • ÖNORM EN 12193, Licht und Beleuchtung – Sportstättenbeleuchtung
    • und andere …

    Mit 1. Oktober 2012 wurde die ÖNORM O 1052 „Lichtimmissionen – Messung und Beurteilung“ von der Austria Standards veröffentlicht. Damit wurde die Arbeit der Arbeitsgruppe betreffend eine nationale Regelung betreffend Lichtimmissionen veröffentlicht und Österreich schließt zu den Mitgliedsstaaten der EU auf, die Regelungen betreffend den Nachbarschaftsschutz und dem Naturschutz (Stichwort Lichtverschmutzung) gesetzt haben.

    Die Norm regelt die Wirkung von künstlichen Lichtquellen (Ausnahmen bleiben das Licht von Kfz und übliche Innenbeleuchtungen) und die Wirkung von leuchteten Flächen auf den Menschen und die Umwelt.

    Andreas Doppler, 18.11.2015
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