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  • Admin um 12:33 am 6. October 2018 Permalink  

    Du Schatz, da brummt was! 

    Hersteller von Wärmepumpen legen seit Jahren besonderes Augenmerk darauf, leise Wärmepumpen zu entwickeln. Dennoch kann es zu Spannungen mit den Nachbarn kommen, wenn eine Anlage an einer schalltechnisch ungünstigen Stelle installiert wird. Doch wie laut darf eine technische Anlage im Außenbereich überhaupt sein?

    Fachleute verweisen hierfür auf folgende Faustregel: „Das Dauergeräusch einer technischen Anlage soll so dimensioniert sein, dass es sich von den ortsüblichen Hintergrundgeräuschen der leisen Stunden (des Tages, des Abends, der Nacht) nicht abhebt.“

    Zur konkreten Ermittlung der Hintergrundgeräusche der leisen Stunden, müsste aber eine Messung (z.B. über einen ganzen Tag bzw. ein ganzes Wochenende) erfolgen. Da für die Installation von Geräten wie Wärmepumpen, Klimaanlagen, Schwimmbadpumpen und dergleichen zu privaten Wohngebäuden aufwendige Messungen der Umgebungsgeräusche selten wirtschaftlich sind, wurden von einigen Bundesländern amtsseitig Richt- wie Grenzwerte (was darf von der Anlage beim Nachbarn ankommen) in Baugesetzen, Verordnungen, Förderrichtlinien etc. festgelegt.

    Für die zumeist kritischeren Nachtstunden von 22 bis 6 Uhr liegen die Vorgaben in ländlichen Wohn­gebieten typischerweise bei höchstens 30 dB(A) an der nachbarlichen Grundstücksgrenze und bei höchstens 25 dB(A) im Schlafraum. Wurden im jeweiligen Bundesland keine gesetzlichen Grenzwerte festgelegt und/oder droht der nachbarliche Konflikt vor Gericht ausgetragen zu werden, ist man mit einer professionellen Schallmessung vor und nach der Inbetriebnahme der Anlage allerdings besser abgesichert.

    Wichtig ist weiter, die zu erwartende Schallemission (was sendet die Anlage aus?) bereits in der Planungsphase zu ermitteln (Auswahl des Gerätetyps) und den dazu geeigneten Aufstellungsort zu suchen. Zusätzlich sollten folgende Informationen zur Wärmepumpe beim Hersteller eingeholt werden:

    • Beziehen sich Herstellerwerte auf die maximale Schallleistung der Anlage? Oft werden von Herstellern geringere Schallleistungen – für sogenannte Normprüfpunkte der ÖNORM EN 14511 bei Temperaturen über dem Nullpunkt – angeführt.
    • Ist eine fix einstellbare Nachtabsenkung mit geringerer Schallleistung möglich?
    • Hat die Anlage einen unauffälligen Geräuschcharakter oder ist mit unangenehmen Betriebsgeräuschen wie z.B. Tieftonlastigkeiten (störendes Brummen) oder markanten Tönen (Singen, Surren etc.) zu rechnen?

    Generell gilt, dass man mit einer Aufstellung nah an der Grundstücksgrenze bzw. nah am Nachbarhaus Gefahr läuft, die Grenzwerte nicht einzuhalten. Daher sollte man von vornherein alternative Aufstellorte für die Anlageteile im Freien in Betracht ziehen und auch andere Parameter wie der Einfluss von reflektierenden Gebäudeteilen nahe dem Aufstellort, die Bauform der Anlage (Stichwort: Richtwirkungen) und die Eigenheiten des Betriebsgeräuschs sind in die Planung mit einzubeziehen.

    Erfahren Sie mehr im Webinar-Video, welches ich für die Firma Hoval im September abhielt. Sie erreichen den Vortrag unter diesem Link (Weiterleitung zum Datendienst http://www.youtube.com, Bildquelle: TB Doppler, Videoquelle: Hoval).

    Hoval Sept1

    Andreas Doppler, 06.10.2018
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  • Admin um 13:40 am 23. September 2018 Permalink  

    Reden wir über Spitzenpegel – aber über welchen? 

    Wenn Sie der Meinung sind, es gäbe nur einen „Spitzenpegel“, wäre es so – als wenn Sie meinen, es gäbe nur eine Sorte von Äpfeln. So leicht macht es uns die Schalltechnik nun auch wieder nicht, smile. So erlaube ich mir, Ihnen nachstehende Kandidaten zur Wahl des „Wir suchen den Spitzenpegel-Superstar“ vorzustellen. Spaß beiseite, jeder Pegel hat seine Berechtigung und wird bedarfsweise zur jeweiligen Beurteilung zur maßgeblichen Pegelgröße. Das Wissen um die Unterschiede ist dabei entscheidend.

    Anbei als Beispiel das Signal einer einzelnen Sprengung an einer Felswand:

    Messpunkt Spitzenpegelmessung desselben Ereignisses in div. Pegelgrößen [dB]
    LZ,peak LZ,I,max LA,f,max LA,peak LA,I,max LC,f,max LC,peak
    MP-1 123 116 94 117 95 98 121

    Sprengsignal 01
    Sprengsignal 02

    Beginnen wir mit dem unbewerteten Spitzenpegel ohne Zeitkonstante, dem LZ,peak in [dB]

    Dieser Pegel wird als Schalldruck vom Messgerät erfasst und entspricht vereinfacht ausgedrückt, dem „reinen Signal“, aus dem alle folgenden Beurteilungspegel abgeleitet werden können. Die Umrechnung auf andere Bezugsgrößen passiert beim professionellen Messequipment (in Österreich sind im Geschäftswesen nur vom BEV zugelassene und geeichte Messgerätschaften zugelassen) in der Regel schon innerhalb des Messgerätes und ist dann von dort abzulesen.

    Dabei ist zu beachten, dass bei starken Spitzenpegeln am Messgerät zum einen das richtige Mikrofon (es gibt kein „Allerweltsmikrofon“ für alle Anwendungen, teilweise sind spezielle Mikrofone für die Erfassung von hohen wie niedrigen Pegeln auszuwählen) und zum anderen am Messgerät auch der richtige Messbereich (also jener für die hohen Schalldrücke) eingestellt ist. Das „Z“ in der Pegelbezeichnung steht für „keine Anpassung“ und das „peak“ gibt den Hinweis, dass keine zeitliche Bewertung – sondern der Maximalwert (in der Auflösungsmöglichkeit des Messgerätes) vorliegt.

    Setzen wir mit dem A-bewerteten Spitzenpegel in der Zeitkonstante „fast“, dem LA,f,max in [dB] (abgekürzt: LA,max) fort:

    Mit diesem Pegel werden am häufigsten die Einwirkungen von Spitzenpegelereignissen auf den Menschen bei allgegenwärtigen Umweltereignissen (z.B. Spitzenpegelereignisse aus dem Verkehrslärm, Freizeitlärm, von Nachbarschaftsgeräuschen etc.) beschrieben. Die Zeitkonstante liegt bei 125 ms. Dies bedeutet, dass kürzerer Ereignisse auf diese Bezugszeit gedehnt = gemittelt werden. Die Bewertung mit der Filterkurve „A“ bedeutet nichts anderes, als dass die Signalauswertung auf das menschliche Hörvermögen abgestimmt wurde und damit z.B. tiefe Frequenzen weniger stark als hohe Frequenzen gewertet werden, da der Mensch im höheren Frequenzbereich die bessere Wahrnehmung (die höhere Sensibilität) hat.

    Neben dem LA,max wird zumeist bei extremen Ereignissen wie z.B. beim Schießlärm oder bei Knallen auch der Peak-Pegel ohne Zeitbewertung herangezogen, da auch hierfür medizinische Beurteilungsgrundlagen vorliegen. Die Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) legen beispielweise nahe, Kinder keinen Spitzenpegeln größer LA,peak = 120 dB auszusetzen! Und Erwachsene sollten sich bei Spitzenpegeln größer LA,peak = 140 dB vorsehen und Maßnahmen zum Schallschutz treffen.

    Im Bereich des Arbeitnehmerinnen-Schutzes sind darüber hinaus Pegel mit der sogenannten „C-Bewertung“ gebräuchlich bzw. per Regelwerk vorgeschrieben. Die C-Bewertung legt eine höhere Gewichtung an tiefere Frequenzen an als die A-Bewertung, was z.B. bei der Verwendung von persönlichem Schallschutz (Kopfhörer, In-Ohr-Stöpsel etc.) von Bedeutung ist, die in der Regel sehr gut gegen hohe Frequenzen helfen, aber bei tiefen Frequenzen nicht so gut – als wie gewünscht dämmen. Ein im österr. Arbeitnehmerinnen-Schutz geltendes Gesetz, die „Verordnung Lärm und Vibrationen – VOLV“ legt u.a. fest, dass ArbeitnehmerInnen ab einer Spitzenpegeleinwirkung von LC,peak = 137 dB Gehörschutz zu tragen haben.

    Ebenfalls in Verwendung ist die „I-Bewertung“, die spezielle Bewertungszeiten (Zeitkonstante beim Pegelanstieg 35 ms, Zeitkonstante beim Pegelabfall 1,5 s) verwendet. So ist beispielsweise im Vergleich zwischen einem LA,f,max und einem LA,I,max ableitbar, ob es sich bei einem länger andauernden Geräusch (d.h. abseits von Einzelspitzen) mehr oder weniger um ein „impulshaltiges Geräusch“ (mögliche Klassifizierung eines tendenziell lästigen Geräusches) handelt.

    Andreas Doppler, 22.09.2018
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  • Admin um 16:49 am 16. August 2018 Permalink  

    Die sonnenbedingte Blendung – Beurteilung 

    Neben dem Wunsch nach sonnenreichen Aufenthaltsflächen, möglichst hell und natürlich beleuchteten Wohnräumlichkeiten, der Gewinnung von umweltfreundlicher Energie und Wärme etc. stehen den Vorteilen der Sonneneinstrahlung auch die Nachteile übermäßiger Blendungen entgegen, wenn diese bei der Planung und Ausführung von Glasfassaden, glänzenden Dächern und/oder von Anlagen der Energie- und Wärmegewinnung (Photovoltaik- und Kollektoranlagen) nicht ausreichend Berücksichtigung finden.

    Zur Beurteilung sonnenbedingter Blendungen kann man sich im internationalen Umfeld nachstehender Richtlinien und Leitfäden wie z.B. dem Leitfaden FS-2014-160 „Lichteinwirkung auf die Nachbarschaft“ (insb. die Kapitel 6.2 und 6.3) des deutschen Fachverbandes für Strahlenschutz e.V. oder dem Leitfaden „Solaranlagen“ des Schweizer Fachverbandes für Sonnenenergie bedienen. Für Österreich wurden zu diesem Zweck die Grundsatzstudie „Medizinische Beurteilungsgrundlagen der Passiven Blendung“, herausgegeben vom Institut für Umwelthygiene der Medizinischen Universität Wien und die OVE Richtlinie R 11-3:2016 „Blendung durch Photovoltaikanlagen“ erstellt und angewendet.

    Der OVE Richtlinie R 11-3:2016 nach gelten Wohn- und Schlafräume, aber auch Krankenzimmer und Schulräume; Büro-, Praxis- und Arbeitsräume; Erholungsbereiche im Außenbereich von Wohngebäuden und allgemein Verkehrsflächen als schützenswert.

    Als Obergrenzen für eine zumutbare Blendung wird vergleichbar den internationalen Regelungen eine Einwirkung von 30 Minuten am Tag und/oder 30 Stunden im Jahr festgelegt.

    Fotodokumentation der Sonnenreflexion an einem Solarmodul, Quelle: TB Doppler

    Blendung 04

    Begründet werden diese Zumutbarkeitsgrenzen mit der aufgezwungenen Einschränkung der Dispositionsfreiheit im Wohnumfeld und die Notwendigkeit für die Betroffenen – für die Zeitdauer der Belastung Abwehrmaßnahmen zu setzen, die je nach der aktuellen Tätigkeit als unangenehm oder störend empfunden werden. Ergänzt wurde zur OVE Richtlinie, dass ab einer Einwirkung von 60 Minuten am Tag bzw. 60 Stunden im Jahr zudem eine Gesundheitsgefahr vakant wird bzw. durch die Folgen chronischer Stresswirkungen aufgrund des länger andauernden Belästigungsempfindens diese nicht auszuschließen ist.

    Diesbezüglich ist es die Aufgabe der lichttechnischen Gutachter, jene Bereiche zu ermitteln – die durch die interessierenden Anlagen eine relevante Immissionseinwirkung über die Dauer von wenigstens 30 Minuten am Tag und/oder 30 Stunden im Jahr erfahren.

    Dem Stand der Technik folgend darf dabei ein vereinfachtes Rechenverfahren nach dem Prinzip „Einfallswinkel = Ausfallswinkel“ ohne Einbezug der sogenannten Bündelaufweitung erfolgen. Dieser Pragmatismus ist erforderlich, da trotz dem Wissen um die mikroskopischen bis makroskopischen Strukturen in der Oberfläche der Reflexionsebene und den davon induzierten wellenlängenspezifischen Brechungen und Beugungen des Lichts – die davon bestimmte Bündelaufweitung unter Laborbedingungen für jeden horizontalen und vertikalen Winkel an Einstrahlung am jeweiligen Produkt getestet und gesondert ausgewiesen müsste.

    Weiter darf gemäß der OVE Richtlinie unabhängig vom tatsächlichen Wetter (z.B. Nebellagen und Bewölkungen) die theoretisch mögliche Sichtverbindung zur Sonne und davon abhängige Blenddauer tagesscharf bzw. über das Jahr ermittelt werden.

    Die standortbedingte Varianz in Bezug auf die höchstmögliche Sonneneinstrahlung ist bei diesen Dimensionen eine akademische Frage von geringem Einfluss und unerheblich auf das Ergebnis der gutachterlichen Untersuchung, da die Sonne selbst bei tiefem Stand noch immer eine Leuchtdichte von über 108 cd/m² (nur rd. 4 – 6% zu den Höchstwerten) aufweisen kann, ist selbst dann bei einem Reflexionsgrad von nur 1% die Schwelle zur Absolutblendung von 104 cd/m² um das 100-fache überschritten wird.

    So genügt nach der OVE Richtlinie R 11-3:2016 bereits eine einzelne sonnenreflexionsbedingte Überschreitung von 30 Minuten an einem maßgeblichen Immissionspunkt zur kritischen Beurteilung!

    Andreas Doppler, 16.08.2018
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  • Admin um 20:04 am 14. August 2018 Permalink  

    Die sonnenbedingte Blendung – Grundsätzliches 

    Zum Aufgabengebiet des lichttechnischen Gutachters gehören u.a. auch die Messung, Berechnung und Begutachtung von sonnenbedingten Wirkungen – oder aber auch das Fehlen derselben bei z.B. übermäßiger Beschattung (eine sogenannte negative Immission). Diesbezüglich werden bei bau- und gewerberechtlichen Genehmigungsverfahren wie auch bei Gerichtsverfahren immer häufiger die möglichen und tatsächlichen Wirkungen von Reflexionen der Sonne an z.B. großen Verglasungen, Photovoltaikanlagen, Kollektoranlagen, metallischen und keramischen Dacheindeckungen etc. hinterfragt.

    Grundsätzliches zur Einstrahlung der Sonne:

    Die Leuchtdichte (= der Helligkeitseindruck) der Sonne reicht auch in unseren Breitengraden situationsbedingt bis zu etwa 1,6 x 109 cd/m2 und bei ausgezeichneter Witterung (z.B. wolken- und dunstfreie Lagen) sind dabei äquival­ente Beleuchtungsstärken von etwa E ≤ 100.000 – 130.000 lx (Beleuchtungsstärke auf das angestrahlte Objekt) im Freien zu erwarten. Medizinisch begründet wissen wir, dass „absolute Blendungen“ (nicht nur das lästige Empfinden, sondern bereits eine kritische Sichtbehinderung) ab Leuchtdichten von 104 cd/m² möglich sind. Das bedeutet, dass ein Blick in die ungeminderte Reflexion (Annahme einer 100%-igen Reflexion) mit einer Überschreitung des Grenzwertes um das 100.000-fache einhergeht.

    Leuchtdichte einer mittleren Sonneneinstrahlung L [cd/m²] L [cd/m²]
    Immission vor dem Glas 1.000.000.000 1,00E+09
    Theoretische Reflexionsminderung -999.000.000 -9,99E+08 -99,9%
    Verbleibende Einwirkung 1.000.000 1,0E+06
    Überschreitung
    Absolutblendung ab 10^4 cd/m² 10.000 1,0E+04 100-fach

    Anders ausgedrückt müsste eine Maßnahme zur Blendvermeidung geeignet sein, wenigstens 99.999% der einwirkenden Intensität zurücknehmen. Da dies aus praktischen Gesichtspunkten kaum möglich ist (dies würde ja eine komplette Abdeckung mit blickdichtem Material erfordern) bleibt nur die Möglichkeit, durch bauliche Maßnahmen und/oder die zielgerichtete Montage von reflektierenden Flächen (z.B. mit sehr flachen Elementen oder mit – dem Sonnenlauf nachfolgenden Systemen) – die Reflexion in Bereiche zu lenken, in denen keine NachbarInnen und/oder VerkehrsteilnehmerInnen davon betroffen sind.

    Prinzipskizze zu einem System sehr flacher Photovoltaik-Elemente (Quelle: Produkt iFIX, Fa. iFIX-Solar GmbH, 4101 Feldkirchen an der Donau):

    IFIX01

    Fotodokumentation zum System im Einbauzustand (Quelle: TB Doppler):

    IFIX02a

    Zu Ihrer Information: selbst „reflexionsarme Photovoltaik-Module“ mit einem Reflexionsgrad von nur 1% können diesem Erfordernis nicht gerecht werden, zumal der niedrige Reflexionsgrad zumeist bei steilem Einfallswinkel gilt und bei flacherem Einfallswinkel die Reflexion deutlich höher liegt.

    Vor einer Messung dieser hohen Leuchtdichten mit optischem Gerät (z.B. einem klassischen Spotmeter vom Typ Gossen oder Minolta) oder die Aufnahme mittels einer Spiegelreflexkamera muss dringend gewarnt werden, da durch die Bildvergrößerung dieser Geräte die – auf das Auge des Betrachters konzentrierte Sonneneinstrahlung sofort zu bleibenden Schäden führen kann! Zudem reicht der Messbereich der üblichen Leuchtdichtemessgeräte meist auch nur bis etwa 300.000 cd/m². 

    Fotodokumentation zur einer Sonnenkollektoranlage (Warmwassergewinnung) mit behelfsweise vorgespanntem Sichtschutznetz:

    Blendung 01

    Fotodokumentation zur einer Sonnenkollektoranlage (Warmwassergewinnung) mit kurzer Belichtungszeit:

    Blendung 02

    Andreas Doppler, 14.08.2018
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  • Admin um 19:29 am 13. July 2018 Permalink  

    Sonnenschutzlösung für ein Kuppeldach aus Glas 

    Anlässlich einer gemeinsamen Bearbeitung mit dem Expertenbüro Krückl-Seidel-Mayr & Partner ZT-GmbH aus Perg stellte sich die Aufgabe – für die Firma RIEGLER METALLBAU aus Steyr eine optimierte Sonnenschutzlösung für ein Kuppeldach aus Glas anzubieten.

    Ziel war, eine ausgetüftelte mehrteilige Leichtmetallkonstruktion der ausführenden Metallbaufirma in der Beschattungsanalyse zu untersuchen und rauszufinden, welche Schattenwurfszenarien sich über die Monate im Jahr und über den Tag am bestehenden Bauwerk abzeichnen. Die Konstruktion sollte der thermischen Überhitzung des Gebäudes entgegenwirken, jedoch keine völlige Abschattung vom Sonnenschein bedingen.

    Für mich hatte die Aufgabe den besonderen Reiz, die aufwendige 3-dimensionale Struktur nachzubilden und zudem ansehnliche und nachvollziehbare (astronomisch korrekte) Ergebnisdarstellungen bieten zu können. Ich hoffe, Sie finden ebenfalls Gefallen an den Darstellungen.

    Systemskizze zur mehrteiligen Sonnenschutzkonstruktion, Entwurf der Fa. Riegler Metallbau, Wolfernstraße 41, 4400 Steyr

    Kuppel-System

    Visualisierung 01 inkl. Sonnenstands- und Schattenwurfanalyse, Quelle: TB Doppler

    Kuppel-3D1

    Visualisierung 02 inkl. Sonnenstands- und Schattenwurfanalyse, Quelle: TB Doppler

    Kuppel-3D3

    Visualisierung 03 inkl. Sonnenstands- und Schattenwurfanalyse, Quelle: TB Doppler

    Kuppel-3D2

    Andreas Doppler, 13.07.2018
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  • Admin um 11:53 am 6. May 2018 Permalink  

    Haustechnik – Wie laut darf leise sein? 

    Nahezu jedes Gerät, insbesondere Heizungen, Kühlgeräte, Wärmepumpen und Lüftungen, verursacht Geräusche. Doch wie laut darf der Schall im Wohn- oder Schlafzimmer sein, damit er nicht stört?

    Um diese Frage zu beantworten braucht es das Wissen um die Emission der betreffenden Anlage, aber auch das Wissen um die Akustik im betreffenden Raum. So waren in den guten alten 70-/80-igern unsere Wohnungen noch reichlich mit Teppichen, Vorhängen und stoffbespannten Möbeln ausgestattet, die durch die absorbierenden Eigenschaften dieser Materialien auch akustisch ein „wohnliches Raumklima“ schafften. Diese wohnliche Raumakustik lässt sich u.a. durch den Parameter der „Nachhallzeit“ (jene Zeit, die der Schall eines Ereignisses braucht – um sich um 60 dB zu mindern) beschreiben und liegt beim durchschnittlichen Wohnraum (abhängig vom Raumvolumen und der Einrichtung) bei 0,5 Sekunden.

    Ein Dauergeräusch in einem Wohn- oder Schlafraum, das von einer haustechnischen Anlage ausgeht, darf in der Regel 25 dB(A) nicht übersteigen. Die bautechnischen Normen beziehen sich dabei zumeist auf die altgewohnte Einrichtungsmode und gehen von einer Nachhallzeit von 0,5 Sekunden (s) aus. Wirken wohnungsäußere und -innere Schallquellen mit je 25 dB(A) zusammen, addiert sich der Pegel auf 28 dB(A) (energetische Rechenregel; die Verdopplung der Quelle/Energie entspricht einem Anstieg um 3 dB, ein gut wahrnehmbarer Unterschied – aber keine Verdopplung der Lautheit wie oft falsch angenommen) – und wäre nach den geltenden Normen (z.B. OIB-Richtlinie Nr. 5) auch zulässig.

    Heute sind Wohnungen eher schlicht eingerichtet: kaum Textilien, dafür glatte (schallharte) Parkette, Glasflächen und Fliesen. Der Schall wird nicht geschluckt, sondern hallt verstärkt nach und verlängert die Nachhallzeit um Zehntel-Sekunden. Das klingt nach wenig, liefert aber einen deutlich wahrnehmbaren Unterschied. Mit jeder Zehntelsekunde mehr Nachhallzeit wird es grob geschätzt im Raum um ein Dezibel (dB, A-bewertet entsprechend dem menschlichen Gehörvermögen) lauter. Damit dürfen normgemäß noch zulässig, die haustechnischen Anlagen letztlich auch mit höheren Innenpegeln (LA,max,nT bzw. LA,eq,nT) > 28 dB einwirken.

    In der Praxis wird als Qualitätsziel aber ein Innenpegel von nur 23 dB(A) angesehen – ein Geräuschpegel, den der Mensch typischerweise nur mehr bei sehr leiser Umgebung wahrnimmt.

    Die Lücke von ≥ 5 dB zwischen Erwartungshaltung und normativer Vorgabe lässt sich praktisch nur mit Maßnahmen schließen. Überdies geht es nicht nur um die Stärke des Geräuschs, sondern auch um dessen Qualität: Ist es ein Surren, Singen, Pfeifen oder bei sehr tiefen Frequenzen ein Brummen – wird es vom Menschen schnell als lästig empfunden.

    Wird beispielsweise ein kellerseitiges Gerät nicht schwingungsentkoppelt aufgestellt/montiert, kann der Schall im Haus „spazieren gehen“. So sucht sich der Schall (Luft- wie Körperschall) über kleinste Schallbrücken (Befestigungselemente, Fehlstellen im „schwimmenden“ Estrich, Übergang von Anlagenschall ins nahe Mauerwerk, Montagelöcher und Spalten etc.) seinen Weg. Abhilfe schafft hier nur eine sorgfältige Planung und Ausführung.

    Liegt der Innenpegel im Raum dennoch zu hoch, sind zur Nacht (tagsüber maskiert der höhere Umgebungsschall zumeist die Geräusche/Lästigkeiten) Teillastschaltungen von Lüftungen zu empfehlen. Über eine niedrigere Ventilatordrehzahl lasse sich sehr viel erreichen, da sich dadurch sowohl der Schall des Ventilators als auch das aerodynamische Geräusch an den raumseitigen Auslassdüsen verringert. Eine um 25% reduzierte Drehzahl vermindert den Geräuschpegel beispielsweise um bis zu 6 dB. Auch Schalldämpfer im System hemmen natürlich das Geräusch. Der Handel bietet dazu mittlerweile eine Palette von Produkten an. Beide Maßnahmen (Drehzahlminderung und Schalldämpfung) haben zudem den Vorteil, dass zumeist auch unangenehme Geräuschcharakteristiken wie z.B. ein Surren, Pfeifen, Singen etc. deutlich zurückgehen.

    Wer sich zu diesem Thema tiefergehend informieren möchte, dem empfehle ich den Vortrag, den ich für Kunden der Fa. HOVAL im März 2018 halten durfte. Vortrag Hoval März 2018 „Wie laut darf leise sein?“

    HOVAL55

    Andreas Doppler, 06.05.2018
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  • Admin um 15:37 am 9. January 2018 Permalink | antworten  

    Die Arbeit als gerichtlicher Sachverständiger 

    Die Kernarbeit von licht-/schall-/lärmtechnischen Sachverständigen (SV) besteht einfach erklärt darin, bestehende Belastungen zu messen und mögliche zukünftige Be-/Entlastungen zu berechnen. Wichtig ist dabei die Kenntnis der jeweils geltenden Gesetze, Normen und Richtlinien um die Feststellungen mit den facheinschlägigen Immissionsgrenzen vergleichen zu können. Diese Arbeit kann der SV im Auftrag von z.B. Privatpersonen, Unternehmen, Behörden wie auch im Auftrag von Gerichten durchführen.

    Bei Gericht kommt dem Sachverständigen die Aufgabe zu, der Richterin bzw. dem Richter als unabhängiges – zur Objektivität und Unparteilichkeit verpflichtetes Hilfsorgan zur Seite zu stehen. Typischerweise erhält der/die Sachverständige den vom Gericht mit konkreten Aufgaben und Fragen versehenen Auftrag gemeinsam mit dem ganzen Gerichtsakt im Original zugesandt. Mit dem sogenannten Befund werden örtliche und sachliche Gegebenheiten erfasst und dokumentiert. Im darauf aufbauenden Gutachten kommen die Schlussfolgerungen und die Beantwortung der gerichtlichen Fragen dran.

    Im Rahmen meiner Tätigkeit als gerichtlicher Sachverständiger darf ich schon auf einige besonders interessante Fälle zurückschauen. Das wären beispielsweise …

    • eine Klage zwischen Nachbarn, weil eine Hundezucht im Siedlungsgebiet lärmtechnisch zu prüfen war;
    • Klagen zwischen Nachbarinnen, weil Bäume und Sträucher das Sonnenlicht übermäßig einschränkten;
    • eine Klage zwischen Nachbarn, weil eine Solaranlage zu störenden Blendungen führt;
    • eine Klage gegen einen Schweinemastbetrieb, dessen Lüftungsanlage die Nachbarn über den Tag und die Nacht nicht zur Ruhe kommen ließ;
    • eine Klage gegen ein caritatives Wohnheim, deren Bewohner mit teils unüblichen Verhaltensweisen zumindest einen Nachbarn erzürnten;
    • eine Klage gegen ein Veranstaltungszentrum der Gemeinde, die das Gelände auch für private Feiern vermietete und der Lärm zu viel wurde;
    • eine Klage gegen eine Abfallsammelstelle der Gemeinde, bei der die Benützung zu jeder Zeit möglich war und das zumindest eine Nachbarin erzürnte;
    • und dergleichen mehr …

    Ein Fall der mir besonders gut in Erinnerung blieb, war jener – bei dem ein Besucher einer großen Sportveranstaltung, mit einem gasbetriebenen Signalhorn ein möglicher Gehörschaden zugeführt wurde. In der Folge erhielt ich den gerichtlichen Auftrag zu prüfen, welche Schalldruckpegel von solchen Signalhörnern überhaupt ausgehen bzw. ob es möglich ist, dass die „Gaströte“ in einer Entfernung von 25 cm bis 50 cm vom Ohr einen Schalldruckpegel größer 160 dB erreichen kann. Die technische Bestimmung war notwendig, damit der medizinische Sachverständige darauf aufbauend den Schaden am Ohr des Menschen beurteilen konnte.

    Für diese Prüfung wurden sogleich mehrere verschiedene –  der „Täterbeschreibung“ entsprechende – Signalhörner angeschafft und in einem siedlungsfernen abgesperrten Areal damit Schallmessungen vorgenommen. Wie allgemein üblich waren die Rechtsvertretungen der Parteien (d.h. die Anwälte und Anwältinnen), aber auch der Betroffene (der Kläger) zur Messung anwesend. Die Herren mussten auf meine Anweisung hin Gehörschutz tragen. Es war schon absehbar, dass die Versuche an den Hupen mit viel Lärm verbunden waren.

    Anbei eine Fotodokumentation (Auszug) der zum Versuch herangezogenen Signalhörner:

    Hupe 01

    Anbei ein Pegelschrieb zu einer Messung im Abstand von 170 cm zur Hupe mit Pegelwerten von Lpeak ≤ 138 dB = LC,Peak ≤ 135 dB bzw. LA,max ≤ 119 dB:

    Hupe 02a

    Die drei unterschiedlichen Parameter beschreiben dasselbe Signal/Ereignis. Die Unterschiede beruhen aber darauf, dass Schall/Lärm dem Hörvermögen des Menschen folgend frequenzmäßig zu bewerten ist und andererseits die Fachwelt auch unterschiedliche Zeitbewertungen (z.B. der LA,max wird auf eine Zeitkonstante von 125 Millisekunden bezogen ausgewertet) kennt. Im gegenständlichen Fall ist der wesentliche Unterschied zwischen den Parametern auf eine Frequenzbewertung (C-Filter und A-Filter) zurückzuführen.

    Das Ergebnis der Analysen zeigte dann auf, dass am Bespiel der fünf Gasdruckfanfaren messtechnisch und weiter rechentechnisch abgeleitet wurde, dass selbst im Abstand von 25 cm zur Quelle und natürlich auch in größerer Entfernung keine Einwirkung von Schalldruckpegeln größer Lpeak = 155 dB festzustellen war und das Schalldruckspitzenniveau regulär binnen der ersten Sekunde (d.h. zum Anfang der Auslösung) vorlag, dann nach einem Plateau von rd. 10 sec. schnell eine Abnahme des Schalldrucks folgte.

    Andreas Doppler, 09.01.2018
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  • Admin um 14:18 am 7. January 2018 Permalink  

    Raumakustik im Cafe Meier 

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  • Admin um 18:30 am 1. January 2018 Permalink | antworten  

    Feuerwerke zu Silvester in einer Wohnsiedlung 

    Unsere besten Glückwünsche für Ihr 2018; Wir hoffen, dass Sie gut im neuen Jahr angekommen sind!

    Was für die Einzelnen ein riesen Spaß ist (und ich muss eingestehen – war in jüngeren Jahren ebenfalls der Knallerei zugetan), bringt Anderen zum Teil Sorgen. So ist für z.B. empfindliche Personen, jene die sich dem „Vergnügen“ nicht entziehen können (z.B. Personen in Altenheimen und Krankenhäusern etc.) und für zahlreiche Haustiere das Abschießen von Raketen und insbesondere das Abfeuern von Knallkörpern bekanntermaßen ein großes Leid. Und was wäre ich für ein Immissionstechniker, wenn ich dazu nicht etwas Fachliches beizutragen hätte, smile.

    Als Musterbeispiel darf ich Ihnen Messergebnisse zeigen und kommentieren, die ich zur gestrigen Nacht in meiner Umgebung aufgenommen habe.

    Foto links: Messposition am Balkon, Foto rechts: verkehrsberuhigter Innenhof der Wohnsiedlung „Lange Allee“ in Linz

    Silvester MP

    Messung zum MP-01 (Balkonmessung in rd. 30 bis 40 m zu den Sprengstellen), Auswertung für die Zeit von 23:50 – 00:10 Uhr des 31.12.2017/01.01.2018:

    Silvester Erg1

    Messung zum MP-02 (Schlafzimmermessung bei geschlossenem Fenster), Auswertung für die Zeit von 23:50 – 00:10 Uhr des 31.12.2017/01.01.2018:

    Silvester Erg2

    Wie man dem ersten Pegelschrieb entnehmen kann, liegen am Balkon – in einer Entfernung von mehr als 30 m – durch das Feuerwerken in der intensiven Zeit vor/nach Mitternacht Spitzenpegel von LC,peak ≤ 140 dB (entspricht dem – auf 125 Millisekunden gemittelten Wert von LA,F,max = 115 dB) vor. Und selbst im Schlafrauminneren (bei geschlossen gehaltenen Fenstern und heruntergelassenen Rollläden) waren noch Spitzenpegel von LC,Peak ≤ 106 dB (entspricht dem – auf 125 Millisekunden gemittelten Wert von LA,F,max = 79 dB) zu dokumentieren!

    Die Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation legen beispielweise nahe, Kindern keinen Spitzenpegeln größer Lpeak = 120 dB auszusetzen! Und Erwachsene sollten sich keinen Spitzenpegeln größer Lpeak = 140 dB aussetzen. Ein im Arbeitnehmerinnen-Schutz geltendes Gesetz (Verordnung Lärm und Vibrationen – VOLV) legt fest, dass Arbeitnehmerinnen ab einer Spitzenpegeleinwirkung von LC,peak > 137 dB unbedingt Gehörschutz zu tragen haben.

    Dementsprechend ist bereits ein Aufenthalt innerhalb von 30 m zur Sprengstelle bereits als Gesundheitsgefahr für Erwachsene zu werten! Kinder dürften sich auch in größerem Abstand von der Sprengstelle nicht aufhalten und sollten dem Feuerwerk bevorzugt aus dem Rauminneren beiwohnen. So genügt bereits eine einmalige hohe Belastung um einen Schaden am Gehör auszulösen! Manchmal ist ein Gehörsturz oder Vergleichbares sofort bemerkbar, andere Schäden wirken schleichend und sind erst später – teils erst im fortgeschrittenen Alter – am teilweisen bis gänzlichen Gehörverlust  (die Dosis macht das Gift) schuld.

    Verbot privater Feuerwerke gilt auch zu Silvester

    Gemeinden wie z.B. die Stadt Linz wiesen in der Vergangenheit schon mehrmals darauf hin, dass das Abfeuern von Feuerwerkskörpern der Kategorie 2 bis 4 im Ortsgebiet grundsätzlich verboten ist. Die Regelung gilt natürlich auch zum Jahreswechsel. Nicht einmal Feuerwerkskörper der Kategorie 2 – dazu zählen Mini-Raketen, Vulkanfontänen, Sprungräder, Knallfrösche, Blitzknallkörper, Doppelschläge und Pyrodrifter – dürfen im Linzer Stadtgebiet gezündet werden. Gesetzeskonform sind ausschließlich pyrotechnische Gegenstände der Kategorie 1, wie etwa Partyknaller, Tischfeuerwerke, Wunderkerzen und ähnliches mehr. Wer sich nicht an die gesetzlichen Bestimmungen hält, muss mit Strafen bis zu 3.600 Euro rechnen.

    Andreas Doppler, 01.01.2018
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  • Admin um 8:57 am 17. November 2017 Permalink | antworten  

    Wärmepumpe: der Verdampfer in Nachbars Garten 

    Wurde bisher im städtischen Siedlungsbau die heizungstechnische Infrastruktur im Wesentlichen von Gas- und Fernwärmeversorgungen geprägt, vollzieht sich augenblicklich ein Wandel. Durch die modernen Alternativen wie Solaranlagen, kleine Blockkraftheizwerke, Wärmepumpen etc. beginnen immer mehr Wohnbauträger und Haubesitzer auf eine autonome Klimatisierung und Heizungsversorgung umzustellen. Aus umwelttechnischer Sicht hat dies aber auch eine Vermehrung von möglichen Schallquellen und – im Falle von Solaranlagen z.B. Blendlichtquellen – zur Folge.

    Im eng begrenzen Siedlungsraum mit zumeist weniger als 10 m Abstand zum benachbarten Schlafraumfenster – stellt uns dies vor neue Herausforderungen in Bezug auf die Planung und Auslegung dieser Anlagen. So wird neben der anlageneigenen Effizienz (Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit etc.) auch der Immissionsschutz bei den meisten der neuen Anlagen relevant.

    WPA01

    Die in der österreichischen Schalltechnik übliche Bewertungsmethode leitet sich primär von der ÖAL Richtlinie Nr. 3-1 (derzeit Stand von 2008) ab. Grob vereinfacht erklärt, soll ein fremdes Anlagengeräusch in der Nachbarschaft (d.h. bereits an der Grundgrenze des Nachbarn bzw. letztens an dessen Schlafraumöffnung) nicht unzulässig hoch in Erscheinung treten. Unzulässig wäre in der Regel eine „unzumutbare Belästigung“ und selbstverständlich darf keine „Gesundheitsgefährdung“ von der Anlage ausgehen. Die von den WPA-Verdampfern typischerweise ausgehenden Dauergeräusche (anhaltender Laufbetrieb) sollten bevorzugt nicht höher als das ortsübliche „Hintergrundgeräusch“ (technisch definiert durch den sogenannten Basispegel) zu liegen kommen.

    Alternativ kann man auch vom ortsüblichen Gesamtgeräusch/Umweltlärm (gesamte Einwirkung von allen ortsüblichen Schallquellen) ausgehen und sollte die anlageneigenen Dauergeräusche um wenigstens 5 dB (zumeist 10 dB) niedriger anlegen, damit diese unter dem Gesamtgeräusch/Umweltlärm „abtauchen“ und weniger stark in Erscheinung treten.

    Um einem häufigen Irrtum entgegenzutreten: die neuen technischen Anlagen müssen nicht „unhörbar“ gemacht werden. Es besteht kein Recht, dass eine bestehende leise Umgebungsgeräuschlage nicht durch neue Bauten/Anlagen verändert werden darf. Sie verstehen: sonst würde sich zu leicht bei jeder Entwicklung ein Gegner finden lassen. Dem muss das Recht/die Behörde auch gegenhalten können. Und die „Grenzwerte“ gelten zudem für den „durchschnittlich hörenden Erwachsenen und das durchschnittlich hörende Kind“. Besondere Sensibilitäten werden behördenseitig oder vor Gericht selten gewertet.

    Andererseits kann sich beim Einwirken von mehreren neuen Anlagen (z.B. verschiedener Eigentümer) die Notwendigkeit ergeben, dass sich alle diese neuen Anlagen einen Grenz-/Zielwert teilen müssen und sich jede einzelne Anlage akustisch zurücknehmen muss, damit in Summe die örtliche Situation zumutbar bleibt.

    Sinnbild für die schalltechnische Zielvorgabe: Das Anlagengeräusch sollte bestenfalls nah dem Basispegel liegen, jedenfalls aber ausreichend weit unter dem Gesamtgeräusch/Umweltlärm.

    WPA02

    Leider finden sich auch Anlagen, bei denen diese Vorgehensweise übersehen wurde. Im nachstehenden Beispiel wurde im Abstand von ca. 12 m von der bestehenden Verdampferanlage ein Dauergeräusch von LA,eq ~ 48 dB zur Nachtzeit (zwischen 02:00 – 03:00 Uhr lt. Pegelschrieb) erhoben. Die ortsübliche Basispegellage liegt am betreffenden Grundstück (nahe der Westbahn-Eisenbahnstrecke und der B 1 Landesstraße) gut 16 dB niedriger.

    WPA03

    Ich denke Sie verstehen wie unangenehm es werden kann, wenn um 02:00 – 03:00 Uhr in der Früh plötzlich ein Dröhnen/Brummen der Nachbaranlage für Wirbel sorgt.

    Andreas Doppler, 17.11.2017
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  • Admin um 20:29 am 11. November 2017 Permalink | antworten  

    Das Hörvermögen von Vögeln 

    Das Mittelohr hat bei Amphibien, Reptilien und Vögeln eine ähnliche Verstärkerfunktion wie bei den Säugern, obwohl diese Tierarten nur zwei Gehörknöchelchen besitzen.

    Nachfolgend beispielhafte Audiogramme zum Hörschwellenverlauf von Vögeln:

    Hörvermögen Voegel

    Analyse des Diagramms:

    So liegt die akustische Wahrnehmung der tagesaktiven Vogelarten tendenziell innerhalb der Wahrnehmungsgrenzen des Menschen. Augenscheinlich sind keine besonderen Wahrnehmungen in tieferen oder höheren Frequenzbereichen gegeben. Die Wahrnehmung von Frequenzen zwischen 1.000 und 6.000 Hz ist am stärksten ausgeprägt. Bei den nachtaktiven Eulen ist eine gänzlich andere Wahrnehmung gegeben. Das Hörvermögen dieser Tiere gleicht dem von Katzen mit der Wahrnehmung eines rund 100-fach geringeren Schalldrucks (im Vergleich zur Normkurve) im Frequenzbereich von 4.000 bis 6.000 Hz. Es fällt aber auf, dass die Vögel keine Präferenz im Bereich des Ultraschalls (d.h. Frequenzen über 20.000 Hz) aufweisen.

    Andreas Doppler, 11.11.2017
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  • Admin um 20:24 am 11. November 2017 Permalink | antworten  

    Das Hörvermögen von Hunden und Katzen 

    Bei den meisten Säugetieren wird der Luftschall von der Ohrmuschel aufgefangen und durch den äußeren Gehörgang zum Trommelfell geleitet, das von den Schallwellen in Schwingungen versetzt wird. Durch das Trommelfell wird die Paukenhöhle in der die gelenkig verbundenen Gehörknöchelchen liegen, nach außen abgeschlossen. Das Mittelohr funktioniert als Schalldruckverstärkersystem mit drei verschiedenen Komponenten:

    1. Bildung eines Hebelarmes durch unsymmetrische Anheftung des Hammers an das Trommelfell
    2. unterschiedliche Hebelarmlänge der Gehörknöchelchen (der Hebelarm des Hammers ist immer größer als der des Amboss)
    3. unterschiedliches Oberflächenverhältnis zwischen Trommelfell und Steigbügelplatte (das Trommelfell ist immer größer als die Steigbügelplatte). Das Verhältnis Fell zu Platte beträgt beim Menschen 15:1 und ist bei anderen Säugern häufig größer: Hund 27:1, Ratte 34:1. Auch bei Vögeln korreliert dieser Quotient mit der Empfindlichkeit des auditorischen Systems und beträgt beispielsweise beim Haubentaucher nur 18:1, bei der Waldohreule jedoch 40:1).

    Durch reflektorische Kontraktion der Muskeln des Mittelohres wird oft  eine größere Steifheit der Übertragungskette erreicht und damit der Durchlass für tiefere Frequenzen gedämpft. Das Mittelohr hat bei Amphibien, Reptilien und Vögeln eine ähnliche Verstärkerfunktion wie bei den Säugern, obwohl diese Tierarten nur zwei Gehörknöchelchen besitzen (Quelle: Physiologie der Haustiere; Wolfgang von Engelhardt, Gerhard Breves, Frank Ahrens; 2005).

    Nachfolgend beispielhafte Audiogramme zum Hörschwellenverlauf von domestizierten Hunderassen (links) und Katzen (rechts):Hörvermögen Hunde+Katzen2

    Analyse des linken Diagramms (Hunde):

    Dargestellt werden sechs Audiogramme zum Hörschwellenverlauf von domestizierten Hunderassen. Die große Ähnlichkeit der zwei empfindlichsten Hörschwellenkurven (vgl. „Hund 1“ und „Pudel“) lässt annehmen, dass es sich bei beiden Audiogrammen um dieselbe Hunderasse und vielleicht auch um dieselbe Messung handelt.

    Die niedrigste Hörschwelle liegt bei den Probanden im Bereich von 8.000 Hz, wobei das Leistungsvermögen des Gehörs (vgl. 0 dB auf der Ordinate) vergleichbar dem des Menschen liegt. Die Rasse der Pudel hebt sich im Diagramm mit einer umfangreicheren „unteren Hörschwelle“ im Frequenzbereich zwischen 4.000 bis 8.000 Hz hervor.

    Tendenziell liegt die akustische Wahrnehmung aller Probanden im Frequenzbereich von < 4.000 Hz niedriger als beim Menschen. Im Frequenzbereich zwischen 4.000 und 8.000 Hz ähnelt die Wahrnehmungsgrenze dem des Menschen. Bei höheren Frequenzen zwischen 10.000 und 20.000 Hz liegt das Hörvermögen der Hunde deutlich (zwischen 15 und 45 dB) über dem des Menschen, wobei die Wahrnehmung im Ultraschallbereich bis etwa 50.000 Hz hoch leistungsfähig bleibt. Die A-Bewertungskurve vermag im Bereich zwischen 4.000 und 20.000 Hz das Hörvermögen der Hunde mit 2 bis 8 dB, d.h. durchschnittlich mit 5 dB Unterschreitung abzubilden. Im Bereich unter 4.000 Hz liegt die A-Bewertung deutlich höher.

    Analyse des rechten Diagramms (Katzen):

    Tendenziell liegt die akustische Wahrnehmung der Probanden im Frequenzbereich unter 500 Hz vergleichbar dem des Menschen. Die niedrigste Hörschwelle liegt im Bereich zwischen 2.000 und 8.000 Hz vor, wobei das Leistungsvermögen des Katzengehörs (vgl. Differenz von – 20 dB zur A-Bewertungskurve) bedeutend über dem des Menschen liegt. Eine Differenz von 20 dB bedeutet, dass die Tiere im eingeschränkten Frequenzbereich einen rund 100-fach geringeren Schalldruck wahrnehmen können. Die Pegeldifferenz von +/- 20 dB entspricht beim Menschen in etwa einer Vervierfachung bzw. einer Viertelung der empfundenen Lautheit.

    Auffällig ist im Großen und Ganzen, dass das Hörvermögen von Katzen im Bereich ab 10.000 bis 80.000 Hz dem Hörvermögen der Beutetiere (Mäuse und Ratten) ähnelt. Das Gehör der Katzen ist über den großen Frequenzbereich enorm leistungsfähig; übersteigt beispielsweise im Bereich zwischen 500 und 40.000 Hz den Referenzpegel von 0 dB der Bewertung „A“ um bis zu rund 20 dB.

    Andreas Doppler, 11.11.2017
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  • Admin um 9:03 am 3. November 2017 Permalink | antworten  

    Arbeitsplatzmessungen nach VOLV (z.B. Büros) 

    Grundsätzlich sind aus schalltechnischer bzw. lärmmedizinischer Sicht die Belastungen während einem typischen/üblichen Arbeitstag für die Bewertung entscheidend. So sind die geltenden Gesetze und Richtlinien zum Schutz von Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen in der Regel darauf ausgerichtet, den sogenannten „Lärmexpositionspegel“ über die 8 Stunden eines Arbeitstages oder alternativ über die 40 Stunden einer Arbeitswoche – als auch die dabei auftretenden Spitzenpegelereignisse und Vibrationen (Schwingungen) mit Grenzwerten zu begrenzen.

    Der „Klassiker“ in dieser Hinsicht ist die in Österreich geltende Verordnung Lärm und Vibrationen – VOLV (BGBl. Nr. 22|2006 i.d.g.F. = Bundesgesetz) mit Grenzwerten für werktätige Bereiche wie „Werkstätten, Maschinenhallen, Produktionsbereiche etc.“, die typischerweise hohe Schallbelastungen erwarten lassen. Allerdings finden sich in der Verordnung Lärm und Vibrationen – VOLV auch nachstehende Vorgaben für weniger belastete Bereiche wie folgt:

    § 4   Auslösewerte

    Die Exposition der Arbeitnehmer/innen sollte, soweit dies nach dem Stand der Technik möglich ist, keinen der folgenden Auslösewerte überschreiten. Wenn die Exposition der Arbeitnehmer/innen einen der folgenden Auslösewerte für Vibrationen überschreitet, sind § 8 Abs. 1 und § 9 Abs. 3 anzuwenden. Wenn die Exposition der Arbeitnehmer/innen einen der folgenden Auslösewerte für Lärm überschreitet, sind §§ 8 Abs. 1 und 14 Abs. 1 anzuwenden. Die individuelle Wirkung von persönlicher Schutzausrüstung ist hierbei nicht zu berücksichtigen. Die Auslösewerte betragen:

    1. Für Hand-Arm-Vibrationen: ahw,8h = 2,5 m/s2;
    2. Für Ganzkörper-Vibrationen: aw,8h = 0,5 m/s2;

    § 5   Grenzwerte für bestimmte Räume

    (1) Bei Ganzkörper-Vibrationen in Räumen nach Z 1 bis 3 ist die Exposition so niedrig wie möglich zu halten und darf maximal den Auslösewert erreichen. Bei Lärm in Räumen nach Z 1 bis 3 dürfen die folgenden Beurteilungspegel nicht überschritten werden, wobei die von außen einwirkenden Geräusche, wie Lärm aus anderen Räumen, Nachbarschaftslärm, Verkehrslärm, Fluglärm, Lärm von einer Baustelle, in die Bewertung einzubeziehen sind:

    1. LA,r = 50 dB in Räumen, in denen überwiegend geistige Tätigkeiten ausgeführt werden;
    2. LA,r = 65 dB in Räumen, in denen einfache Bürotätigkeiten oder vergleichbare Tätigkeiten ausgeführt werden;
    3. LA,r = 50 dB ortsbezogen, in Aufenthalts- und Bereitschaftsräumen, Sanitätsräumen und Wohnräumen,

    wobei Geräusche, die durch Personen im Raum verursacht werden, nicht einzubeziehen sind.

    (2) Zur Einhaltung der Grenzwerte nach Abs. 1 Z 1 bis 3 darf Gehörschutz nicht herangezogen werden.

    Andreas Doppler, 03.11.2017
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  • Admin um 8:52 am 3. November 2017 Permalink | antworten  

    Arbeitsplatzmessungen nach VOLV (z.B. Werkstätten, Baustellen) 

    Grundsätzlich sind aus schalltechnischer bzw. lärmmedizinischer Sicht die Belastungen während einem typischen/üblichen Arbeitstag für die Bewertung entscheidend. So sind die geltenden Gesetze und Richtlinien zum Schutz von Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen in der Regel darauf ausgerichtet, den sogenannten „Lärmexpositionspegel“ über die 8 Stunden eines Arbeitstages oder alternativ über die 40 Stunden einer Arbeitswoche – als auch die dabei auftretenden Spitzenpegelereignisse und Vibrationen (Schwingungen) mit Grenzwerten zu begrenzen.

    Der „Klassiker“ in dieser Hinsicht ist die in Österreich geltende Verordnung Lärm und Vibrationen – VOLV (BGBl. Nr. 22|2006 i.d.g.F. = Bundesgesetz). Auszug aus dem BGBl. Nr. 22|2006 i.d.g.F.:

    § 3  Expositionsgrenzwert

    (1) Die nachstehenden Expositionsgrenzwerte dürfen nicht überschritten werden:

    1. Für Hand-Arm-Vibrationen: ahw,8h = 5 m/s2;
    2. Für Ganzkörper-Vibrationen: aw,8h = 1,15 m/s2;
    3. Für gehörgefährdenden Lärm: LA,EX,8h = 85 dB bzw. ppeak = 140 Pa (entspricht: LC,peak = 137 dB);
    4. Für jugendliche Arbeitnehmer/innen gelten die in § 4 Abs. 1 Z 1 und 2 angeführten Auslösewerte für Vibrationen als Expositionsgrenzwerte.

    (2) Abweichend von Abs. 1 kann bei Lärmexpositionen, die von einem Arbeitstag zum anderen erheblich schwanken, als Beurteilungszeitraum für den Auslösewert (§ 4 Abs. 1 Z 3), und den Expositionsgrenzwert (§ 3 Abs. 1 Z 3) anstatt des Tages (8 h) eine Woche (40 h) herangezogen werden, sofern 1. durch eine geeignete Bewertung oder Messung im Sinne des § 6 nachgewiesen wird, dass der Wochen-Lärmexpositionspegel (LA,Ex,40h) den Expositionsgrenzwert nicht überschreitet, und 2. geeignete Maßnahmen getroffen werden, um die mit diesen Tätigkeiten verbundenen Risiken auf ein Mindestmaß zu verringern.

    (3) Wenn die Expositionsgrenzwerte überschritten werden, müssen die Arbeitgeber/innen

    1. unverzüglich Maßnahmen ergreifen, um die Exposition auf einen Wert unterhalb des Expositionsgrenzwertes zu senken,
    2. ermitteln, warum der Expositionsgrenzwert überschritten wurde und
    3. die Schutz- und Vorbeugemaßnahmen entsprechend anpassen, um ein erneutes Überschreiten des Grenzwertes zu verhindern.

    § 4  Auslösewerte

    Die Exposition der Arbeitnehmer/innen sollte, soweit dies nach dem Stand der Technik möglich ist, keinen der folgenden Auslösewerte überschreiten. Wenn die Exposition der Arbeitnehmer/innen einen der folgenden Auslösewerte für Vibrationen überschreitet, sind § 8 Abs. 1 und § 9 Abs. 3 anzuwenden. Wenn die Exposition der Arbeitnehmer/innen einen der folgenden Auslösewerte für Lärm überschreitet, sind §§ 8 Abs. 1 und 14 Abs. 1 anzuwenden. Die individuelle Wirkung von persönlicher Schutzausrüstung ist hierbei nicht zu berücksichtigen. Die Auslösewerte betragen:

    1. Für Hand-Arm-Vibrationen: ahw,8h = 2,5 m/s2;
    2. Für Ganzkörper-Vibrationen: aw,8h = 0,5 m/s2;
    3. Für gehörgefährdenden Lärm: LA,EX,8h = 80 dB bzw. ppeak = 112 Pa (entspricht: LC,peak = 135 dB).

    Praxisbeispiel „Arbeiten im Bereich von Baumaschinen und Arbeiten in Werkstätten“:

    Auf Aufforderung des Arbeitsinspektorates wurden in einer Bau- und Abfallaufbereitungsfirma arbeitsplatzbezogene Lärm­-Messungen nach § 7 Abs. 1 VOLV durchgeführt. Nachstehend werden die im Betrieb festgestellten Expositionspegel und Spitzenpegel zu den lärm­ex­pon­ierten Arbeitsplätzen zusammengefasst.

    Tab. 1:      Übersicht der arbeitsplatzbezogenen Expositionspegel und Spitzenpegel

    Benennung Expositionspegel LA,ex,8h [dB] hohe Spitzenpegel LC,peak [dB]
    Werkstätten 90 – 94 103 – 135
    Schlosserei 96 – 97 117 – 135
    Aufbereitungshalle 92 118 – 125
    Lader-/Staplerfahrer 69 – 77 118 – 125

    Baufirma01

    Erforderliche Maßnahmen

    Sind Expositionspegel von > 80 dB (Auslösewert) bzw. > 85 dB (Expositions­grenzwert) und Spitzenpegel von > 135 dB (Auslösewert) bzw. > 137 dB (Expositions­grenzwert) gegeben, sind die Regelungen des BGBl. Nr. 22|2006 „Verordnung Lärm und Vibrationen – VOLV“ – wie u.a. nachstehend angeführt zu beachten.

    1. Bei den festgestellten hallenseitigen Expositionen wird zum einen der Auslösewert von 80 dB nach VOLV überschritten, welches eine Information- und Unterweisungspflicht der ArbeitnehmerInnen nach §§ 12 und 14 ASchG auslöst. Es wird auf die Ausführungen der VOLV unter § 8 verwiesen.
    2. Bei den festgestellten hallenseitigen Expositionen wird der Expositionsgrenzwert von 85 dB nach VOLV über­schritten, welches eine Verfügbarkeit von persönlichen Schutzausrüstungen für die Arbeit­nehmer­Innen und eine Kennzeichung der Lärmzonen voraussetzt. Es wird auf die Ausführungen der VOLV unter § 14 verwiesen.

    Baufirma02

    Andreas Doppler, 03.11.2017
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  • Admin um 12:37 am 27. October 2017 Permalink | antworten  

    Geschwindigkeiten im Kreisverkehr 

    Kreisverkehre ersetzen vermehrt ampelgesteuerte Kreuzungen. Fahrdynamisch reduzieren sich dabei die häufigen Beschleunigungen (Ampelstarts) und Bremsmanöver. Dies ist aus schalltechnischer Sicht zu begrüßen, weil es für die Nachbarn akustisch und subjektiv von Vorteil (angenehmere Geräuschkulisse) ist und durch die Wahl von ausreichend großen Kreisradien wird eher vermieden, dass es zu lästigem Kurvenquietschen bei den Kfz-Reifen kommt. Allerdings wissen wir natürlich, dass KraftfahrerInnen mit provozierter Fahrweise immer wieder negativ auffallen.

    Nichtsdestotrotz wird in der Regel in Kreisverkehren mit einer geringeren Geschwindigkeit gefahren, als dies vergleichsweise eine gerade Strecke bei z.B. grüner Ampelphase erlaubt. Auf die Frage, wie weit sich die durchschnittliche Fahrtgeschwindigkeit senkt, haben wir Geschwindigkeitsmessungen an zwei gewählten Beispielen im Ortsgebiet von Bad Hofgastein und im Ortsgebiet von Salzburg durchgeführt. So liegt bei beiden Kreisverkehren im Durchschnitt über alle gezählten Fahrzeuge (Pkw und Lkw etc.) die Geschwindigkeit im Kreisverkehr unter 30 km/h, anstatt den üblichen 50 km/h auf gerader Strecke.

    In Bezug auf die Emissionsschallpegel des Verkehrs (Ableitung nach RVS 04.02.11) entspricht die Geschwindigkeitsreduktion einem Rückgang der Schallemission um ca. 4 – 5 dB(A). Berücksichtigt man, dass oftmals im Kreisverkehr eine Betonfahrbahn aufgelegt wird (diese ist belastbarer als die üblichen Asphaltbetondecken, jedoch auch im Abrollgeräusch lauter) verbleibt immer noch ein Vorteil bzw. eine Minderung um ca. 3 – 4 dB(A).

    Tab. 7:     Zusammenfassung der Verkehrserhebungen an den bestehenden Kreisverkehren

    Verkehrsknoten Zählung vom Kfz im Zählzeitraum Geschwindigkeiten [km/h]
    Ø V85 Vmax
    Viertelanschlussstelle Hagenau 27.09.2017 453 Kfz 27 31 41
    Kreisverkehr B 167 Bad Hofgastein 26.09.2017 2.614 Kfz 17 23 43

    Kreisverkehre01

    Andreas Doppler, 27.10.2017
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  • Admin um 21:08 am 26. October 2017 Permalink | antworten  

    Störgeräusche einer Heizungsanlage 

    Anlässlich einer Anfrage wurde ich ersucht, einem Brummton nachzugehen, der ausgehend vom Kellerraum – über das Erdgeschoss wirkend – in die Wohnräume des Obergeschosses übertragen wurde. Die maßgebliche Schallquelle in diesem Fall war die im Kellerraum installierte Steuereinheit einer Wärmepumpe (WPA) mit innenliegendem Kompressor. Die Front und die Seitenbleche des Gerätegehäuses sind innenseitig mit einer isolierenden Schaumstoffmatte verkleidet. Die Rückseite weist eine dünnere Deckplatte auf. In der Absicht die Vibrationen der Anlage einzudämmen, wurde unter dem Gehäuse zuerst eine Gummimatte, später eine weichere Schaumstoffmatte gestellt. Die Anschlussleitung (Medienleitung) wurde mit handelsüblichen Metallschellen direkt an das Betonmauerwerk des Kellers angeschlossen.

    Fotodokumentation:  WPA-Gehäuse mit Unterlegsmatte (links), WPA und Pufferspeicher (mittig) und Medienleitungsmontage (rechts)

    WPA Aufstellung

    Das Problem der Bewohner stellt sich wie folgt dar: Die im Gerätekeller von dieser Anlage ausgehenden tiefen Frequenzen zeigen eine starke Ausprägung bei 50 Hz und 100 Hz. Das ganze Anlagengeräusch – aber insbesondere die tiefen Frequenzanteile werden ausgehend vom Anlagengehäuse durch die „Körperschallübertragung“ durch den Boden und die Befestigungsschellen wie auch durch die „Luftschallübertragung“ über den Spalt zwischen Gehäuse und Betonwand auf die Gebäudeteile übertragen.

    Die Übertragung reicht so weit, dass über zwei Geschosse und auf die gegenüberliegende Gebäudeseite reichend – im das Schlafzimmer der Eltern und im Kinderzimmer noch maßgebliche Schallanteile im Raum hervortreten. Der resultierende Schallpegel von letztlich rd. 22 dB(A) im Raum entspricht auch den facheinschlägigen Grenzwerten und wäre demnach zulässig bzw. akzeptabel. Wenn nicht wäre, dass sich das Anlagengeräusch (über die schwingenden Wände und Decken wieder in die Raumluft abgegeben) in konzentrierter Weise mit rd. 200 Hz im Elternschlafzimmer und mit rd. 400 Hz im Kinderzimmer bemerkbar machen würde!

    Solche „schmalbandigen Geräuschanteile“ bzw. „tonale Geräuschanteile“ können vom menschlichen Gehör besonders gut aus einem allgemeinen Hintergrundgeräusch „heraussortiert“ werden. Aufgrund der geringen Pegellage ist das Geräusch nur zu allgemein ruhigen Zeiten – d.h. insbesondere zur Nachtzeit – wahrnehmbar. Aber offen gesagt, das anhaltende Surren/Pfeiffen nervt einfach.

    Die nachstehenden Grafiken bilden die zum Betrieb der Anlage zugehörigen Geräuschspektren ab. Ein Geräuschspektrum ist vereinfacht ausgedrückt eine Aufsplittung des Gesamtgeräusches in seine einzelnen Bestandteile, wobei man sich auf die Frequenzen des vom Menschen hörbaren Bereiches zwischen 20 Hz und 20.000 Hz beschränkt. Die weißen Balken im Diagramm bilden die ungefilterten Messpegel ab, wobei die blauen Balken bereits eine Umrechnung auf das menschliche Hörvermögen (den sogenannten A-Filter) beinhalten und daher für die Beurteilung heranzuziehen sind.

    WPA Kellerraum

    WPA Wohnraum

    Im Versuch das Problem zu beheben wurde vom Anlagenlieferanten die Unterlegmatte getauscht und der Kompressor mit einer Schutzhülle weiter gedämmt. Der Austausch der flächigen Gummimatte gegen spezielle elastischere Streifenmatten konnte die Vibration am Gerät merklich mindern. Die Dämmung des Kompressors hat ebenfalls eine leichte Minderung (Absenkung des Geräusches um 2 – 3 dB) ermöglicht. Allerdings sind die Verbesserungen in Bezug auf das „Tonphänomen“ akustisch kaum wirksam geworden, die tiefen Frequenzen im Keller und das Surren in den Schlafräumen blieben aufrecht.

    Interessanterweise führte ein Entfernen einer Seitenwand zu einer Minderung des Brummtones. Dies weist darauf hin, dass der Brummton mit einer Resonanz im Gehäuseinneren in Verbindung steht. Meinem Ersuchen den Hohlraum im Gehäuseinneren mit einer Einlage zu reduzieren, die Luftschallübertragung über den rückwärtigen Spalt mit der kostengünstigen Dämmmatte zu unterbinden und die einfachen Montageschellen gegen isolierte (vibrationsarme) Montagen auszutauschen wurde leider nicht gefolgt. So war die Stimmung zwischen dem verärgerten Hausbesitzer und dem Anlagenlieferanten bereits am Tiefpunkt und die Bereitschaft zur weiteren Analyse und Verbesserung angeschlagen.

    Warum sich die tiefen Anlagenfrequenzen u.a. so gut über die Baukonstruktion verteilten ist mit nachfolgenden Schaubildern erklärbar.

    So zeigen Baumaterialien (besonders schwere Bauteile mal ausgenommen) eine Tendenz die Frequenzen im mittleren und höheren Bereich gut abzuhalten, sprich – zu dämmen. Im Gegensatz hierzu haben jedoch tiefe Frequenzen die Möglichkeit den geringeren Materialwiderstand zu überwinden und mehr Schallenergie/Schwingungsenergie an das Bauwerk weiterzugeben. Und liegt einmal eine maßgebliche Anregung des Bauwerkes vor, tut sich der Schall leicht sich über die nicht immer ausreichend mit trennenden/isolierenden Fugen ausgestatteten Bauwerksteile auszubreiten. Manchmal liegen auch spürbare Vibrationen vor – vielfach reicht es aber schon, wenn die – von den Schwingungen angeregten Wände und Decken als „Lautsprecher“ ihrerseits die Schallenergie wieder an die Raumluft abgeben.

    Bauschalldämmung01

    So wird allzu oft ein schwer zu behebender Zustand erreicht, wenn haustechnische Anlagen im hohen Maß tiefe Frequenzen abstrahlen. Hier wäre der Vermeidung von Brummtönen der Vorzug zu geben, da spätere Maßnahmen zur Dämmung und Schwingungsreduzierung zumeist recht aufwendig und damit auch teuer werden.

    Andreas Doppler, 26.10.2017
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  • Admin um 13:59 am 15. October 2017 Permalink | antworten  

    Lichtimmissionen über Maß (Update) 

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    wie ich Ihnen im April (siehe Blog-Eintrag vom 15. April 2017) schrieb, bin ich zwei besonders auffälligen Beispielen für die „übermäßige Lichtwerbung“ im Straßen- und Nachbarschaftsbereich begegnet. Nun habe ich gestern Gelegenheit gehabt mir die Situation vor Ort nochmals anzusehen. So wurden die von mir angemerkten Anlagen zwischenzeitig auf etwa die halbe Leuchtdichte (= Helligkeitseindruck für das menschliche Auge) reduziert. Das ist schon eine deutliche Verbesserung zu vorher!

    Andreas Doppler, 15.10.2017
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  • Admin um 17:11 am 11. October 2017 Permalink | antworten  

    Wirkung von Schallschutzhauben 

    Im Auftrag der CeOPe Energietechnik GmbH wurden betreffend der akustischen Wirkung des Schallschutzsystems vom Typ Silent S1 Schallmessungen nach ÖNORM S 5004 durchgeführt und in Anlehnung an das Verfahren nach ÖNORM EN ISO 3746 (Hüllflächenverfahren der Genauigkeitsklasse 3) Schallleistungen und die maßnahmenbedingten Minderungen abgeleitet.

    So zeigte sich am Betrieb eines Split‐Klimagerätes der Firma FUJITSU, dass das System der Schallschutzhaube Silent S1 eine Pegelminderung des Betriebsgeräusches in der Größenordnung von 14 dB (A‐bewertet) bewirkte. Wären die Umgebungsgeräusche zur Zeit der Messdurchführung geringer gelegen, hätten die Auswertungen noch höhere Wirkungen des Schallschutzsystems ableiten lassen. Die Ergebnisse der Untersuchung liegen demnach auf der sicheren Seite und überzeichnen keinesfalls die Schirmwirkung des untersuchten Systems. Weiter wurde mit dem Schallschutzsystem eine zuvor beim Betrieb des Split‐Klimagerätes gegebene signifikante Tonhaltigkeit im Bereich zwischen 1.600 und 2.500 Hz zurückgenommen.

    Tonhaltige Anlagen werden facheinschlägig wegen der „Lästigkeit im Geräusch“ mit Aufschlägen von 3 bis 6 dB versehen und damit noch „lauter“ als gemessen beurteilt. Die menschliche Wahrnehmung ist insbesondere bei Frequenzen des mittleren und höheren Spektumbereiches (z.B. Surren, Quietschen, Singen…) sehr empfindsam und nimmt Auffälligkeiten schnell als störend war, während wir bei tiefen Frequenzen in der Regel (natürlich gibt es auch hier Grenzen) weniger empfindlich reagieren.“

    Schutzhaube01

    Folglich sind solche Schallschutzhauben gut geeignet, die eine oder andere kritische Immissionslage im Nachbarschaftsbereich noch beherrschbar zu bekommen.

    Andreas Doppler, 11.10.2017
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  • Admin um 23:44 am 10. October 2017 Permalink | antworten  

    Die Schallleistung von Luft-Wärmepumpen 

    Von der Vielzahl an akustischen Parametern z.B. einer Luft-Wärmepumpe beschreiben die Begriffe „Schallleistungspegel“ (Kenngröße der Emission) und „Schalldruckpegel“ (Kenngröße der Immission) die wesentlichsten akustischen Eigenschaften der Anlage. Und als typische Schallquellen an z.B. einer Luft-Wärmepumpe sind die Ventilatoren, die Verdichter (Kompressoren), Rohrleitungen und Luftkanäle und u.U. schwingende Gehäuseteile (oftmals die vibrierenden Bleche) anzuführen.

    Vereinfacht ausgedrückt steht der Schallleistungspegel für die Gesamtheit an Schall-Energie, die von der Anlage während dem Betrieb abgegeben wird – während der Schalldruckpegel am Ort der Einwirkung die übertragene Rest-Energie beschreibt, die u.a. vom Menschen dort wahrgenommen werden kann.

    Die Kenntnis der Emission und das Wissen vom Abstand zwischen der Quelle und dem Empfänger erlaubt schon mit einfachen Rechenformeln (Taschenrechner-Abschätzung) die Berechnung der zu erwartenden Immission am gewünschten Betrachtungsort. Verbessert wird die Schätzung, wenn auch noch Umgebungsbedingungen wie z.B. reflektierende Wände, Richtwirkungen der Anlage, Abschirmungen etc. in der Schätzung berücksichtigt werden.

    Diesem Prinzip folgen auch die im Internet von verschiedenen Herstellern und Interessensverbänden zur Verfügung gestellten „Schallrechner“, mit denen teils schon recht komfortabel eine Immissionsabschätzung gelingt. So mag mit ein wenig Erfahrung eine grobe Immissionsabschätzung gelingen, die nicht mehr als 3 – 5 dB von einer exakteren modelltechnischen oder messtechnischen Kontrolle abweicht.

    Leider sind die u.a. von den Herstellern veröffentlichten Schallleistungsangaben aber nicht immer eindeutig. Allzu oft werden Schallleistungsangaben angeführt, die nicht die höchsten der Anlage im Regelbetrieb zuzuschreibenden Zustände – sondern Teillastzustände bei bestimmten mittleren Umgebungs- und Wassertemperaturen berücksichtigen. Und das geschieht nicht einmal in böser Absicht, da die Methode mit den vereinheitlichen Prüfpunkten sogar normativ geregelt ist, um eine Vergleichbarkeit von Anlagen diverser Hersteller zu unterstützen.

    So legt u.a. die ÖNORM EN 12102:2013 „Klimageräte, Flüssigkeitskühlsätze, Wärmepumpen und Entfeuchter mit elektrisch angetriebenen Verdichtern zur Raumbeheizung und -kühlung, Messung der Luftschallemissionen – Bestimmung des Schallleistungspegels“ wie folgt fest (Auszug):

    Allgemein gilt, dass der Schallleistungspegel von den Betriebsbedingungen des Gerätes abhängt. Schallmessungen sind unter genormten Nennbetriebsbedingungen durchzuführen. Das Gerät muss für die Prüfung nach den in den Montage- und Betriebsanleitungen nach der Normenreihe EN 14511 enthaltenen Empfehlungen des Herstellers eingebaut und angeschlossen werden.Die wahlweise mitgelieferten Zubehörteile (z. B. Heizelement) dürfen nicht in die Prüfung mit einbezogen werden. Der Beharrungszustand der Anlage gilt als erreicht und aufrechterhalten, wenn alle gemessenen Größen unter Berücksichtigung der in Tabelle 2 angegebenen Grenzabweichungen konstant bleiben. Die Geräuschmessung darf frühestens nach 30 min Betrieb im Beharrungszustand der Anlage beginnen…

    Und es gibt meinem Wissen nach auch keine Vorschrift zur Bestimmung der spezifischen Schallleistung für den Abtauvorgang. Der Betriebsmodus wird in der ÖNORM EN 14511-Reihe wie folgt behandelt, Zitat: Bei Prüfung unter Betriebs-Leistungsbedingungen für Außenluft nach EN 14511-2:2004, Tabelle 3 und Tabelle 9, wird empfohlen, die Vorbehandlungsperiode mit einem automatisch oder manuell eingeleiteten Abtauzyklus zu beenden. Die „Empfehlung“ ist demnach eine Kann- aber keine Muss-Bestimmung!

    Die „Klassiker“ zur Vermessung einer Luft-Wasser-Wärmepumpe sind nach ÖNORM EN 14511-2 z.B. mit den Prüfpunkten „A7/W45“ (7°C Außenlufttemperatur und 45°C Wasseraustrittstemperatur) und „A2/W35“ (2°C Außenlufttemperatur und 35°C Wasseraustrittstemperatur) anzuführen.

    Dabei bleibt aber ungeprüft, welche Schallleistung dieselbe Anlage bei – in Österreich zur kalten Jahreszeit ortsüblichen Außentemperaturen von deutlich weniger als 2°C aufweist. Die Erfahrung bei der Nachmessung von bereits installierten Anlagen zeigt, dass die Anlagen im realen Einsatz dann bis zu ca. 10 dB höhere Emissionen aufweisen können. Eine Pegelhebung um 10 dB entspricht subjektiv einer Verdopplung der Lautheit.

    So kann eine im guten Glauben geführte Immissionsabschätzung auf Basis einer zu niedrig angesetzten Schallleistung selbstverständlich nur zu einem falschen (zu niedrigen) Rechenergebnis führen. Aus diesem Grund ist anzuraten, vor Beginn einer Anlagenplanung und der zugehörigen Immissionsabschätzung folgende Informationen zusätzlich vom Hersteller abzufragen:

    • A-bewertete Schallleistung [Lw,A] bei Volllastbetrieb (ungünstigster Regelbetriebszustand mit Angabe der kritischen Temperaturen);
    • A-bewertete Schallleistung [Lw,A] bei Sonderbetriebsphasen (z.B. Abtaubetrieb der Anlage mit Angabe der durchschnittlichen Dauer und Häufigkeit);
    • Richtwirkungen der Anlage (z.B. bevorzugte Abstrahlungen nach vorne, durch das Gehäuse geminderte Abstrahlungen zur Seite etc.);
    • Informationen zur Geräuschcharakteristik der Anlage (z.B. tonale Geräusche bei Leistungsbetrieb sind mit Zuschlägen zur Immission zu bewerten).

    Andreas Doppler, 10.10.2017
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  • Admin um 19:48 am 29. September 2017 Permalink | antworten  

    Vergleich von Messung und Berechnung (am Beispiel einer Verschattung) 

    Die Arbeit des Sachverständigen erfordert immer eine angemessene Genauigkeit und die Absicht, realitätsnahe Ergebnisse zu liefern. Und jede Messung und Berechnung kann nur so gut werden – wie die zur Analyse verwendeten Ausgangsdaten es erlauben. Natürlich muss das Messgerät und/oder das Berechnungsprogramm auch fehlerfrei arbeiten! Es ist aber immer ein Unding, einfach einem beliebigen Ergebnis Glauben zu schenken, ohne dessen Plausibilität zu hinterfragen und zu prüfen.

    Wie eine Technikerweisheit meint: „Verrechnen kann man sich leicht ums Zehnfache (z.B. Kommastellenverrückung), sich um´s Doppelte oder mehr zu Verschätzen geht kaum“. Soll heißen, eine Schätzung kann/muss gar nicht viel schlechter sein als eine im guten Glauben durchgeführte Berechnung auf mehrere Kommastellen.

    Heutzutage sind die EDV-gestützten Möglichkeiten aber bereits unglaublich ausgereift. In der Schalltechnik/Akustik liegt mittlerweile bei sorgfältiger Vorbereitung und Arbeit kaum mehr ein Unterschied zwischen dem Ergebnis einer Messung und einer Berechnung vor. Und wie das nachfolgende Beispiel zeigen soll, werden auch Sonnenstandsberechnungen modelltechnisch sehr gut abgebildet.

    Bildskizze 1:

    Darstellung einer Ist-Bestandslage (eine Gruppe von Fichten des Nachbarn), die vereinfacht in einem Rechenmodell nachgebildet wurde. Es zeigt sich zum ausgewählten Zeitpunkt ein lotrechter Schattenwurf der Fichten auf das nahe Gebäude und der Schattenwurf der eigenen Gartenmauerung bedeckt gut die Hälfte des Aufenthaltsbereiches.

    Fichten Modell01

    Fotodokumentationen 1 + 2:

    Fichten Foto01

    Fichten Foto02

    Diesbezüglich bestätigen die Fotodokumentationen vor Ort die erwarteten Ergebnisse. So kann dem zur Berechnung herangezogenen Programm zugesprochen werden, realitätsnahe Ergebnisse zu liefern. Und mit dieser Voraussetzung ist auch das Vertrauen eher gerechtfertigt, dass mit dem Programm auch zukünftige Ereignisse und Zustände (z.B. das Simulieren von höheren und dichteren Beflanzungen u.dgl.) gut abgebildet werden können.

    Andreas Doppler, 29.09.2017
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  • Admin um 10:39 am 23. September 2017 Permalink | antworten  

    Einsatz von nichtamtlichen Sachverständigen 

    Neben den amtlichen Sachverständigen (ASV) werden von den Behörden bedarfsweise auch nichtamtliche Sachverständige (NASV) in Verwaltungsverfahren zur fachtechnischen Begutachtung eingesetzt. Bisher war die Beiziehung nicht amtlicher Sachverständiger (NASV) im § 52 des allgemeinen Verwaltungsverfahrensgesetzes (AVG) geregelt. In den Absätzen 2 bzw. 3 wird angeführt, dass nichtamtliche Sachverständige beizuziehen sind, wenn „Amtssachverständige nicht zur Verfügung stehen“ oder „davon eine wesentliche Beschleunigung des Verfahrens zu erwarten ist“. Der nichtamtliche Sachverständige (NASV) ist zu einer unbefangenen, qualitätsgesicherten Arbeit unter vollständiger Berücksichtigung gesetzlicher Regelungen und technischer Normen verpflichtet und für die Richtigkeit und Nachvollziehbarkeit seiner Gutachten voll inhaltlich verantwortlich.

    Mit der Novellierung der österreichischen Gewerbeordnung (BGBl. 96/2017 zur Stammfassung BGBl. 194/1994) vom 17.07.2017 wurde nun die Möglichkeit erweitert, dass auch nicht amtliche Sachverständigen bei Genehmigungsverfahren nach dem Gewerberecht beigezogen werden können.

    Ein entsprechender Antrag ist von der Projektwerberin bei Antragstellung mit einzubringen. Als wesentlichen Vorteil für die Projektwerberin ist eine Verfahrensbeschleunigung anzuführen, wenn aufgrund der Vielzahl von Verfahren die Behörde mit Ihren Amtssachverständigen keine zeitnahe Bearbeitung in Aussicht stellen kann. Allerdings sind in diesem Fall die Kosten des nichtamtlichen SV´s von der Projektwerberin zu übernehmen.

    Sollten Sie Bedarf haben und einen nichtamtlichen Sachverständigen insbesondere für die Fachgebiete  Lärm und Licht benötigen, würde ich mich über Ihre Nachricht freuen.

    Andreas Doppler, 23.09.2017
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    Auszug zur Gewerbeordnung 1994, § 353b i.d.g.F. „nichtamtliche Sachverständige“

    (1) In Verfahren betreffend Betriebsanlagen, die auf Erlassung eines an einen Antrag des Inhabers einer Betriebsanlage gebundenen Bescheides gerichtet sind, kann der Inhaber der Betriebsanlage für bestimmte Fachgebiete die Bestellung von nichtamtlichen Sachverständigen unwiderruflich beantragen. Der Antrag muss spätestens gleichzeitig mit dem verfahrenseinleitenden Anbringen gestellt werden und hat die genaue Bezeichnung des jeweiligen Fachgebietes, für das ein nichtamtlicher Sachverständiger bestellt werden soll, zu enthalten. § 13 Abs. 3 AVG ist auf Anträge, die keine genaue Bezeichnung des Fachgebietes enthalten, nicht anzuwenden. Verspätete Anträge oder Anträge, die keine genaue Bezeichnung des Fachgebietes enthalten, sind von der Behörde unverzüglich zurückzuweisen.

    (2) Die Behörde hat dem Antragsteller innerhalb von vier Wochen ab Einlangen eines Antrages gemäß Abs. 1 oder ab Rechtskraft einer Entscheidung eines Verwaltungsgerichtes oder des Verwaltungsgerichtshofes, mit der ein Bescheid gemäß Abs. 1 letzter Satz aufgehoben worden ist, mit Verfahrensanordnung aufzutragen, dass ein von der Behörde zu bestimmender Betrag zur Deckung des mit der Aufnahme des Beweises durch nichtamtliche Sachverständige verbundenen Aufwandes vom Antragsteller innerhalb einer bestimmten angemessenen Frist vorschussweise zu erlegen ist. Wenn der Betrag nicht vollständig innerhalb dieser Frist vom Antragsteller bei der Behörde erlegt wird, wird der gemäß Abs. 1 gestellte Antrag unwirksam.

    (3) Wenn ein Antrag gemäß Abs. 1 gestellt worden ist, beginnen die Fristen betreffend die Verpflichtung der Behörde zur Erlassung von Bescheiden ab Rechtskraft eines Bescheides gemäß Abs. 1 letzter Satz oder mit Ablauf der von der Behörde gemäß Abs. 2 zum Erlag eines vorschussweisen Betrages bestimmten Frist zu laufen.

    (4) Die Kosten für die Heranziehung eines auf Grund eines Antrages gemäß Abs. 1 beigezogenen nichtamtlichen Sachverständigen sind im vollen Umfang vom Antragsteller zu tragen.

    (5) Auf eine Verfahrensanordnung gemäß Abs. 2 ist § 63 Abs. 2 AVG mit der Maßgabe anzuwenden, dass sie nur hinsichtlich ihrer Höhe und nur dann anfechtbar ist, wenn der Gesamtbetrag der dem Antragsteller aufgetragenen Kostenvorschüsse 4 000 Euro übersteigt.

    Auszug zum allgemeinen Verwaltungsverfahrensgesetz 1991 i.d.g.F., § 52. „Sachverständige“

     (1) Wird die Aufnahme eines Beweises durch Sachverständige notwendig, so sind die der Behörde beigegebenen oder zur Verfügung stehenden amtlichen Sachverständigen (Amtssachverständige) beizuziehen.

    (2) Wenn Amtssachverständige nicht zur Verfügung stehen oder es mit Rücksicht auf die Besonderheit des Falles geboten ist, kann die Behörde aber ausnahmsweise andere geeignete Personen als Sachverständige (nichtamtliche Sachverständige) heranziehen.

    (3) Liegen die Voraussetzungen des Abs. 2 nicht vor, so kann die Behörde dennoch nichtamtliche Sachverständige heranziehen, wenn davon eine wesentliche Beschleunigung des Verfahrens zu erwarten ist. Die Heranziehung ist jedoch nur zulässig, wenn sie von demjenigen, über dessen Ansuchen das Verfahren eingeleitet wurde, angeregt wird und die daraus entstehenden Kosten einen von dieser Partei bestimmten Betrag voraussichtlich nicht überschreiten.

    (4) Der Bestellung zum nichtamtlichen Sachverständigen hat Folge zu leisten, wer zur Erstattung von Gutachten der erforderten Art öffentlich bestellt ist oder wer die Wissenschaft, die Kunst oder das Gewerbe, deren Kenntnis die Voraussetzung der geforderten Begutachtung ist, öffentlich als Erwerb ausübt oder zu deren Ausübung öffentlich angestellt oder ermächtigt ist. Nichtamtliche Sachverständige sind zu beeiden, wenn sie nicht schon für die Erstattung von Gutachten der erforderten Art im allgemeinen beeidet sind. Die §§ 49 und 50 gelten auch für nichtamtliche Sachverständige.

     
  • Admin um 18:55 am 15. April 2017 Permalink | antworten  

    Lichtimmissionen über Maß 

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    im Anschluss an eine Dienstmessung bin ich zwei besonders auffälligen Beispielen für die „übermäßige Lichtwerbung“ im Straßen- und Nachbarschaftsbereich begegnet.

    Es gibt betreffend die Grenzwerte zwei wesentliche Richtlinien, einerseits die RVS 05.06.12 für den Schutz von VerkehrsteilnehmerInnen und die ÖNORM O 1052 für den Nachbarschaftsschutz. Die RVS Richtlinie legt beispielsweise fest, dass eine straßennahe Lichtinstallation (öffentliche Straßenbeleuchtungen ausgenommen) eine Leuchtdichte von maximal 100 bis 250 cd/m² (im Mittel über die Leuchtfläche, Abhängig von der Lage zur Straße) aufzuweisen hat. Und die nachstehenden Beispiele liegen mit großem Abstand über diesem Grenzwert!

    Weiter regelt die ÖNORM O 1052 (erstmals veröffentlicht mit Okt. 2012) den Nachbarschaftsschutz in Wohngebieten mit nachbarseitigen Aufhellungen von nicht mehr als 3 lux am Abend (20:00 bis 22:00 Uhr) und höchstens 1 lux zur Nacht (ab 22:00 Uhr). Wieder sind für die angeführten Beispiele kritische und vorbehaltlich einer humanmedizinische Beurteilung sogar gesundheitsgefährdende Einwirkungen abzuleiten.

    Licht01a

    Licht02a

    Andreas Doppler, 15.04.2017
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  • Admin um 13:13 am 24. March 2017 Permalink | antworten  

    Dauergeräusche von haustechnischen Anlagen 

    Aktuell ist das Thema „Dauergeräusche von haustechnischen Anlagen“ ein Thema, da die Bundesländer zunehmend betreffend die Genehmigung von z.B. Luft-Wasser-Wärmepumpen Regelungen treffen. Und zudem wird auch im Arbeitsring für Lärmbekämpfung (ÖAL) an einem Richtlinienentwurf gearbeitet, der die Beurteilung von Luft-Wasser-Wärmepumpen, Heizungen, Klimageräten, Schwimmbadpumpen und dergleichen mehr (also vorwiegend Anlagen, die mehr dem privaten Baubereich und weniger dem gewerblichen und industriellen Bereich zuzuordnen sind) neu aufstellen soll. Die Grundidee wird dabei sein, Unbedenklichkeitsschwellen festzulegen und eine Beurteilung weitgehend frei von der Notwendigkeit vorheriger (aufwendiger und teurer) Schallmessungen zu ermöglichen. Warten wir ab, es sind spannende Zeiten!

    Andreas Doppler, 23.03.2017
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  • Admin um 13:12 am 24. March 2017 Permalink | antworten  

    Bundesstraßen-Lärmimmissionsschutzverordnung (BStLärmIV) 

    Hoch aktuell ist die Entscheidung V 162/2015 des Verfassungsgerichtshofes vom 15.03.2017 zur Anwendbarkeit der Bundesstraßen-Lärmimmissionsschutzverordnung (BStLärmIV) am Beispiel des UVP-Vorhabens zur Wiener Außenringschnellstraße S1 „Lobauquerung“ in Wien. So wurde der Antrag „Teile der BStLärmIV für gesetzwidrig zu erklären“ abgewiesen. Das Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofes ist keine unmittelbare Entscheidung über die Zulässigkeit des Baus oder dem Betrieb der Lobau-Autobahn. Dennoch kann aufbauend auf dem Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofes nun das Bundesverwaltungsgericht sein Verfahren fortsetzen.

    Details finden Sie unter dem Link https://www.vfgh.gv.at/downloads/VfGH_Entscheidung_V_162-2015_Laermschutz_Lobau_anonym.pdf

    Angaben zur Bundesstraßen-Lärmimmissionsschutzverordnung (BStLärmIV)

    Per Bundesgesetz (BGBl. Nr. 215/2014) wurde am 2. September 2014 die Bundesstraßen-Lärmimmissions­schutz­verordnung (BStLärmIV) verordnet, die für neue Straßenbauvorhaben im hochrangigen Straßenverkehrsnetz (d.h. bei Schnellstraßen und Autobahnen) den Nachbarschaftsschutz regelt. Landesstraßen, die aus der Vergangenheit heraus im alltäglichen Sprachgebrauch noch als „Bundesstraßen“ (z.B. B 1 Wiener Straße, B 139 etc.) bezeichnet werden, sind nicht der Regelung der BStLärmIV unterworfen, da diese konkreterweise als „Landesstraßen“ nach den jeweiligen bundeslandspezifischen Vorschriften zu betrachten sind.

    Die BStLärmIV sieht ein gestaffeltes objektorientiertes Grenzwerteregime vor. Allgemein sind vorhabenbedingte Immissionseinträge mit Lden = 55,0 bzw. Lnight = 45,0 dB zulässig. Und bis zur Grenze der „unzumutbaren Belästigung“ durch Straßenverkehrslärm von Lden = 60,0 bzw. Lnight = 50,0 dB wird eine vorhabenbedingte Hebung der Ist-Lage bis zu 1,0 dB toleriert. Und für die Beurteilung einer möglichen Gesundheitsgefährdung durch Straßenverkehrslärm gelten Immissionsgrenzwerte von Lden = 65,0 bzw. Lnight = 55,0 dB, wobei die vorhabenbedingte Hebung der Ist-Lage im Einzelfall zu beurteilen ist und keinesfalls 1,0 dB zu überschreiten hat.

    Die Einhaltung des vorhabenbedingten Immissionseintrages und der Immissionsgrenzwerte ist gemäß § 8. (1) BStLärmIV vorrangig durch straßenseitige Maßnahmen sicherzustellen und in der Planungspraxis wird angestrebt, durch die straßenseitigen Maßnahmen den Schutz von Aufenthaltsflächen im Freien sicherzustellen. Erfahrungsgemäß ist im Gegensatz hierzu in höheren Geschossen aufgrund der typischerweise abnehmenden Abschirmung in höheren Lagen die Möglichkeit zum Setzen von baulichen Maßnahmen (Statik, Ortsbild, Wirtschaftlichkeit etc.) nur mehr eingeschränkt möglich und ersatzweise durch objektseitige Maßnahmen der Schallschutz umzusetzen.

    Andreas Doppler, 23.03.2017
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  • Admin um 9:32 am 6. February 2017 Permalink | antworten  

    Bauakustik – Nachbarschaftsschutz im Wohnbau 

    Vor kurzem erreichte mich eine Anfrage betreffend den Nachbarschaftsschutz in Wohnbauten. So waren im gegenständlichen Fall in einem Neubau aus der darüberliegenden Wohnung neben den Geh- und Laufgeräuschen (Trittschall) auch Musik- und Fernsehdarbietungen, Unterhaltungen etc. wahrzunehmen. Ich selbst kann Ihre Situation gut nachvollziehen. Bei mir sind es die Nachbarn im unteren Geschoss, die mich an Ihrem Leben teilhaben lassen. Die Sachlage ist diffizil, lässt sich aber wie folgt zusammenfassen:

    1. Die Baufirmen in Österreich haben die Verpflichtung die baurechtlichen Bestimmungen einzuhalten. In jedem Bundesland gibt es dazu Bauordnungen, Bautechnikverordnungen und dgl. Mittlerweile hat sich als Standard bei Neubauten die OIB Richtlinie Nr. 5 etabliert, die Vorgaben betreffend die Luft- und Trittschallschutz innerhalb und außerhalb von Gebäuden vorgibt. Dies sind jedoch lediglich Mindestanforderungen! Diese Richtlinie kann kostenfrei unter https://www.oib.or.at/oib-richtlinien/richtlinien/2015 bezogen werden.
    2. Eine Einhaltung der Mindestanforderungen muss bei Neubauten immer häufiger durch bauakustische Nachmessungen bestätigt werden. So hat der Eigentümer wie z.B. die Genossenschaft oder der Bauträger dies zu veranlassen und bekommt die Prüfberichte zu seinen Händen. So würde ich Ihnen vorerst empfehlen nachzufragen, ob solche Abnahmemessungen gemacht wurden und ob Ihnen Einsicht in die Unterlagen gewährt wird, bevor Sie eigene Messungen veranlassen.
    3. Leider ist es aber so, dass auch bei Einhaltung der Mindestanforderungen (das Baurecht wäre also erfüllt) zumeist Hörbarkeiten und Nachbarschaftsgeräusche zwischen den Wohnungen gegeben sind. Es wird nicht gefordert, Bauten so zu bauen, dass keine Hörbarkeiten vorliegen. Das ist zum Teil auch den modernen kostensparenden Bauweisen geschuldet, früher wurde halt massiver gebaut. Und vielfach haben die Nachbarn einfach kein Mitgefühl und keinen Anstand sich zurückzuhalten. In solchen Fällen ist das Baurecht nicht zuständig und es bedarf im äußersten Fall einer Unterlassungsklage am zivilen Gerichtsweg.
    4. Eine von Ihnen selbst veranlasste Bauakustikprüfung setzt voraus, dass die Nachbarn dieser Messung zustimmen. So müssten die Messungen wechselseitig in beiden Wohnungen erfolgen. Der Zutritt muss also gewährt werden. Das Ergebnis der Prüfung kann nur soweit helfen, dass man die Einhaltung der baurechtlich geforderten Mindestanforderungen überprüft und womöglich dort einen Mangel entdeckt. Die Kosten für eine bauakustische Begutachtung liegen je nach Umfang und Aufwand grob geschätzt bei EUR 800,- bis 1.800,- netto. Mit Umsatzsteuer also 20% mehr.

    Andreas Doppler, 06.02.2017
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  • Admin um 13:48 am 8. December 2016 Permalink | antworten  

    Baulärm – Nachbarschaftsschutzfragen 

    Betreffend die Errichtung von Bauwerken sind grundsätzlich die baurechtlichen Bestimmungen der Bundesländer wie z.B. Bauordnungen, Bautechnikverordnungen, Baupolizeiverordnungen etc. zu beachten. Und ein Teil der Bundesländer hat betreffend Baulärm auch ergänzende Anmerkungen in diesen Unterlagen verankert.

    So regelt u.a. die Oö. Bautechnikverordnung mit § 12 „Baulärm“, dass Bauarbeiten, die im Freien Lärm erzeugen, in Wohn- und Kurgebieten gemäß § 22 Abs. 1 und 3 Oö. Raumordnungsgesetz 1994 an Sonn- und gesetzlichen Feiertagen überhaupt nicht, von Montag bis Freitag nur in der Zeit von 6.00 Uhr bis 20.00 Uhr und an Samstagen nur von 7.00 Uhr bis 14.00 Uhr vorgenommen werden. In allen anderen Baulandgebieten gemäß den §§ 21 bis 24 Oö. Raumordnungsgesetz 1994, mit Ausnahme von Industriegebieten, dürfen lärmerzeugende Bauarbeiten werktags in der Zeit von 6.00 Uhr bis 20.00 Uhr durchgeführt werden.

    Dabei dürfen alle im Zuge einer Bauarbeit erzeugten Geräusche (bezogen auf das offene Fenster des nächstgelegenen Aufenthaltsraums von Nachbarliegenschaften) einen maximal zulässigen Schalldruckpegel (Beurteilungspegel Lr) des dort herrschenden Gesamtlärms von 55 dB in Wohn- und Kurgebieten bzw. von 70 dB in allen anderen Baulandgebieten nicht überschreiten. Wiederkehrende Lärmspitzen (LA,max) dürfen 85 dB nicht überschreiten.

    Die zuständige Baubehörde hat allerdings die Möglichkeit befristete Ausnahmen (gegebenenfalls unter Vorschriebung von Ersatzmaßnahmen zur Sicherstellung des Nachbarschaftsschutzes im notwendigen Ausmaß) zu gewähren, wenn das Bauvorhaben andernfalls nicht ausgeführt werden könnte oder ein unverhältnismäßiger wirtschaftlicher Aufwand droht.

    Andere Bundesländer haben eigene Festlegungen wie z.B. Wien mit der Vorgabe zur Verwendung von jeweils emissionsärmsten Baugerätschaften getroffen. Es würde aber den Rahmen dieses Artikels sprengen, auf alle bundesländerspezifischen Regelungen hinzuweisen. Ich ersuche Sie daher, sich selbst darüber zu informieren. Eine große Hilfe dazu ist das Dokumentenarchiv des Bundeskanzleramtes (Rechtsinformationssystem des Bundes – RIS), welches über die Internetadresse http://www.ris.bka.gv.at/ zu erreichen ist.

    Wird Baulärm z.B. im Rahmen von Umweltverträglichkeitsprüfungen (in der Regel für größere industrielle oder infrastrukturbezogene Bauvorhaben zutreffend) betrachtet, sind die Regelungen nach der ÖAL Richtlinie Nr. 3-1:2008 (Kapitel  8 Schallimmissionen von Baubetrieb) hilfreich. Diesem Regelwerk nach ist der Beurteilungspegel für baubedingte Geräusche (aufgrund der typischen Ton- und Impulshaltigkeiten, spricht den Auffälligkeiten und möglichen subjektiven Lästigkeiten) mit einem Anpassungswert von 5 dB zu beaufschlagen. Andererseits dürfen bei zeitlich kurz gehaltenen Bauarbeiten (von wenigen Tagen bis höchstens 4 Wochen) auch Abzüge in Rechnung gestellt werden.

    Übersteigt der Beurteilungspegel des Baubetriebes die flächenwidmungsspezifischen Planungsrichtwerte nach ÖNORM S 5021 oder liegt höher als die ortsübliche Ist-Lage, ist regulär eine eine individuelle schalltechnische und lärmmedizinische Beurteilung durchzuführen.

    Weiter führt die Richtlinie beispielsweise erprobte Einschränkungen und Maßnahmen (nachstehend aus Auszug der ÖAL RL 3-1:2008) an.

    – Ergeben Prognoseberechnungen für Lr,Bau einen höheren Wert als 65 dB, so ist eine regelmäßige schalltechnische Kontrolle durch Messung notwendig.

    – Bei längerfristigen Auftreten (ab 4 Wochen) eines Beurteilungspegels Lr,Bau von 65 dB bis 70 dB soll zum Schutz der Bevölkerung eine Mittagspause eingeführt werden.

    – Überschreitungen des Lr,Bau von 70 dB sind nicht kontinuierlich während der gesamten Woche zulässig. Sollten technische Schutzmaßnahmen nicht durchführbar oder nur mit unverhältnismäßig hohen Mehrkosten durchführbar sein, so sind diese hohen Pegel nur jeden zweiten Tag oder täglich halbtags zulässig.

    Und betreffend die Bauarbeiten von Bundesstraßen wurde mit der Bundesstraßen-Lärmimmissionsschutzverordnung (BStLärmIV) ein weiteres Dokument geschaffen, welches u.a. ein Bewertungs- und Beurteilungssystem für Baulärm bietet. Und auch diesem Regelwerk nach ist der Beurteilungspegel für baubedingte Geräusche mit einem Anpassungswert von 5 dB zu beaufschlagen, sofern diese nicht dem Verkehrsläm öffentlicher Straßen vergleichbar ist.

    Die Grenzen zur Gesundheitsgefährung werden laut Absatz 4 wie folgt gesetzt:

    Grenzwerte
    Tageszeit (6-19h)
    Abendzeit (19-22h)
    Nachtzeit (22-6h)
    An Werktagen
    Lr,Bau,Tag,W ≤ 67,0 dB
    Lr,Bau,Abend,W ≤ 60,0 dB
    Lr,Bau,Nacht ≤ 55,0 dB
    An Samstagen
    Lr,Bau,Tag,Sa ≤ 60,0 dB
    Lr,Bau,Abend,Sa ≤ 55,0 dB
    An Sonn-/Feiertagen
    Lr,Bau,Tag,So ≤ 55,0 dB
    Lr,Bau,Abend,So ≤ 55,0 dB

    Dabei ist zu beachten, dass die Beurteilung des werktägigen Tages- und Abendzeitraumes auf einen mittleren Beurteilungspegel (Durchschnitt über einen Regelmonat von 20 Bauarbeitstagen) bezogen gilt und grundsätzlich bei allen Beurteilungszeiträumen als maßgebliche Immissionspunkte die Nachbargebäudefassaden gelten und folglich keine Beurteilung an z.B. vorgelagerten Gärten und Terrassen zu treffen ist.

    Aktuell steht die Bundesstraßen-Lärmimmissionsschutzverordnung im Fokus einer Prüfung durch den Bundesverwaltungsgerichtshof. Es bleibt abzuwarten, welche Entscheidungen das Gericht trifft und ob eventuell die Verordnung zur Gänze oder zu Teilen einer Überarbeitung zu unterwerfen sein wird.

    Andreas Doppler, 08.12.2016
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  • Admin um 16:36 am 21. May 2016 Permalink | antworten  

    Schattenwurf aus Nachbars Garten 

    Dem Handbuch für Umweltmedizin (Wichmann und Schlipköter) nach, ist für den Menschen eine direkte Besonnung von 1.350 Stunden im klimatologischen Jahresmittel anzustreben, da für eine geringere Anzahl von Sonnenscheinstunden keine heilklimatische Wirkung nachgewiesen wurde. Weiter ist für das Wohlbefinden des Menschen auch indirektes Sonnenlicht von Vorteil, weil dieses einen wesentlich geringeren Anteil an kurzwelliger UV-Strahlung (schädliche Wirkungen wie z.B. Sonnenbrandentzündung, Zellzerstörung, Hautkarzinome etc.) auf den Menschen entfaltet, als eine direkte Sonnenstrahlung.

    Technisch gesehen gilt z.B. nach den Vorgaben der deutschen DIN 5034-1 eine Wohnung als ausreichend besonnt, wenn mindestens ein Wohnraum einer Wohnung am 17. Januar für mindestens eine Stunde in Fenstermitte besonnt werden kann. Der Stichtag des 17. Januars entspricht einem wintertypischen niedrigen Sonnenstand. In Österreich regeln diesbezüglich diverse Baugesetze (z.B. Bauordnungen der Länder) und die OIB Richtlinie Nr. 3:2015 Abstandsregeln und Maximalhöhen von neu geplanten Nachbargebäuden mit dem Ziel, dass beim Nachbarn eine dem Wohnzwecke angemessene Besonnung und Belichtung erhalten bleibt.

    Und eine Reihe von rechtlichen Entscheidungen und Erkenntnissen legte bereits vor, dass negative Immissionen (wie z.B. ein Schattenwurf) das nach den örtlichen Verhältnissen gewöhnliche Maß überwiegend überschreiten und zudem die Benützung des Nachbargrundstücks (z.B. seiner Art, Lage und Größe nach) unzumutbar beeinträchtigen müssen – um relevant zu sein. Die von der Rechtssprechung vorgegebenen Grenzen wurden in insbesondere in den nachfolgenden Beispielen überschritten:

    • Wenn fremde Gewächse die körperliche Sicherheit des Nachbarn beeinträchtigen (z.B. durch Depressionen auf Grund von Lichtenzug; Schimmelbildung; nicht aber durch wegbrechende Äste).
    • Wenn nicht nur ein kleiner Grundstreifen, sondern größere Teile des Grundstückes versumpfen, vermoosen oder sonst unbrauchbar werden.
    • Wenn fremde Bäume und Gewächse auch zu Mittag eines helllichten Sommertages eine künstliche Beleuchtung im angrenzenden Raum erfordern.
    • Wenn der Schattenwurf der Bäume zu einer völligen Unbrauchbarkeit einer schon bestehenden Solaranlage führt.

    Anbei ein Beispiel einer Schattenwurfanalyse, bei dem ein Kirschbaum und 4 Fichten (bis etwa 6 – 7 m Höhe) aus der Nachbarschaft den Garten des Eigentümers zeit- und bereichsweise beschatten. Die Nachbarn haben sich letztlich darauf geeinigt, die Fichten entfernen zu lassen, da von diesen in den kommenden Jahren noch ein erhebliches Wachstum (bis zu etwa 18 – 20 m Höhe) zu erwarten gewesen wäre.

    Schattenwurf 01

    Andreas Doppler, 21.05.2016
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  • Admin um 13:27 am 10. April 2016 Permalink | antworten  

    Messgeräte in der Schalltechnik 

    Entsprechend der ÖNORM S 5004:2008 „Messung von Schallimmissionen“ dürfen in Österreich im „amtlichen und rechtsgeschäftlichen Verkehr, im Gesundheitswesen, im Umweltschutz, sowie im Verkehrs und Sicherheitswesen“ nur Schallpegelmesser und Prüfschallquellen verwendet werden, die vom Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen geprüft, eichfähig und freigegeben sind. So müssen die Messgeräte auch mindestens alle zwei Jahre einer Nacheichung unterzogen werden. Die dazugehörigen Prüfschallquellen sind sogar mindestens jährlich zu prüfen bzw. zu eichen.

    Schallpegelmessgeräte für den professionellen Einsatz müssen grundsätzlich hohe Anforderungen erfüllen, damit die Messergebnisse nicht aufgrund von gerätebedingten Abweichungen oder Toleranzen variieren. Zur „Grundausrüstung“ des Messgerätes gehören dabei die Erfassung eines „energieäquivalenten Dauerschallpegels“ (Leq) und die Erfassung von Spitzenpegeln (Lmax) in der Zeitkonstante „fast“ und die Korrektur zu einer A-Bewertung (Anpassung der Messwerte an das Hörvermögen des Menschen).

    Zusätzlich sollten die Messgeräte auch statistische Auswertungen zum sogenannten Basispegel (LA,95) und mittlerem Spitzenpegel (LA,1) erlauben. Funktionen wie z.B. die Erhebung von detaillierten Frequenzen (Terz- oder Oktavbandanalysen, Fast-Fourier-Analysen und dgl.) stellen zumeist Erweiterungen dar, die eine tiefergehende Analyse der Messergebnisse erlauben. Und neben der A-Bewertung sind für unterschiedliche Anwendungszwecke auch noch andere Bewertungen (z.B. C-Bewertung im ArbeitnehmerInnenschutz, D-Bewertung für tieffrequente Geräusche etc.) gebräuchlich.

    International sind Genauigkeitsklassen normiert und Präzisionsschallpegelmessgeräte der Klasse A (Genauigkeitsklasse 0,7 dB) sind dabei für den Einsatz im Freien (d.h. nur Laborgeräte sind üblicherweise noch genauer) die beste Wahl.

    Foto links: Einsatz als Handgerät              Foto rechts: Einsatz als Umweltmessstation

    Messgerät01Messgerät02

     

     

     

     

     

     

     

     

    Andreas Doppler, 10.04.2016
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  • Admin um 23:06 am 28. March 2016 Permalink | antworten  

    Lichtwerbung im Nahbereich von Verkehrs- und Wohnbereichen 

    Gilt es im Bereich von Verkehrsträgern um die Genehmigung von neuen Lichtwerbungen anzusuchen, ersucht die zuständige Behörde in der Regel um Übermittlung von ergänzenden Unterlagen zur Beurteilung der geplanten Anlagen nach den RVS Richtlinien Nr. 05.06.11 ,,Visuelle Störungen- Kriterien zu Standorten von Informationsträgern“ und 05.06.12 „Visuelle Informationsträger für verkehrsfremde Zwecke“.

    Diese Richtlinien dienen primär der Beurteilung, ob durch die geplanten Anlagen keine Verkehrsteilnehmer abgelenkt, geblendet oder sonst über Maß beeinträchtigt oder gestört werden. Die Richtlinien unterscheiden dabei eine Vielzahl von Arten an Lichtquellen (z.B. stationäre bis mobile, statische bis dynamische Darbietungen, Anlagen in konventioneller oder LED-Technik etc.) und legen dafür eine umfangreiche Reihe an Bewertungskriterien fest.

    Oftmals wird es auch erforderlich, Messdaten von bestehenden Anlagen wie auch Herstellerangaben von neu geplanten Anlagen (Testmessungen am Prototypen) einzufordern um diese in eine lichttechnische Bewertung oder ein Gutachten zu übernehmen.

    Beispielhafte Leuchtdichtefotografie eines Werbe-Pylons, Skaleneinheit: cd/m²

    Leuchttafel01

    Der Nachbarschaftsschutz ist in Österreich seit Auflage der ÖNORM O 1052:2012 gesondert zu bewerten. So wird u.a. betreffend die Raumaufhellung durch verkehrsfremde Beleuchtungsanlagen für z.B. Wohngebiete (Gebietsklasse B) ein Grenzwert von höchstens 3 Lux am Abend und höchstens 1 lx zur Nachtzeit vorgeschrieben. Da die Norm damit Obergrenzen formuliert, sind bereits bestehende andere Lichtwerbungen bzw. nicht der Sicherheit dienende Lichtquellen ebenfalls zu berücksichtigen und die neuen Anlagen dürfen für eine Grenzwerteinhaltung teilweise nur deutlich weniger Lichtanteile für sich in Anspruch nehmen. Zudem sind nach RVS 05.06.12 und nach ÖNORM O 1052 auch Obergrenzen betreffend die zulässigen Leuchtdichten (insbesondere zur Vermeidung von Blendungen) zu beachten.

    Die Ermittlung der relevanten Beleuchtungsstärken und Blendfaktoren erfordert in der Regel eine lichttechnische Berechnung. Darüber hinaus formuliert die ÖNORM O 1052:2012 auch Ziele zum Schutz der Pflanzen- und Tierwelt.

    Andreas Doppler, 28.03.2016
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  • Admin um 12:44 am 10. January 2016 Permalink | antworten  

    Lärmzulässigkeitsprüfung für Drohnen 

    Entsprechend der Zivilluftfahrzeug-Lärmzulässigkeitsverordnung 2005 in der geltenden Fassung (d.h. inkl. späteren Novellierungen) ist vom Halter eines Zivilluftfahrzeuges bzw. vom Hersteller in der Regel ein Nachweis vorzulegen, dass durch den Betrieb des Zivilluftfahrzeuges kein übermäßiger Lärm entsteht. Dies betrifft üblicherweise Fluggeräte wie Ultraleichtflugzeuge, Tragschrauber, nicht eigenstartfähige Motorsegler, Luftschiffe, Heißluft-Luftschiffe, motorisierte Hänge- und Paragleiter und unbemannte Luftfahrzeuge (UAV´s).  Die Details sind in dem Bundesgesetz nachzulesen, welches u.a. kostenfrei unter der Adresse http://www.ris.bka.gv.at geladen werden kann.

    Zusätzlich erlaubt das österreichische Luftfahrtgesetz (LFG) seit der Novelle vom 1.1.2014 auch den Betrieb von unbemannten Luftfahrzeugen (umgangssprachlich auch „Drohnen“ genannt). Hierzu erteilt die Austro Control die jeweilige luftfahrtrechtliche Bewilligung. Darüber hinaus liegt es in der Verantwortung des „Betreibers“ alle weiteren rechtlich relevanten Bestimmungen (z.B. Datenschutz, Bewilligung zum Betrieb innerhalb von Sicherheitszonen, gewerberechtliche Bewilligung,  Naturschutz usw.) einzuhalten.

    Bei Modellen bis 79 Joule Bewegungsenergie (ca. 250 Gramm Fluggewicht) wie z.B. Mini-Spielzeughubschrauber, Minimodelle aus Schaumstoff u.ä. ist der Betrieb bis zu einer Flughöhe von max. 30 m erlaubt. Diese „Spielzeuge“ fallen nicht unter den Anwendungsbereich des Luftfahrtgesetzes, aber eine Gefährdung von Personen oder Sachen muss natürlich ausgeschlossen sein. Sonstige Fluggeräte fallen in den Anwendungsbereich der Vorschrift.

    Als Lärmgrenzwert wird dabei für unbemannte Luftfahrzeuge bis 150 kg (ausgenommen bei Antrieb über Strahltriebwerke) ein Spitzenschallpegel von LA,max = 82 dB, gemessen aus 25 m Entfernung angeführt. Die Lärmmesspunkte befinden sich in einer Höhe von einem Meter über dem Boden und einem Winkel von 45°, 90° und 135° zur Vorausrichtung der Längsachse des unbemannten Luftfahrzeuges der Klasse 1 auf der Auspuffseite (sofern vorhanden).

    Dass für solche Messungen in Österreich nur vom Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen zugelassene und geeichte  Messgeräte verwendet werden dürfen, leitet sich aus den Vorgaben der ÖNORM S 5004:2008 „Messung von Schallimmissionen“ (Umweltmessungen) bzw. den ÖNORMEN EN ISO 3744, 3746 oder vgl. (Messungen an Geräten und Anlagen) ab.

    Alle gemessenen Schalldruckpegel und Angaben zur Technik des Fluggerätes, den Betriebsweisen, der  Wetterlage, der Topografie und Umgebung des Testgeländes etc. müssen in einem Messbericht zusammengefasst werden.

    Erfahrungsgemäß ist die Einhaltung des Grenzwertes für Fluggeräte mit Elektroantrieb möglich. Beispielsweise zeigte sich bei der Messung einer semiprofessionellen „Kameradrohne“ (Hexakopter mit darunter angebrachter Spiegelreflexkamera) selbst bei höchster Zuladung mit einem Spitzenpegel von LA,max = 61 dB eine deutliche Unterschreitung des Grenzwertes.

    Andreas Doppler, 10.01.2016
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  • Admin um 19:33 am 19. November 2015 Permalink | antworten  

    Schwingungen und sekundärer Luftschall 

    Die Schallausbreitung in Gebäuden erfolgt überwiegend durch Körperschallübertragung. Dabei pflanzen sich die Schwingungen und der Luftschall ausgehend von z.B. Heizungen, Wärmepumpen, Klimageräten und Lüftungen ausgehend über den Boden, die Wände und die Decke des Bauwerkes fort und treten im ungünstigen Fall hörbar als „sekundärer Luftschall“ bzw. teilweise auch als wenig hörbare – aber dennoch fühlbare Schwingungen in benachbarten Räumen wieder auf.

    Entsprechend den Vorgaben der OIB Richtlinie Nr. 5:2015, der ÖNORM B 8115-2:2006 und der ÖNORM H 6038:2014 darf der durchlaufende Betrieb der haustechnischen Anlagen in einem Wohn- bzw. Schlafraum einen energieäquivalenten Schalldruckpegel LA,F,max,nT = 25 dB nicht überschreiten. Für Nebenräume liegt die Anforderung mit LA,F,max,nT = 30 dB mäßig höher. Zur Begrenzung der tieffrequenten Anlagengeräusche gibt es zusätzliche normative Regelungen.

    Um Schwingungen und Geräusche im Gebäude zu minimieren, sind haustechnische Anlagen daher möglichst gut vom Baukörper zu entkoppeln. Eine gute Schalldämmung erreicht man z. B. mithilfe einer Beton-Fundamentplatte mit untergelegter Gummimatte (Elastomere). Bei schwimmendem Estrich sollten Estrich und Trittschalldämmung um die Anlagen herum ausgespart werden (z.B. Trennfugen zur Unterbrechung der Schwingungsübertragung) und auch bei Anschlüssen von Rohr- und Elektroleitungen ist auf eine schalltechnische Entkopplung vom Gebäude zu achten.

    Andreas Doppler, 19.11.2015
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  • Admin um 19:24 am 19. November 2015 Permalink | antworten  

    Akustik von Luft-Wärmepumpen 

    Als Hauptschallquellen an einer luftbasierenden Wärmepumpe (LWP) sind typischerweise Ventilatoren, Verdichter (Kompressoren), Rohrleitungen, Luftkanäle und schwingende Verkleidungsbleche anzuführen. In Österreich werden die immissionstechnischen Wirkungen in der Regel auf die nächsten nachbarlichen Grundgrenzen beurteilt. Dort sind die Immissionsgrenzwerte für die Tageszeit (6-19 Uhr) und Abendzeit (19-22 Uhr) bzw. formal auch zur Nachtzeit (22-6 Uhr) einzuhalten. Da aber zur Nachtzeit ein längerer Aufenthalt von Personen oder gar eine Nachtruhe im Freien unüblich ist, zielt die humanmedizinische Beurteilung bei Genehmigungsverfahren in der Praxis eher auf die nächstgelegenen Schlafzimmerfenster ab. Dabei haben die Nachbarn grundsätzlich das Recht, die Fenster offen/gekippt zu halten.

    Angewandte Praxis ist die Begrenzung von Anlagen mit andauerndem Betrieb auf den sogenannten Basispegel [LA,95] in Dezibel. Der Basispegel ist – vereinfacht erklärt – das Umgebungsgeräusch, bei dem vor Ort subjektiv Ruhe (z.B. zwischen einzelnen Kfz- oder Zugvorbeifahrten) erfahren wird, da der Pegel kaum mehr niedriger sinkt. Zur Bemessung entscheidend ist die Stunde mit der größten Differenz „Umgebung zu Anlagengeräusch“. So wird bei einem gleichförmigen Anlagenbetrieb zumeist der niedrigste Basispegel zur Nachtkernzeit (0-5 Uhr) geltend und betreffend die Nachtzeit wird in der Regel die „ungünstigste Stunde“ zur Beurteilung herangezogen!

    Minutenweise auftretende „lautere Betriebsarten“ (z.B. das Abtauen der Wärmepumpe oder ein kürzerer Leistungsbetrieb zur Warmwasseraufbereitung) werden über eine Stunde gemittelt bewertet und mit der ortsübliche Umgebungslärmlage (in diesem Fall nicht mit dem Basispegel, sondern dem energieäquivalenten Dauerschallpegel [LA,eq] der Umgebung) in Vergleich gestellt.

    Übersteigt die Anlagenimmission die ortsübliche Umgebungslärmlage (d.h. den Basispegel im Dauerbetrieb bzw. den energieäquivalenten Dauerschallpegel im Sonderbetriebsmodus) bedarf der Einzelfall der eingehenden Analyse, ob die durch den Betrieb der Anlage zu erwartenden Immissionen noch im zumutbaren Bereich liegen oder nicht. Als absolute Obergrenze gilt selbstverständlich die Gefahr für die Gesundheit – und diese Beurteilung bleibt alleine dem medizinischen Sachverstand vorbehalten.

    Alternativ sind einzelne Landesregierungen auch dazu übergegangen, mit eigenen Richtlinien für die Beurteilung im baurechtlichen Genehmigungsverfahren – von den jeweiligen Flächenwidmungen abhängige Obergrenzen festzulegen. Diese Regelungen haben das Ziel, dass – im Wissen dass mancherorts auch sehr niedrige Basispegel ortsüblich sein können – nicht für jede Anlage eine gesonderte messtechnische Erhebung der Basispegel erforderlich wird. Allenfalls ist z.B. bei tatsächlich sehr niedrigen Vorbelastungen oder im Wissen, dass im Untersuchungsgebiet mehrere Anlagen geplant sind (Stichwort: Berücksichtigung einer Immissionsreserve für die anderen Anlagen) mit der nötigen Umsicht vorzugehen.

    Lärmgrenzen im ländlichen Wohngebiet (Kat. 2 nach ÖNORM S 5021), Informationsstand Aug. 2018:

    Bundesland Quelle

    Lr,zul
    6 – 19h

    Lr,zul
    19 – 22h

    Lr,zul
    22
    – 6h

    Tirol (1) Gas-, Heizungs- u. Klimaanlagenverordnung 2014,
    LGBl. 80/2014

    40 dB

    35 dB

    30 dB

    Salzburg Beiblatt Nr. W158-5-15 zur Einreichung

    40 dB

    35 dB

    30 dB

    Kärnten Informationsblatt „Luftwärmepumpen“, Abt. SE – Schall- u. Elektrotechnik

    40 / 35 dB (2)

    35 / 30 dB (2)

    30 / 25 dB (2)

    Vorarlberg Auskunft von der Abteilung VIc Maschinenbau und Elektrotechnik

    40 / 35 dB (2)

    35 / 30 dB (2)

    30 / 25 dB (2)

    Oberösterreich (1) Förderprogramm für die erstmalige Installation von privaten Wärmepumpen…

    n.a.

    n.a.

    35 dB

    Wien Merkblatt P61 für Bauansuchen für Klima-, Lüftungsgeräte und Wärmepumpen

    Rechnerischer Nachweis zur Einhaltung der Grenzwerte der ÖAL-Richtlinie 3-1:2008 und der ÖNORM S 5021.

    Steiermark

    Steiermärkisches Baugesetz
    § 79 Haustechnische Anlagen

    Benutzer und Nachbarn dürfen durch Schall und Erschütterungen nicht in ihrer Gesundheit gefährdet oder unzumutbar belästigt werden.

    Umweltbundesamt Empfehlung des Forum Schall der UBA

    n.a.

    n.a.

    30 / 25 dB (2)

    (1) … inkl. Vorgaben bei tieffrequenten Anlagen (in Oö. Bewertung ohne Nachtabsenkung)
    (2) … Beurteilung Fenster bzw. 3 m ab Grundgrenze

    Andreas Doppler, 23.08.2018
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  • Admin um 15:23 am 19. November 2015 Permalink | antworten  

    Umweltschutzkriterium Bioakustik – Tiere und Lärm 

    Lärm führt je nach Art und Stärke bei Tieren bereits zur Erhöhung der Aufmerksamkeit, zur Erhöhung der Herzfrequenz, zur Verhaltensveränderung, zu Gehörschäden, zur Flucht und Vertreibung, etc. und Tiere, die sich akustisch verständigen oder deren Jagderfolg vom Hörsinn abhängt, werden in ihrer Kommunikation bzw. Nahrungsaufnahme gestört.

    Noch bleiben aber vielfach Fragen offen, wie Schall von Tieren (insbesondere Wildtieren) wahrgenommen wird und das Verhalten und deren Befindlichkeit beeinflusst. Denn, die Wirkung von Lärm auf Tiere ist, soweit überhaupt bekannt, nicht immer dieselbe. So reagieren verschiedene Tierarten unterschiedlich auf akustische Stimuli. Zudem ist es vielfach nicht die Lärmwirkung alleine, da auch erst die Kombination mit anderen Reizen in den Tieren Reaktionen auszulösen vermag.

    Von Bedeutung sind diesbezügliche Erkenntnisse für Umweltuntersuchungen im Rang der Umweltverträglichkeits- und Naturverträglichkeitsprüfung, wenn Umweltschutz als Querschnittsmaterie von Akustik, Umweltmanagement, Ornithologie, Wildökologie, Forstwirtschaft und Gesetzgebung zu behandeln ist.

    Zum Hörvermögen von Tieren

    An Ihre Umweltbedingungen angepasste Tierarten weisen in der Regel ein besonderes Hörvermögen auf. Vielfach liegt der akustische Schwerpunkt der tierischen Kommunikation und Wahrnehmung im Frequenzbereich zwischen 1.000 und 20.000 Hz und umfasst teils auch den – für Menschen nicht mehr wahrnehmbaren – Ultraschallbereich ab 20.000 Hz.

    Liegen bei den untersuchten Tierarten im Frequenzbereich unter 1.000 Hz kaum Überschreitungen zu den international standardisierten „Normkurven“ (vereinfachte Abbilder des menschlichen Hörvermögens) vor, sind bei vielen Tierarten Abweichungen im Frequenzbereich zwischen 1.000 und 20.000 Hz zu finden. Die größten Abweichungen wurden u.a. im Rahmen meiner Masterthese-/Diplomarbeit bei Eulen, Katzen und Mäusen festgestellt.

    So zeigte sich im ersten Schritt der Untersuchung, dass die in der Schalltechnik für den Menschen gebräuchlichen Bewertungskurven kein ausreichendes Abbild des tierischen Hörvermögens im Frequenzbereich über 1.000 Hz schaffen. Bei der Beurteilung der schallimmissionstechnischen Wirkung auf Tiere wäre demnach Rücksicht auf artspezifisch besonders ausgeprägte Hörvermögen zu nehmen.

    Allgemein gilt, dass dem Hören wie insbesondere auch dem richtungsbezogenen Wahrnehmen (z.B. Ortungsvermögen von Schallquellen) ein äußerst komplexes biologisches System zugrunde liegt. Die Bestimmung des Hör- und Wahrnehmungsvermögens von Mensch und Tier mit Hilfe von technischen bzw. physikalischen Parametern bleibt demnach generell nur eine grobe Annäherung an die tatsächlichen Abläufe. Daher ist die weitere Grundlagenforschung an Tieren bzw. am Wahrnehmen von Geräuschen und dadurch ausgelösten Verhalten bei Tieren unumgänglich.

    Andreas Doppler, 19.11.2015
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  • Admin um 17:03 am 18. November 2015 Permalink | antworten  

    Geräuscheinwirkung spielender Kinder 

    Spielgeräusche ausgehend von Kinderspielplätzen und öffentlichen Einrichtungen wie Kindergärten, Schulen etc. waren zunehmend Gegenstand rechtlicher Auseinandersetzungen. Um Rechtssicherheit zu schaffen, haben u.a. die Landesregierungen von Oberösterreich, Niederösterreich, Steiermark, Burgenland und Kärnten bereits Änderungen in deren Baugesetzen (Bauordnungen, Bautechnikgesetze etc.) aufgenommen. Andere Landesregierungen sind gerade dabei entsprechende Ergänzungen vorzubereiten.

    Dahingehend werden die Geräuscheinwirkungen ausgehend von spielenden Kindern nicht mehr als schädliche Umwelteinwirkung klassifiziert.

    Siehe auch:
    NÖ Bauordnung 2014, § 48 Immissionsschutz
    Oö. Bautechnikgesetz 2013, § 2 Begriffsbestimmungen
    Steiermärkisches Baugesetz, § 13 Abstände
    Kärntner Bauordnung 1996 (Änderung wurde bereits beschlossen, Umsetzung folgt)
    Burgenländisches Baugesetz 1997, § 2 Begriffsbestimmungen

    Andreas Doppler, 18.11.2015
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  • Admin um 16:16 am 18. November 2015 Permalink | antworten  

    Baulärmmonitoring Halbanschlussstelle Hagenau bei Salzburg 

    Zwischen April und Dezember 2015 liefen die wesentlichen Arbeiten zur Errichtung der Halbanschlussstelle Hagenau (liegt an der A 1 West Autobahn zwischen der Ast. Salzburg Nord und Salzburg Messe). Unter anderem ist an dieser Baustelle bemerkenswert, dass das Amt der Salzburger Landesregierung bzw. die ASFINAG als Bauwerber im Auftrag der UVP Behörde ein ständiges Monitoring von Luft- und Bauschallimmissionen (d.h. Dokumentation des Baulärms an zwei Messpunkten) während den Errichtungsarbeiten durchführen lassen.

    So erlauben die messtechnischen Kontrollen an den gewählten Messpunkten jeweils den Vergleich mit den Ergebnissen der UVP/UVE-Unterlagen. Zeichnet sich bei den ausgewerteten Messungen eine übermäßige Belastung durch Baulärm ab, erfolgt eine Information an die Bauaufsicht und den baustelleneigenen Ombusmann, damit Gegenmaßnahmen eingeleitet werden können. Für diese Messung haben wir zwei geeichte Schallpegelmessgeräte der Firma NTI (Typ XL2) mit wetterfesten Mikrofonhaltungen in Verwendung. Die Geräte liefen mit Ausnahme von wenigen Stromausfällen beim Baustrom einwandfrei und haben allen widrigen Witterungen getrotzt. 

    AD, 18.11.2015

     
  • Admin um 16:05 am 18. November 2015 Permalink | antworten  

    Einwirkung von natürlichen und künstlichen Lichtquellen 

    Als Lichtimmission wird die Einwirkung von natürlichen und künstlichen Lichtquellen (Emissionsquellen) beim Betrachter bezeichnet. Über das Licht der Parkplatz- und Straßenbeleuchtung, der Beleuchtung von Firmenarealen, der Sportplatzbeleuchtung, der Bestrahlung von Gebäuden und Objekten oder auch bei selbstleuchtenden Objekten wie z.B. Leuchtreklamen kann es beim Nachbarn zu Störungen und Belästigungen kommen und überdies führen falsch ausgerichtete Leuchten zur „Lichtverschmutzung“.

    In Europa gibt es betreffend Lichtimmissionen bereits einige nationale Normenwerke, welche die zulässigen Lichtimmissionen bei Nachbarn und auf die Umwelt regeln. In Österreich sind u.a. folgende Normen und Richtlinien gegeben, die sich überwiegend mit der Auslegung und den Anforderungen an Beleuchtungsanlagen befassen:

    • ÖNORM EN 12464-2, Beleuchtung von Arbeitsplätze im Freien
    • ÖNORM EN 12464-1, Beleuchtung von Arbeitsplätzen innen
    • BGBl. Nr. 2010-221, Verordnung optische Strahlung – VOPST
    • ÖNORM EN 12665, Licht und Beleuchtung
    • ÖNORM CEN/TR 13201-1, Straßenbeleuchtung – Teil 1
    • ÖNORM EN 13201-2, Straßenbeleuchtung – Teil 2 bis Teil 4
    • ÖNORM O 1051, Straßenbeleuchtung – Beleuchtung von Konfliktzonen
    • ÖNORM O 1052, Lichtimmissionen – Messung und Beurteilung
    • ÖNORM O 1053, Straßenbeleuchtung – Auswahl der Beleuchtungsklassen
    • RVS 05.06.12, Blend- und Lärmschutz – verkehrsfremde visuelle Informationsträger
    • ÖNORM EN 12193, Licht und Beleuchtung – Sportstättenbeleuchtung
    • und andere …

    Mit 1. Oktober 2012 wurde die ÖNORM O 1052 „Lichtimmissionen – Messung und Beurteilung“ von der Austria Standards veröffentlicht. Damit wurde die Arbeit der Arbeitsgruppe betreffend eine nationale Regelung betreffend Lichtimmissionen veröffentlicht und Österreich schließt zu den Mitgliedsstaaten der EU auf, die Regelungen betreffend den Nachbarschaftsschutz und dem Naturschutz (Stichwort Lichtverschmutzung) gesetzt haben.

    Die Norm regelt die Wirkung von künstlichen Lichtquellen (Ausnahmen bleiben das Licht von Kfz und übliche Innenbeleuchtungen) und die Wirkung von leuchteten Flächen auf den Menschen und die Umwelt.

    Andreas Doppler, 18.11.2015
    ­­­­­­­­­­­­­­­­­­www.sachverstand.org

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  • Admin um 15:48 am 18. November 2015 Permalink | antworten  

    Lautstark – ein Forum zum Austausch von Fragen und Antworten zum Themenbereich „Immissionsschutz“ 

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    mit dieser Informationsplattform starten wir einen Versuch, Ihre Fragen zum Schutz gegen störende Immissionen wie Lärm, künstliches Licht, Beschattung und Fragen zum ArbeitnehmerInnenschutz bzw. Nachbarschaftsschutz etc. aufzunehmen und mit Antworten und Ratschlägen zur Verfügung zu stehen.

    Wenn Sie Ihre Fragen nicht öffentlich schreiben möchten, senden Sie mir zum Kennenlernen einfach eine Email an die Adresse blog@sachverstand.org.

    Mit besten Grüßen
    Andreas Doppler

     
  • Admin um 15:23 am 18. November 2015 Permalink | antworten  

    Neuausweisung von Baulandflächen 

    In der ÖNORM S 5021 „Schalltechnische Grundlagen für die örtliche und überörtliche Raumplanung und Raumordnung“ werden Planungsrichtwerte bzw. Immissionsgrenzwerte für die Gebietskategorien der Flächenwidmungen bzw. -nutzungen getrennt nach Tag-, Abend und Nachtzeit, festgelegt.

    Weiters liegen in manchen Bundesländern zu diesem Thema ergänzende Vorschriften und Richtlinien auf. Nach dieser Norm bzw. diesen Vorschriften wird z.B. bei Neuausweisung von Grundstücken aus schalltechnischer Sicht geprüft, ob sich diese beispielsweise als Wohngebiet eignen oder nicht.

    Nachstehend ein Hinweis auf die Planungsrichtwerte nach ÖNORM S 5021:

    Planungsrichtwerte für die Schallimmission, angegeben als Beurteilungspegel in [dB]

    Unterscheidung des Gebietes

    6 – 19 Uhr 19 – 22 Uhr 22 – 6 Uhr
    Ruhegebiete, Kurgebiete 45 40 35
    Wohngebiete in Vororten, Wochenendhausgebiete, ländliche Wohngebiete 50 45 40
    städtische Wohngebiete, Gebiete für Bauten land- und forstwirtschaftlicher Betriebe mit Wohnungen 55 50 45
    Kerngebiete (Büros, Geschäfte, Handel, Verwaltungsgebäude ohne wesentlicher störender Schallemission, Wohnungen, Krankenhäuser),
    Gebiete für Betriebe ohne Schallemission
    60 55 50
    Gebiete für Betriebe mit gewerblichen und industriellen Gütererzeugungs-
    und Dienstleistungsstätten
    65 60 55
    Gebiete mit besonders großer Schallemission (z.B. Industriegebiete)
    Kurbezirke 45 40 35
    Parkanlagen, Naherholungsgebiete 50 45 40

    Andreas Doppler, 18.11.2015
    ­­­­­­­­­­­­­­­­­­www.sachverstand.org

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  • Admin um 15:21 am 18. November 2015 Permalink | antworten  

    EU-Umgebungslärmrichtlinie 

    Die mit dem Dokument Nr. 2002/49/EG vorliegende Richtlinie der europäischen Union über die Bewertung und Bekämpfung von Umgebungslärm – allgemein als „EU-Umgebungslärm-Richtlinie“ bezeichnet – sieht vor, dass die Mitgliedstaaten Lärmkarten und Maßnahmenpläne erstellen. Die Umsetzung erfolgt durch das Bundes-Umgebungslärmschutzgesetz (Bundes-LärmG ) und durch diesbezügliche Gesetze der Bundesländer bzw. deren Verordnungen.

    Die in der EU-Umgebungslärm-Richtlinie angeführten Grenzwerte dienen zur Erstellung und Bewertung der strategischen Lärmkarten und den daraus abgeleiteten Aktionsplänen und Statistiken zur Zahl der von Lärm betroffenen Personen. Diese Karten dienen auch zur Information der Bevölkerung über die vorherrschende Schallsituation im Bereich von – im Sinne des Gesetzes – maßgeblichen Hauptverkehrsträgern und Industrieanlagen.

    Wie u.a. in §7 Abs. 12 des Bundes-LärmG angeführt, begründen die Aktionsplanungen keine subjektiv-öffentlichen Rechte und es können – umgangssprachlich ausgedrückt – keine Maßnahmen eingefordert werden. Das Bundes-Umgebungslärmschutzgesetz und zugehörige Gesetze und Verordnungen können über das Internetportal http://www.ris.bka.gv.at des österreichischen Bundeskanzleramtes online bezogen werden.

     
  • Admin um 15:21 am 18. November 2015 Permalink | antworten  

    Eisenbahnverkehrslärm 

    Beim Eisenbahnverkehr hat Österreich mit der seit 1993 geltenden Schienenfahrzeug-Lärmzulässigkeitsverordnung (Sch-LV) erstmals in Europa Lärmgrenzwerte für Schienenfahrzeuge verbindlich festgesetzt.

    Die Schienenverkehrslärm-Immissionsschutzverordnung (SchIV) behandelt den Anrainerschutz beim Neubau und beim wesentlichen Umbau von Strecken; Schallschutzmaßnahmen sind dann zu ergreifen, wenn die in der Verordnung festgelegten Immissionsgrenzwerte von Lr = 60 – 65 dB Tag (06:00 – 22:00 Uhr) und Lr = 50 – 55 dB Nacht (22:00 – 06:00 Uhr) überschritten werden.

    Die Schienenverkehrslärm-Verordnungen Sch-LV und SchIV können über das Internetportal http://www.ris.bka.gv.at des österreichischen Bundeskanzleramtes online bezogen werden.

     
  • Admin um 15:20 am 18. November 2015 Permalink | antworten  

    Straßenverkehrslärm 

    Das österreichische Kraftfahrgesetz (KFG) und die Kraftfahrgesetz-Durchführungsverordnung (KDV) regeln unter anderem die Bauart, die Ausrüstung und die Überprüfung der Kraftfahrzeuge. Die Straßenverkehrsordnung (StVO) regelt die Rechte und Pflichten der Verkehrsteilnehmer.

    So bestimmt die KDV u.a. Emissionsgrenzwerte für das Betriebsgeräusch der Fahrzeugtypen und die StVO enthält Bestimmungen über verkehrslenkende und verkehrsberuhigende Maßnahmen, wie gesonderte Geschwindigkeitsbeschränkungen und Fahrverbote bzw. zeitliche oder typenbezogene Verkehrsbeschränkungen (z. B. Nachtfahrverbote für Lastkraftwagen).

    Den Nachbarschaftsschutz an bestehenden Bundesstraßen regelt die Dienstanweisung GZ. BMVIT-300.040/0003-II/ST-ALG/2011, welche unter http://www.bmvit.gv.at/verkehr/strasse/autostrasse/laermschutz/downloads/bundesstrassen.pdf zum Download zur Verfügung steht. Maßgebliche Grenzwerte im Sinne dieser Dienstanweisung sind LDEN = 60 dB für den Tag-Abend-Nachtzeitraum und Lnight = 50 dB für den Nachtzeitraum.

    Darüber hinaus bestehen je nach Bundesland auch gesonderte Vorschriften und Regelungen betreffend den Neubau von Straßen und die Sanierung von bestehenden Streckenbereichen. Betreffend Details wird auf die Fachbereichsstellen der Bundesländer verwiesen.

    Für Interessierte wird das Selbststudium der Broschüre „Verkehrslärmschutz an Wohnungen und Gebäuden“ empfohlen. Diese ist unter dem Link media.arbeiterkammer.at/wien/PDF/Publikationen/Laermschutz.pdf abrufbar.

     
  • Admin um 15:20 am 18. November 2015 Permalink | antworten  

    Betriebslärm 

    Der Nachbarschaftsschutz gegenüber betrieblichen Immissionen wird in Österreich u.a. nach der Gewerbeordnung 1994 (BGBl. Nr. 194/1994 i.d.g.F.) durch die Behörden geprüft. Nachstehend ein Auszug aus der GewO betreffend die Genehmigung neuer Betriebsanlagen:

    § 77. (1) Die Betriebsanlage ist zu genehmigen, wenn nach dem Stand der Technik (§ 71a) und dem Stand der medizinischen und der sonst in Betracht kommenden Wissenschaften zu erwarten ist, daß überhaupt oder bei Einhaltung der erforderlichenfalls vorzuschreibenden bestimmten geeigneten Auflagen die nach den Umständen des Einzelfalles voraussehbaren Gefährdungen im Sinne des § 74 Abs. 2 Z 1 vermieden und Belästigungen, Beeinträchtigungen oder nachteilige Einwirkungen im Sinne des § 74 Abs. 2 Z 2 bis 5 auf ein zumutbares Maß beschränkt werden.
    Die nach dem ersten Satz vorzuschreibenden Auflagen haben erforderlichenfalls auch Maßnahmen für den Fall der Unterbrechung des Betriebes und der Auflassung der Anlage zu umfassen; die Behörde kann weiters zulassen, daß bestimmte Auflagen erst ab einem dem Zeitaufwand der hiefür erforderlichen Maßnahmen entsprechend festzulegenden Zeitpunkt nach Inbetriebnahme der Anlage oder von Teilen der Anlage eingehalten werden müssen, wenn dagegen keine Bedenken vom Standpunkt des Schutzes der im § 74 Abs. 2 umschriebenen Interessen bestehen.

    (2) Ob Belästigungen der Nachbarn im Sinne des § 74 Abs. 2 Z 2 zumutbar sind, ist danach zu beurteilen, wie sich die durch die Betriebsanlage verursachten Änderungen der tatsächlichen örtlichen Verhältnisse auf ein gesundes, normal empfindendes Kind und auf einen gesunden, normal empfindenden Erwachsenen auswirken.

    Weiters regelt die GewO auch die Anforderungen an bestehende Betriebsanlagen bzw. angedachten Erweiterungen derselben.

     
  • Admin um 15:18 am 18. November 2015 Permalink | antworten  

    Schalltechnische Grundlagen 

    In der Schalltechnik ist von Emissionen und Immissionen, Beurteilungspegeln, Spitzenpegeln, Frequenzen, Anpassungsfaktoren und dergleichen mehr die Rede. Die überwiegend verwendete Einheit ist das Dezibel [dB].

    Die Emission steht dabei für die „Energie“ der Quelle, vergleichbar der Leistungsangabe bei Geräten. Die Immission beschreibt die über die Entfernung, über das Hindernis etc. transportierte verbleibende „Energie“ beim Betrachter.

    Für die Beurteilung von Schall/Lärm ist zumeist der sogenannte A-bewertete energieäquivalente Dauerschallpegel (LA,eq) von Bedeutung. Die A-Bewertung gibt dabei das Hörvermögen des Menschen wieder und über die Energieäquivalenz wird ein Schallereignis mit typischerweise schwankendem Schallpegel in einen stellvertretenden Schallpegel übersetzt, der bei ununterbrochener Andauer den gleichen Energieinhalt aufweist.

    Über die Zurechnung von Korrekturfaktoren für die Charakteristik von Geräuschen (sogenannten Anpassungswerten) und Aufrechnung auf eine Beurteilungszeit wird aus dem A-bewerteten energieäquivalenten Dauerschallpegel ein sogenannter Beurteilungspegel (Lr).

    Als Beurteilungszeiträume werden üblicherweise der Tageszeitraum von 06:00 bis 19:00 Uhr, der Abendzeitraum von 19:00 bis 22:00 Uhr und die Nachtzeit von 22:00 Uhr bis 06:00 Uhr) herangezogen. Eine Variante ist auch der LDEN, der alle drei Zeitbereiche Tag-Abend-Nacht (also 24 Stunden des Tages) mit einer Gewichtung (Zuschläge je nach Zeitraum) aufrechnet.

    Oft wird von Anrainern bzw. Nachbarn im Rahmen von Genehmigungsverfahren die Verwendung von Beurteilungspegeln als „die tatsächlichen Erfahrungen vor Ort verzerrend“ missverstanden. Dem ist zur Aufklärung mitzuteilen, dass erst durch die genormte und international standardisierte Beschreibung eines schwankenden Geräusches durch eine einzige Zahl – den LA,eq-Wert – es erst möglich wird, Schallsituationen zu berechnen bzw. zu beschreiben und interessierende Szenarien einer vergleichenden Betrachtung zu unterwerfen.

     
  • Admin um 15:10 am 18. November 2015 Permalink | antworten  

    Lärm ist Schall, der als unangenehm und belästigend bewertet wird.
    Oder wie Kurt Tucholsky treffend bemerkte: „Lärm ist das Geräusch der anderen.“

    Während „Schall“ durch technische Gerätschaften gemessen werden kann, ist „Lärm“ eine subjektive Größe, die jeder Betroffene und jede Betroffene aufgrund der körperlichen und seelischen Verfassung, der persönlichen Erfahrung und Erwartung nach anders wahrnimmt. Dies ist auch der Grund, warum die Beurteilung von Lärm so schwierig ist und die Fachkompetenz der Technik und die der Medizin erfordert.

     
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